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Entfernt die Tische!

"Im Verlauf der drei Monate von The Artist Is Present machte ich die unterschiedlichsten Erfahrungen – jeder Tag we eine Art Wunder. Aber der letzte Monat war besonders intensiv, und das lag vor allem daran, dass ich den Tisch hatte entfernen lassen. Seitdem er weg war, verspürte ich eine unglaublich starke Verbindung zu jedem, der sich mit gegenübersetzte. Ich hatte das Gefühl, dass die Energie jedes einzelnen Besuchers vor mir aufgeschichtet blieb, auch noch lange, nachdem die Person gegangen war."

Marina Abramović, Durch Mauern gehen, Luchterhand Literaturverlag; Deutsche Erstausgabe, Auflage 14. November 2016, S. 404

Bild: Quelle









 

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Welche Energie fließt bei deinem Meeting?














"Am ersten Tag ohne Tisch passierte etwas sehr Merkwürdiges: Während ich dort saß, schoss mir plötzlich ein heftiger Schmerz in die linke Schulter. Als ich Dr. Linda Lancester am Abend fragte, was sie davon hielt, fragte sie mich: "War irgendetwas an der Position der beiden Stühle nicht richtig?"
Es stellte sich heraus, dass Marco, nachdem er den Tisch entfernt worden war, einen seiner Scheinwerfer anders ausgerichtet hatte, um eine Spiegelung zu vermeiden – und dies Verschiebung hatte dazu geführt, dass die Schatten der Beine des mir gegenüberstehenden Stuhls zusammenfielen und wie ein Pfeil direkt auf meine linke Schulter zeigter. Nachdem wir den Stuhl ein wenig verrückt hatten, war der Schmerz weg. Ich habe keine rationale Erklärung dafür gefunden. Aber es passieren so viele wichtige Dinge, für die es keine rationale Erklärung gibt."

Was mir am 5.1.2016 durch den Kopf ging

Die Miene meines Füllers ist kaputt, zerstört worden. Gleichzeitig bekam diese hier einen neuen Kniff.

Das Misstrauen durchdringt die äußere Schale des schaugespielten Charakters, den oder die man sich, in unterschiedlicher Intensität, zulegt und durchdringt. Misstraue dem ersten, zweiten und dritten. Aber zweifle nie. So gelangst du ins Vertrauen.

Die Hand in der Hose
ist besser als ne Dose Lose

Eiersalat in Bergen.
Kamelhaare im Regen.
Ein Degen im Spinat.

Von Haikelbein nach Itzingen, dort radelte ein Eugen.
Seine Äugeln waren himmelblau, seine Beine stark wie Bäume.

Jeden Morgen, nachdem er sich eine Tasse gemacht hatte, setzte er sich mit seiner heißen, dampfenden Tasse Tee in den Sessel seines Urgroßvaters aus Bergeneisenkirchen und trank Tee. Dieser Großvater hatte, blind wie er wahrscheinlich war, zwei Dutzend Heldenepen verschlungen. Die Folge war gewesen, dass ihm sein Dynamo überhitzte. Seine Sicherung brannte einfach durch. Sein Dachstuhl brannte ab. Ein historisches Feuerwerk explodierte in seinem Kopf; es konnte nur mit zehntausend Litern Benzin ausgesprengt werden konnte. Dann war wieder Ruhe gewesen.

Seit nunmehr 15 Jahren wohnt er draußen im Schuppen und flüstert am laufenden Band die wildesten Geschichten. Ständig. Er hört nie auf. Ohne eine Pause. Auch nachts. Kein Mensch kann länger mit ihm zusammen sein. Meine Tante bringt ihm jeden Tag Essen. Zweimal in der Woche steht er im Garten und spricht laut in die Welt. In dieser Zeit räumt die Tante die Wohnung auf. Meist geht das fix, denn er ist sehr ordentlich. Nur putzen tut er nicht. Das ist alles kein Problem. Im Grunde ist er ein sehr angepasster unauffälliger Mann. Bis auf die Sache mit den Epen.

Die Fokussierung verbindet Ausdruck mit Gedankeninhalt auf äußerst organische Weise. Meine Hand, gesteuert von meinen Gedanken, bringt Gedankensätze mit Tinte auf Papier.

Elefanten beißen keine Mäuse.

Mäuse lieben den Gesang von Waldbienen kurz vor der Paarungszeit.

- Ich kann mir gut vorstellen, wie du warst, als du 5 Jahre alt warst. Wie war ich denn? War ich einfach ein anderer Mensch?
- Was soll ich sagen?
- So einfach ist das nicht.

Kleiner Text-Wahn

Schreiben kann man lernen, oder auch nicht. Schlimm ist, wenn man nicht schreiben kann, aber trotzdem schreibt und dann behauptet, es sei richtig richtig gut. Ok, eines muss man dem folgenden Text lassen, er hat Persönlichkeit. Aber nutze ich Quasimodos Hackfresse im Kundenkontakt?

"Welche Ursache liegen diesem für die südliche Rhône fast einzigartigen Stil zu Grunde? In erste Linie spielt die relativ hohe Lage der extrem kalkhaltigen Parzellen inmitten der pittoresken Naturlandschaft der Dentelles de Montmirail eine große Rolle, welche besonders große Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht ermöglicht, die wiederum ideal sind zur komplexen Aromenbildung der Trauben. Des weiteren ist die hohe Pflanzdichte der sehr alten Reben bedeutsam, wodurch deren Wurzeln zur Nahrungsaufnahme aus Konkurrenzgründen tief in die Erde gezwungen werden und die nördlich orientierte Ausrichtung der Parzellen, die eine späte, selektive und behutsame Handlese sehr aromatischer, hochreifer Trauben mit genügend Säure (wichtig für die Frische der Weine) aus einem relativ langen Vegetationszyklus ermöglichen. Danach vinifiziert Louis in seinen uralten unterirdischen, in die Felsen getriebenen Kelleranlagen (in Stein gehauene Bottiche aus der Römerzeit zeugen hier von einer langen Weinbautradition) unter traumhaften klimatischen Bedingungen „Weltklasse-Gigondas und sehr preiswerte Côtes-du-Rhône in höchster Qualität die meine Leser nicht vermissen sollten”, wie Parker enthusiastisch urteilt! Lassen Sie sich, werte Kunden, diese Trouvaillen auf keinen Fall entgehen."

Was ich damit anstellen musste?

Gedanken am Tresen

In seinem blauen T-Shirt steht er da. Er streckt das Rotweinglas in den Himmel, als wäre er die lebendige Freiheitsstatue. Mit dem Kinn hin zum flüssigen Sinn spricht er aus, was er fühlt: „Heute ist ein guter Tag. Er brachte Gedanken, die ein Projekt gebaren und jetzt ist es warm hier auf dem Balkon. Und die Welt zeigt mir einen singenden Sonnenuntergang.

Die Kunst, Pflanzen zur Blüte zu ziehen, ist der Achtsamkeit zuzurechnen, die manchen menschlichen Beziehungen fehlt. Ob eine Pflanze zu wenig Wasser hat, oder ob ihre Wurzeln ertrinken, ob ihr zu wenig Sonnenenergie keine Kraft schenkt, oder ob die Hitze ihre Zellen verbrennt, ob die müde Luft im Raum schlechte Träume schafft, oder ob ständiger Durchzug keine Ruhe lässt - wir müssen achtsam sein, dass die Bedingungen optimal sind. Sind wir nicht zu Recht stolz auf die Blühte einer Pflanze, die wir selbst gesät haben?

Die kleine Schülerin lernt Geige. Ihre Wangen sind rosig und prall, wie ein reifer Apfel. Wenn sie spielt, verwandelt sich Wein in Wasser, aus den Dielen sprießen Knospen und die Perlen am Collier der Lehrerin springen davon und hüpfen zurück in ihre Muscheln.

Gehirnlust

Vor mir auf dem Tresen steht noch kein Bier. Hinter dem Tresen arbeitet ein Sex-Vulkan. Ein lockig brünetter. Ich würde ihn gerne anlocken. Traue mich aber nicht. Ich würde wahrscheinlich zerlaufen. Oder riskiere ich es?

Meine Unsicherheit füllt sich mit Gedanken: Warum muss diese neonrot gefärbte Hitzequelle auch noch hübsch sein? Es macht doch keinen Sinn, sich von dieser glühenden Attraktion irritieren zu lassen. Aber es ist nicht die Irritation, die mich stört. Es ist die brutale Gewalt, mit der sich diese scharfe Braut in meine Aufmerksamkeit schlingelt.

Diese Lustbombe rutscht mir durch den Leiter und robbt mir in die Eier. Warum brennt sie sich nicht einfach durch den Bauchnabel? Von den Hoden rast sie als heiße Begierde direkt ins Hirn. Dort angekommen zieht sie sich als nackte Fraulichkeit wie Raclette-Käse durch meine neuronalen Windungen und verklebt Sinne und Gedanken. Mein Sprachzentrum schmilzt. Die Zunge wird lang. Meine Sätze korsisch.

Vielleicht, damit alles wieder gut wird, muss ich nur mit ihr vögeln, der fleischlichen Versuchung die Zunge bis zum Würgereiz reinstecken und ihr dabei den Hals zudrücken, weil sie so lebendig ist, während ich wie eine Marionette auf ihre Reize hereinfalle und mir nichts sehnlicher wünsche, als bestialisch zu explodieren.

Meine Wille ist zerstört. Meine Moral verreckt. Und das Subjekt meiner Triebe stellt vor mir ab, was sie mir geben kann. Mit dem Griff zum Bier drehe ich mich weg.

Erlebnisse für die Erkenntnis

Mit einem Schritt zum Tresen stirb mein Tod. Ich bin wieder lebendig. Neben mir sitzen meine Fausts und verbreiten Heimlichkeit. Mein Sprechorgan funktioniert wieder. Es lacht.

Angelockt von meinem Lärm stellt sich ein Bauch neben mich und sagt Worte. Ich antworte ihm, dass ich nichts zu sagen habe. Er widerspricht und packt aus.

Sein Schwäbisch mit polnischem Akzent lässt mich mein Bier austrinken und ich fange an, mich zu löschen: Vorgang zur Beschleunigung durch Ichlosigkeit eingeleitet.

Plötzlich stirbt ein Schwarm Flöhe in meinem Unterbauch an Selbstentzündung. Ich stehe auf Richtung Abort. Auf dem Weg zum Klo muss ich alle Wände beruhigen, mich nicht anzuspringen. Ich kann sie beruhigen.

Leider fällt mir der Boden in den Rücken. Ohne mich zu verabschieden, verliere ich mich.
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Verteufeltes schwarzes Licht.
Wie eine Kobra springe ich aus dem Schlaf ins Leben. Das erste lebendige Geräusch ist das Klacken von Plastiktasten. Es wird unterbrochen von E.’s Gekicher.

Ich bin also wieder im Hotel und E. chattet mit einer Maschine. Ich frage mich, ob das Wetter heute eine Dusche empfiehlt. Mit dem Blick an die Decke weiß ich es.

Ich stehe auf und dusche mich. Kalt. Warm. Kalt. Warm. Das Warm konserviere ich und nehme es mit zurück in das Teppichzimmer, in dem wir seit vier Tagen ausnüchtern wollen. Bisher ohne Erfolg.

Das Scheitern des Ausnüchterns ist der ewigen Fresse zu verdanken, die uns morgendlich ins Gesicht kotzt und der wir verbissen beweisen müssen, dass wir sie nicht ertragen.

Ich gebe E. die Sporen und wir verlassen ohne Frühstück unser Zuhause. Auf dem Weg zum Kefirek, dem lokalen Futteranbieter, werden wir zu Wachs und fließen am Eingang vorbei.

Als wir schließlich doch umgeben von Nahrungsverpackungen sind, frage ich E: „Welcher Tag ist heute?“ Er grunzt verächtlich: „Wahrscheinlich Toast und Rührei!“

Dann geht es zu S. Die Wette, ob er schon sprechen kann, gewinne ich. Seine Küche sieht aus wie ein Stall, in dem sich Hähnchen selbst abnagen und auf den Misthaufen in der Mitte schmeißen.

Wir vermischen Ei und Tomatensoße. Aber das Frühstück macht zu wenig Spaß, als dass es schmecken könnte.
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Ohne hinzusehen, verbinden mich die Fausts mit meinem Selbst. Ich brauche nur die Augen zu schließen und schon ist das Herz offen. Es ist kein bewusstes Erleben. Aber immer ein Kampf mit den eigenen Endgegnern, die unsichtbar bleiben.

Nach dem Sieg über meine inneren Monster kommt das Gleiche noch einmal, nur eine Stufe härter. Ich stelle alle meine Freundschaften auf die Probe und fordere mich heraus, mich zur situativen Einseitigkeit zu bekennen und gleichzeitig das Übergeordnete, das was wirklich verbindet, zu verdeutlichen.

Meine Erlebnisse füllen meine Leben. Die Kompliziertheit meiner Erkenntnisse macht mir Mut.

Mein Ritual

„Du bist wirklich schon 33?“ Susan Busen, die luxuriöse Spanierin, konnte es nicht glauben. „Du siehst aus wie 27.“ Ich grinste wie ein Schneemann. „Das ist Rekord.“ Sechs Jahre jünger hatte mich noch niemand geschätzt. „Ich kann dir sogar sagen, woran das liegt. Meine Hülle wird von den universellen Geheimnissen von Gesundheit und Jugend frisch gehalten. Ich weihe dich gerne in die geheimen Praktiken ein.“ Susan Busens Blick verriet, dass sie beim Wort Praktiken an Sex dachte. „Wieso Praktiken?“ Offensichtlich waren ihre Gedanken ihrem Blick gefolgt, trauten sich aber nicht in den Busch. „Weil es nicht nur Schminke und Frisur sind, die mich jung wirken lassen.“ „Was denn noch?“ Dass ich vorgab, mich zu schminken, schien sie kalt zu lassen. „Meine Fußtechnik natürlich“, sagte ich mit ernstem Tonfall, lehnte mich zurück und berührte unter dem Tisch mit meinem Fuß die Innenseite ihrer Oberschenkel. Sie grinst einseitig und trank mein Bier aus.

Der Unterschied zwischen Dildos und Vibratoren

Was genau sich hinter den okkulten Begriffen Dildo und Vibrator verbirt, obwohl schon einer der Begriffe klar ansagt, um was es geht, ist trotzdem ein Mysterium, das hier und heute entlüftet wird. Dr. Axel erklärt hier nun, was der Unterschied ist.

Vibratoren sind elektromechanische Sexspielzeuge mit einem weichen Äußeren, ähneln aber in keinster Weise Plüschtieren mit Musik im Bauch. Es gibt sie in verschiedenen Formen und aus verschiedenen Materialien. Manche sehen aus wie eine Zigarre, manche wie ein Mini-Ufo. Manche sind aus Hartgummi, manche aus Weichkautschuk, Holz oder eiskaltem Metall. Kleine Elektromotoren setzen sie in Schwingung. Dabei ensteht ein Geräusch, das an einen Rasierapparat erinnert. Sie kitzeln, beziehungsweise erregen, damit. Surrrrr. Lach. Stöhn.

Ursprünglich wurden sie wohl als medizinisches Gerät gegen die sogenannte „weibliche Hysterie“ entwickelt, die auch Freud behandelte. Die vibrierenden Bewegung sollten schon damals erogene Zonen am Körper stimuliern. Aber nicht zwecks Masturbation, sondern zur Heilung des kranken, hysterischen Weibes. Heute nutzt man Vibratoren natürlich als Masturbationshilfe und als Sexspielzeug im partnerschaftlichen Geschlechtsverkehr - überwiegend für die sexuelle Erregung der Frau. Aber auch Männern nutzten sie für bestimmte Areale des Körpers, beispielsweise Brust oder Anus. Dafür bietet die Industrie selbstverständlich ganz spezielle Vibratoren an.

Ein Dildo ist eine Nachbildung eines erigierten Penis und insofern ein Sexspielzeug, als dass ein erigierter Penis mehr mit Sex zu tun hat, als mit Kochen. Das Wort Dildo ist nur leider nicht so deutlich. Es kommt wahrscheinlich vom italienischen diletto "Entzücken" und/oder vom lateinischen dilectio bzw. diligere "hochachten", "lieben".

Dildos gibt es in allen Materialien, Formen und Farben. Frauen kaufen wohl mehr bunte, fantasievoll geschwungene, während Männer mehr naturgetreue Phallusformen bevorzugen. Anwendung findet der Dildo bei der vaginalen bzw. analen Penetration. Er stimuliert, unter manueller Bedienung, die Klitoris und den sogenannten G-Punkt bei Frauen. Beim Mann kann er anal die Prostata stimulieren natürlich auch bei der Selbstbefriedigung, der parterschaflicher Sexualaktivität, beim Einkaufen oder im Wartezimmer.

Gerüchte berichten, es wurden schon vibrierende Dildos gesehen, und sogar Vibratoren in Penisform. Crazy!

Das Leben ist nu

„Man sagt, Punkt 24 Uhr sei die Grenze zwischen dem alten und dem neuen Jahr. Aber so einfach ist das nicht. Ob ein Jahr neu wird, liegt nicht am Kalender, nicht an der Uhr. Ob ein Jahr neu wird, liegt an uns. Ob wir es neu machen, ob wir neu anfangen zu denken, ob wir neu anfangen zu sprechen, ob wir neu anfangen zu leben.“
Johann Wilhelm Wilms (1772 – 1847), deutscher Komponist und Musiklehrer

"Was Wilmsi sagt, gilt für jeden einzelnen Tag! Es gilt für jeden ersten bewussten Atemzug am Morgen, für jede Stunde des Tages. Wir haben zu jeder Zeit, in jeder Sekunde unseres Lebens die freie Entscheidung darüber, wer und was wir sein wollen. Du brauchst nur die Vergangenheit und die Zukunft zu vergessen und den Moment zu checken. Check das!"
Dr. Axel Stirn (1876*), deutscher Denker und Lebenslehrer

Der Wald hat ihn geschickt

Das hier ist eine Naturserie. Eine Serie ohne Menschen. Baum. Bäume. Ist vielleicht auch mal ganz cool. Das hier war in Guatemala.

Das war alles in Guatemala?

Ja. Ich denke schon. Alle Bilder sind Guatemala.

Hast du irgendeinen Schimmer, was man auf diesen Bilder sieht?

Warte mal. Ich schau noch mal. Ja. Den Dschungel vor meinem Haus. Das war auf einer Bananen-lasagne. Ich meine, Plantage. Ich weiß nicht mehr genau, wie das heißt. Valley? Wo Europäer seit ein paar Hundert Jahren plantagen. Es wird einfach ohne Ende Zeug angebaut. Bananen. Bananen. Wir haben da auf einer Kaffeeplantage gewohnt. Es war so ein Hilfsprojekt.

Wann war das?

Das war im März rum.

Wie hast denn da hingefunden?

Die zwei Typen, die dort arbeiten, habe ich in einem Hostel kennengelernt, und die haben erzählt: Komm doch mit und blaaa. Und ich hab gedacht, klaaa, und dann bin ich mit denen in den Dschungel gefahren. Ich habe dort umsonst gewohnt, umsonst gegessen. Als Gegenleistung habe ich ihnen einen kleinen Film gemacht.

Sie kaute auf ihrer Lippe.

Sie kaute auf ihrer Lippe. Gleich würde sie Besuch bekommen. Mit Erdbeeren und Kuchen. Ob er pünktlich kommen würde? Oder hatte sie noch Zeit, ein paar Flaschen Altglas wegzubringen und damit die Chance, die Küche etwas aufzuräumen? Seit einer Woche standen die leeren Weinflaschen herum, übriggeblieben vom Fest ihres einundzwanzigsten Geburtstags.

Am Abend der Feier war in ihrer kleinen Wohnung keine Bewegung mehr möglich gewesen, so dichtgedrängt hatten die Gäste in allen Zimmern gestanden. Aber die betrunkenen Menschen waren brav geblieben. Nichts war zerstört worden. Sogar die Geranien auf der Fensterbank hatten es überlebt. Nur musste am nächsten Morgen viel Müll weggeräumt werden. Vor allem leere Bierflaschen, die nicht nur im Badschrank aufgetaucht waren, auch im Bücherregal, unter ihrem Bett, auf den Schränkchen im Flur und sogar in den Küchenschränken. Das meiste waren Pfandflaschen gewesen, die sie einen Tag später weggebracht hatte.

Aber elf leere Flaschen Wein standen heute noch in der Küche und blickten sie täglich scharf an. Die Flaschen versammelten sie inzwischen neben dem Regal und vor dem Fenster. Jeden Tag wanderten sie ein wenig. Aber immer waren sie im Weg. Immer wo anders. Bei manchen Schritten stolperte sie darüber und stellte sie erneut auf. An einen neuen Platz. Manchmal musste sie sich weit nach vorne beugen, wenn sie nach Brot und Marmelade griff, um über leere Flaschen zu reichen. Wenn sie am Tisch saß, konnte sie den Stuhl nicht nach hinten schieben, sonst klirrte es und die Flaschen rollten lachend über den Boden. Beim Öffnen der Fenster musste sie besonders vorsichtig sein. Die Flaschen waren sehr egoistische Mitbewohner.

Sie beschloss, dass es keinen guten Eindruck machen würde, wenn die Küche voll mit leeren Flaschen stand. Es war an der Zeit, wenigstens einen Teil davon wegzubringen. Sie packte eine Tasche voll und verließ die Wohnung. Der Glascontainer war nur eine Straße weiter, neben dem kleinen Supermarkt an der Ecke. Sie würde in spätestens fünf Minuten zurück sein.

Auf halben Weg fragte sie sich, ob es richtig war, was sie da tat. Sie hatte den Kerl vor über zwei Wochen auf einer Party kennengelernt und mit nach Hause genommen. In weniger als zehn Minuten würde er bei ihr an der Tür klingeln, wahrscheinlich Erdbeeren in der Hand halten und mit ihr schlafen wollen.

Cäsars Eichhörnchen

Ich denke an Gaius Julius Caesar. Er soll geschrieben haben: Von Spanien bis an den Limes könnte ein Eichhörnchen sich von Baum zu Baum hangeln, so dicht sei der Kontinent bewaldet. Als ich vor wenigen Wochen von Deutschland nach Spanien flog, sah ich die restlichen Waldflächen aus der Luft. Im Vergleich zur Fläche, die schon entwaldet waren, erschienen sie klein. In Spanien musste man den Wald regelrecht suchen. Wie viele Bäume hat der Mensch schon gefällt? Wie viel Wald hat die Menschheit schon zersägt?

In einem Mittelalter-Film fiel der Satz: "Schau dir diese Fregatte an. Man sagt, fünftausend Eichen wurden für sie gefällt."

Während einer Bahnfahrt durch das Moseltal blicke ich aus dem Fenster. Am gegenüberliegen Ufer, dem Nordhang, wächst kein Wein. Dort begleitet ein unberührter Naturwald als grünes Band den Lauf des Flusses. Er ist dicht, steht jetzt, zu Beginn des Sommers, gut im Saft. Seine Millionen Blätter flimmern und glitzern im Sonnenlicht. 

Ich denke an die felsigen Berge, die unter der grünen Decke liegen, an deren Klüffte und Kanten. Ich denke an das Unterholz der schattigen Hänge. Ich erinnere mich, wie ich als Kind quer über den Hang kletterte, über Stämme stieg, durch Dickicht kroch, viele Kurven und Umwege um Hindernisse machen musste, um an mein imaginäres Ziel zu gelangen. 

Von meiner Seite des Ufers, auf der der Zug fährt, sehe ich keine felsigen Berge. Sie sind unter dem weichen Waldteppich versteckt. Das Grün dieses Teppichs wirkt als etwas Ganzes, als etwas Geschlossenes, als wäre der Wald ein separates Element, das einfach auf diesen Hängen liegt. 

Hätte ich eine riesige Hand, würde ich über den Wald streicheln, seine sanften Rundungen erspüren, die er auf Kuppen hat, würde seine Täler bemerken, und erkennen, dass es dort kühler ist, weil die frisch Luft sich dort sammelt. An einigen herausragenden Nadelbäumen wäre es etwas rauer.

Ich würde mit meinem Daumen unten an der Kante, wo der Wald ans Wasser der Mosel reicht, die Dicke des Waldteppichs fühlen. Vielleicht würde ich auch etwas pulen, und schließlich den Teppich als Schicht von den Bergen abziehen. Übrig bliebe rauer, schroffer Stein.

Aber so, wie ich mir das vorstelle, ginge das nicht. Der Wald besteht aus einzelnen Bäumen, die ihre Wurzeln tief im Erdreich haben, so tief, dass eine Grenze, wo der Wald aufhört und das Gestein anfängt, kaum gezogen werden kann. Man sagt, was ein Baum über der Erde hat, hat er auch unter der Erde. Wie weit wurzelt der Wald in den Berg hinein? Er ist mit dem Berg verwachsen.

Bäume gelten auch als die irdischen Wesen, die Sonne und Erde direkt miteinander verbinden. Sie sind der Übergang von grober materieller Sphäre zur feinstofflich, geistigen Welt - wobei es auch hier eigentlich keine Grenze gibt, genau wie bei der Suche nach dem Anfang des Waldes im Boden.
Die Bäume sind einzelne Wesen. Jeder einzelne wächst tief und reckt seine Äste zur Sonne. Untereinander konkurrieren sie ein wenig um das beste Licht von oben, aber ihre Gemeinsamkeit stellen sie nie in Frage. 

Ohne die anderen Bäume stünde ein einzelner nicht im Wald. Alleine könnte er keinem Reh Versteck bieten, alleine könnte er im Sommer nur ein wenig Schatten spenden, aber keine Kühlung, alleine würde ein Baum das bunte Leben, das sich im Wald abspielt, nicht erleben können. Ohne Wald, ohne die Gemeinschaft der Bäume gäbe es die Waldsphäre nicht. Der Wald als Singularität besteht allein aus der Gesamtheit einzelner Wesenheiten. 

Was mögen es für Bäume sein, die dort an den Hängen wachsen? Sie ähneln sich alle, und sind doch so unterschiedlich, dass wir ihnen Namen gegeben haben. Die knorrige, stolze Eiche. Die hohe, elegante Esche. Die helle, neugierige Birke.

Ich mag unseren Wald und respektiere ihn. Ich bin bereit ihn zu schützen. Ich respektiere jeden einzelne Baum. Ich liebe Bäume und Wald. Auch wenn ich mit dieser Einsicht nicht noch einmal nach Spanien fliegen darf - und ihn nie wieder von oben sehen werde.

Nachtrag

Es stand mit dem europäischen Wald schon schlechter. Bilder aus Spiegel-Artikel über Europas Wald.







Unsere Seele ist ein Vorgarten

Nehmen wir an, unsere Seele ist ein kleiner Vorgarten vor einem kleinen Haus. Ich meine, dort muss das Gras nicht jede Woche mit der Nagelschere geschnitten werden. Es muss nicht jedes modrige Blatt mit Fingerspitzen aufgesammelt werden, als wäre es Giftmüll. Ich meine, der kleine Vorgarten darf wachsen und gedeihen, fast ganz so wie er möchte.

Der Garten wird anfangs auf frischer Erde gesät. Im Laufe der Jahre würde ein Dschungel voller Nischen und Verstecke enstehen. Tiere würden sich ansiedeln. Darunter tausende von Ameisen, die mithelfen, den Stoffkreislauf in Betrieb zu halten. Alle Vögel, Schnecken, Mäuse und Läuse würden Erde bewegen, Pflanzen essen und Samen pflanzen. Ohne planerischen Eingriff würde der kleine Vorgarten ein reiches Biotop werden. Er würde funktionieren, das Leben ihn regeln - ganz einfach und in unvorstellbar komplexen Zusammenhängen.

Der Traumstein

Nach vielen gleichen Tagen brach ich eines Abends auf, um meine Stadt zu verlassen. Viele Stunden war ich unterwegs. Viele Tage. Die Landschaften zogen an mir vorbei und veränderten sich. Ihre Hügel wurden höher, verschwanden mal ganz. Die Wälder wurden lichter, dann wieder dunkler. Ich reiste durch Nacht und bei Tag. Mein Ziel war eine andere Stadt.

Alkohol gegen die Freiheit

Stellt sich auch mit ausreichend persönlicher Erfahrung jemand noch wirklich und ernsthaft die Frage, warum so viele Wirkstoffe illegal sind, Alkohol aber legal! Man beachte auch das Motto am oberen Rand! Mir ist Angst und Bange.

Außerdem, schon mal realisiert: "Demokratie ist die Herrschaftsform, in der die Bürger so beherrscht werden, wie sie es verdienen."

Wenn wir zunehmend (aktiv) entpolitisiert werden - weil viele von uns so gerne zu reinen Verbrauchern gemacht werden, ist die selbsternannte Elite also nur konsequent beim Energiesparen, wenn Sie ihrem Plan folgt.

Und noch eines: "Wer in der Demokratie einschläft, wacht in der Diktatur auf."

Gedichte für Dichte

Freudentod


Die Kinder schwarzer Todesraben
singen, wo sich Wölfe paaren.
Denn Orte voller Finsternis,
sind Glück im Land des Hindernis.

Wo doch herrschaftlicher Rasen
voller Pracht und kleiner Hasen
Kindern Früchte schenken will.

Im Sonnenschein verbrennt das Ich.
Im Dunkeln lebt das wahre Licht.
Sei wie der Beere feinster Saft
und zehre von der Raben Kraft.

Freudenkot


Der Rinder gelbe Todesgaben
töten, wie sich Wölfe paaren.
Denn Worte voller Finsternis,
sind Glück im Dorf der bösen List.

Wo doch königliche Straßen
voller Tracht und heiler Phrasen
lieber Künste sehen soll.

Im Fackelschein verbrennt man sich.
Im Herrschen lebt das wahre Ich.
Sei wie der Leere feinster Kraft,
und wehre auch der Knaben Saft.

Freuden Mod`


Die Finder schwarzer Todesgraben
fangen, wo sich Wölfe paaren,
jen´ Worte voller Finsternis
sind Glück. Im Land der Pessimist.

Wo noch herrschaftliches Blasen
voller Nacht und kleiner Hasen,
Findern Lüste schenken will.

Im Sonnenschein verbrennt das Ich.
Im Dunkeln lebt das wahre Licht.
Sei wie der Heere feinster Kraft
und zehre von der Knaben Saft.

Käulentod


Der Schänder grauße Todesgaben
fressen, wo sich Läuse schaben.
Denn Torte voller Finsternis,
einst Stücke von der bösen Hex.

Wo doch mancher kleine Strafen
voller Fracht von seinen Maßen
lindernd Künste stehlen will.

Im Mondesschein verbrennt die Sicht.
Im Morden sirbt das wahre Ich.
Sei wie der Heere stärkste Kraft
und wehre auch der scharfen Schaft.

Der Beinahetod eines Hipster

Gestern sah ich den Prototyp eines Hipsters, wie er beinahe ums Leben kam. Ich wartete, um in den Kreisverkehr einzufahren. Er kam von links auf mich zu, um an mir vorbei zur nächsten Ausfahrt zu fahren. Auf seinem Kopf saßen schwarze Locken wie eine Schaumkrone über rasierten Seiten. Seine enge schwarze Jacke verschmolz mit einer engen schwarzen Jeans. Leider endete die Hose kurz über den Stiefeln und erlaubte den Blick auf blasse Waden. Er fuhr auf einem grellgrünem Fahrrad ohne Schutzblech. Sein Lenker war einer dieser kurzen Stangen, die Fahrer wie behinderte Störche aussehen lassen.

Während er also in seiner Linkskurve fuhr, erblickte er mich, und es war wohl meine Erscheinung, die ihn dazu veranlasste, noch hipper wirken zu wollen. Er hörte auf zu treten, streckte die Arme durch und reckte das Kinn in die Höhe. In diesem Augenblick bremste vor ihm ein Auto, sein Fahrer entschied sich spontan für eine neue Richtung - und lenkte plötzlich nach links. Der Hipster, kein bisschen aufmerksam, war sehr mit hip sein beschäftigt. Er bekam davon nichts mit.

Vor meinem inneren Auge sah ich ihn schon zu Boden stürzen, von Wucht und Aufprall zermalmt das hippe Leben aushauchen. Im letzten Moment verließ ihn jedoch die Hippnes, er bremste und zog ebenfalls scharf nach links. Nur Zentimeter neben dem Auto kam er zum Stehen. Der Fahrer hatte von dem Beinahe-Tod des Hipsters nichts bemerkt und fuhr davon. Der Hipster blieb stehen, verdutzt, mit wirrem Blick auf die Kapriolen der Realität. Glücklicherweise verzeiht das Leben hin und wieder egozentrische Träumereien, und belässt es bei einer Warnung.

Der Aufzug des Nebels

Der Zug, in dem ich laß, hatte bis zur dritten Station keine Verspätung. Dann kam die Durchsage: „Aufgrund ehrlicher Probleme seitens der Spurenprognose, werden wir unser Ziel heute niemals erreichen. Wir bitten Sie, dies zu verleumden und wünschen eine angenehme Wetterreise.“ Erik und ich schauten uns an. Es war sicherlich besser, keinen Gedanken daran zu verschwenden und einfach sitzen zu bleiben. Was auch immer der Zugführer damit gemeint hatte, wir würden es bestimmt bald herausfinden.

Vorerst gab es für uns keinen Grund zur Sorge. Bis zum Abflug nach Krakau hatten wir genügend Zeit. Es war nur fraglich, ob das Raum-Shuttle warten würde, das uns vom Bahnhof zum Flughafen bringen sollte. Noch bestand kein Grund zur Panik. Wir schauten aus dem Fenster, als wir in einen kleinen Bahnhof einfuhren. Auf den Bahnsteig unserer dritten Haltestation lag hoher Schnee und die Menschen sahen im Licht der Laternen aus wie gelbe Statuen.

All I Nied


„Das ist eine typische Karte von einem Designer“, musste der Geograph in mir sagen.
„Sieht schön aus, ist aber kaum zu lesen. Woher kommen wir? Wohin sollen wir?“
Die Frau war am Steuer und neben dran ein Ungeheuer. Ich war gerade dabei, die gute Laune zu verbrennen, als ich mich erinnerte, heute schon schlau gehandelt zu haben.
„Ich habe eine echte Karte mit der Wegbeschreibung ausgedruckt im Sack. Soll ich sie rausholen?“
„Nein, gib einfach den Straßennamen in das Navi ein.“
„Der liegt schwarz auf weiß zwischen meinen Beinen“, sagte ich und warf meinen Kopf gegen die Stütze.
„Kritisiert du etwa meine Fahrweise?“ schallte es von links.
„Nein, Herrgott, ich habe Hunger und mir ist heiß. Die 35 Grad da draußen, machen mich fertig. Also bring uns einfach ans Ziel.“
„Ist ja gut. Hast du die Karte?“
Ich holte sie aus der Tasche, gab die Straße ins Navi ein und wir hörten:
„Für ihre Route wird gebetet.“
„Danke“, schnauzte ich zurück. „Auch das noch.“ Ich dreht mir eine Zigarette, rauchte und ignorierte die Zeit.

Die weitere Fahrt verlief weiter, ohne zu verlaufen. Das Ziel, Flo's Geburtstagsparty, war außerhalb aller Örtlichkeit, am Rande Deutschlands, ja, um Himmelswillen, beinahe in Frankreich.
„Sind wir bald da? Ich dachte, du weißt, wo das ist?“ sprach die Fahrerin mit dem Ungeheuer, dem langsam der Saft ausging.
„Ich weiß ungefähr, wo es ist. Aber weiter als bis hier, war ich auf diesem Feldweg noch nie. Wir werden es schon finden.“
Der schwarze Wagen brachte uns mit klingendem Popschrott und verklimatisiertem Fußraum an Schreberlichtungen vorbei langsam Richtung Ausland. In Frankreich reichte es uns.
„Hier ist es bestimmt nicht. Der feiert doch nicht im Ausland. Komm wir drehen um. Nein, halt. Erst steigen wir aus und atmen Auslandsluft.“
„Gute Idee“, sprach die Frau, stieg aus, hob den Rock und pinkelte neben das rechte Hinterrad des Wagens. Sofort verwandelte sich der wüste Parkplatz in eine Oase. Ich musste wieder rauchen und wünschte mir Sandalen.
„Meinst du, wir finden deine tollen Freunde? Oder sind die noch gar nicht hier?“ fragt die Frau mich vor mir hockend.
„Was soll ich denn darauf antworten? Soll ich dir Hoffnung machen? Soll ich ehrlich sein? Soll ich den Moment authentisch verbalisieren? Ruf doch mal an.“
„Ich habe kein Netz.“
„Na toll. Einen 600 Euro Apparat am Arsch der Welt in der Tasche. Wertlos. Freunde, die man nicht findet. Wertlos. Rohes Feisch das in Plastikfolie schwitz. Wertlos. Wenigstens sind wir nicht allein, sondern haben uns.“
Wir umarmten uns, und küssten uns so, wie Elefanten in der Wüste aus einem Wasserloch trinken. Hungrig setzten wir uns auf die trockene Wiese, Eingebung erwartend, Kühlung erhoffend.
„Was machen wir denn jetzt?“
Ich hatte große Lust, nichts zu machen. Aber da war nichts zu machen. Es musste etwas getan werden.
„Komm wir fahren wieder zurück. Irgendwo an diesem Weg müssen sie sein. Wahrscheinlich baden sie gerade.“

Das Tal war übersichtlich klein und flach. Von einer Seite zu anderen war es zwei Steinwürfe breit. Ganz sicher. Denn am rechten Rand, Flussabwärts blickend, floss der Fluss, die Nied, das Naherholungsflüsslein der Region Saarlouis im Saarland an der Saar. Am Flussufer standen große Flussbäume. Zwischen uns und dem Fluss lagen Wiesen, aufgeteilt in Eigentumsareale und Besitzbereiche. Hecken und Baumreihen zogen Grenzen. Auf der anderen Seite der Wiesen, gegenüber des Flusses, war die Straße. Auf der fuhren wir. Raus aus Frankreich, eigentlich schon auf dem Weg raus aus dem Tal, Richtung Sibirien. Links von uns zog sich ein Streifen mit Schrebergärten am Hang entlang. Mit Parzellen mit Wohnwägen, Hütten und Feuerstellen. Ich träumte von Gletscherwasser. Endlich, nach einigen Metern in der Sommerhitze hörten wir aus einer der Lichtungen das Glühen einer Zigarette und Gelächter.
„Hier muss es sein. Lass parken und baden gehen. Ich muss eine Schildkröte fangen.“
Die Frau stellte das Fahrzeug an den Waldrand und schwebte aus der Tür. Im Nu hatten wir, na? Klar. Wir hatten die Badehose an, rannten über die Wiese, zertraten Grashalme, sprangen ins Nass wie Sprungfrösche, schwammen im Wasser wie Schwimmfische, hüpften nach draußen wie Hüpfspringer, hampelten zurück über die Wiese wie Hampelinge und fanden uns wieder, Hand in Hand am Tisch sitzend, uns unter dem Tisch küssend, während Flo eine Gruppe Gäste versammelte, Gänse herumflogen, Bier herumlag, Rauch vorbeihuschte und Musik verschwamm. Das war, was ich brauchte. Der Wahnsinn tat gut. Ein freies Wochenende mit Leuten, die Frisbee spielten, Schwenker schwenkten und so viel Quatsch redeten, dass mir der Kopf quoll. Das machte mich glücklich. Irgendwer wollte ein Foto machen. Eine Gästin meinte:
„Wir setzen uns alle in das Zeltdings da, oder was das ist.“
Alle anderen fünf waren begeistert, jubelten, kreischten. Jens holte Anlauf, sprang und wurde auf Freude und den Händen der Menge getragen.
Sechs Leute krochen in das kleine Anti-Moskitozelt. Jens, oder wie er hieß, ging hinter Martina, oder wie sie hieß, in die Hocke.
„Hey, wie heißt du noch gleich?“
„Wer bist du denn überhaupt?“
Diesem Witz fiel der Humor zum Opfer. Lachen erscholl. Die fröhliche Gruppe war bereit. Florian Luxenburger kniete, guckte und klickte.

Einen Moment, bitte.

Die Ankunft
Der motorisierte Mitarbeiter sollte mich um neun am Bahnhof abholen. Doch er kam nicht. Also nahm ich, nachdem ich einen Kaffee geschlürft und die Menschen, die am Bahnhof in der ersten Sonne der Woche in luftigen Kleidern vorbeigingen, für fröhlich befunden hatte, seine Nummer recherchiert hatte und erfahren hatte, dass er im Stau stand, den Bus zum Campus der Fachhochschule hoch oben in Weingarten. Dort stehen die Campusgebäude verteilt zwischen Seen, Wäldchen und Burgresten.

Die Natur-Uni
Um vom Hauptgebäude zur technischen Fakultät zu gelangen, und man gäbe die Webbeschreibung per Telefon durch, wünschte man sich, einer liefe auf den Wegen entlang und mache nach kindlicher Art der Schnitzeljagt Pfeile auf die Straße, so ob er Kreide zur Verfügung hätte, sonst kratze er sie in den Kies, so verwinkelt und zerpflückt stehen die lehrreichen Gebäude.

Die Innenstadt
In der Innenstadt sitzt das Volk auf vorbildlich verkehrsberuhigten Plätzen zwischen mittelalterlichen Fachwerkhäusern mit wundervoll geschwungenen Zeichnungen und Ornamenten auf der Fassade. Ab und zu darf ein Bus über den Platz fahren, als Zeichen gegen den vermeintlichen Segen der individualisierten Mobilität, mit dem Gedanke: Nur wir fahren Sie vor die Türe.

Die Bar am Markt
Das erste Bier hatte mich schon redselig gemacht, die Freizeit schon unkonzentriert. Ich hätte gerne mehr erfahren von der Dame, die diese Bar schon seit Dreißig Jahren führt, wie sie mir in einem kurzen Nebensatz verraten hatte, wo ich doch hier heute zum ersten Mal in meinem Leben war und Leibinger Bier trank. Eigentlich hatte ich sagen wollen, wie sehr mir Ravensburg gefällt, und dass seine 50.000 Einwohner es schafften eine fröhliche, hübsche Stadt zu beleben. Aber es kam anders.

Die Bierwirkung
Auf die Frage, wo ich denn her gekommen sei, antwortete ich mit einer kurzen, aber ausführlichen Erklärung meiner Anwesenheit, was weiter nicht schlimm gewesen wäre, hätte ich nicht einen unbedachten Satz über ihre Heimatstadt fallen lassen und damit das Gespräch beendet, irritiert über den charmanten Stolz auf eine Erwiderung großmütig zu verzichten.

Der Abschied
Doch bevor ich mich leicht verwirrt auf den Fußweg zum Bahnhof machte, trank ich mein drittes Bier, mit Blick auf die jungen Menschen, die vor dem weit geöffneten Fenster mit Frühling in den Augen vorbeigingen, mich an den Moment erinnernd, dessen unbedachter flotter Ton mich das Gespräch der Dame gekostet hatte.

Der große Gedanke
Wenn hier, immer so wie heute, die Sonne scheint, und ich diesen Job, so wie heute, weitermachen kann, ist es nicht weit bis ich mich dafür entschiede, in Ravensburg leben zu wollen, so gut gefällt mir die Stadt in diesem Augenblick der rauschenden Seeligkeit.