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Neue Wege in der Selbstverwaltung

Für die Selbstverwaltung wird ebenfalls nach neuen Wegen gesucht. In einer dezentralen Organisationsstruktur werden Aufgaben in Kreise delegiert, die mit Entscheidungskompetenzen ausgestattet sind. Neue Entwicklungen sollen nicht durch generelle Mehrheitsentscheidungen verhindert werden können, deshalb wurde das soziokratische Verfahren für Entscheidungsfindungen und Konferenzstrukturen übernommen und weiterentwickelt. Gute Erfahrungen hat das ganze Team damit gemacht, Ziele und Konzepte immer wieder an den realen Gegebenheiten neu auszurichten. In der Wirtschaft spricht man bei diesem Prinzip vom ressourcenorientierten «Effectuation» im Gegensatz zum zielorientierten Management. Der deutsche Begriff ist jedoch aussagekräftiger und lautet: Unternehmenskunst. Das ist auf der Ebene der Organisationsentwicklung das Pendant zu dem, was Steiner «Erziehungskunst» genannt hat. Es ist letztendlich eine Kunst, Konzepte erst aus dem erwachsen zu lassen, was konkret vorhanden ist – nicht, weil es so schön, sondern weil es so schwer ist ...

www.loberthal.de

https://handlungspaedagogik.org

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Schulkreis, Die Zeitschrift der Rudolf Steiner Schulen in der Schweiz, Sommer 2025, Lernen in offener Landschaft, Gut Loberthal entwickelt eine Handlungspädagogik für die Grossstadt, Marcus Erb-Szymanski, S.25 

Vorwärts in die Vergangenheit?

Rousseau gab zu, daß der ideale «Naturzustand ... vielleicht nie existiert hat und wahrscheinlich nie existieren wird» Er stellte diesen Zustand nicht als eine historische Tatsache dar, sondern als einen Vergleichsmaßstab. Das ist es, was er mit dem verblüffenden Vorschlag meinte: 

«Zuerst wollen wir alle Tatsachen ausschalten, denn sie berühren nicht die Frage. Man darf die Untersuchungen, in die man über dieses Thema eintreten kann, nicht für historische Wahrheiten nehmen, sondern nur für hypothetische und bedingte Überlegungen.»

Wir können uns jedoch eine Vorstellung vom Leben der Menschen vor der Entstehung sozialer Organisationen machen, indem wir den Zustand und das Verhalten neu entstandener Staatskörper beobachten, denn «Staaten von heute verbleiben in einem Naturzustand» - jeder für sich souverän und in Wirklichkeit keine Gesetze kennend als diejenigen der List und der Gewalt; wir können annehmen, daß der präsoziale Mensch in einem ähnlichen Zustand individueller Souveränität, Unsicherheit, des kollektiven Chaos und wechselseitiger Gewalt lebte. 

Rousseaus Ideal war nicht eine solche imaginäre präsoziale Existenz (denn die Gesellschaft ist vielleicht so alt wie der Mensch), sondern ein späteres Stadium der Entwicklung, in dem die Menschen in patriarchalischen Familien und Stammesgruppen lebten und das Privateigentum noch nicht eingeführt hatten. 

«Die älteste und einzig natürliche Form aller Gesellschaften ist die Familie.» Dies war die Zeit höchsten Glückes für die Menschheit; sie hatte Fehler, Schmerzen und Strafen, doch sie hatte keine Gesetze außer der elterlichen Autorität und der Familiendisziplin; 

«Es war der beste Zustand für den Menschen. Er konnte ihn nur infolge irgendeines verhängnisvollen Zustandes verlassen.»

Dieser Zufall war die Einführung des Privateigentums, aus dem die ökonomische, politische und soziale Ungleichheit erwuchs und die meisten der übel des modernen Lebens.

Aus dieser zugelassenen rechtswidrigen Besitzergreifung entstand der vielfältige Fluch der Kultur: Klasseneinteilung, Sklaverei, Leibeigenschaft, Neid, Raub, Krieg, legale Ungerechtigkeit, politische Korruption, kaufmännische Übervorteilung, Erfindungen, Wissenschaft, Literatur, Kunst, «Fortschritt» - mit einem Wort, Entartung.

Um das Privateigentum zu schützen, wurde die Gewalt organisiert und entstand der Staat; um das Regieren zu erleichtern, wurde das Recht entwickelt, um den Schwachen daran zu gewöhnen, sich dem Starken mit einem Minimum an Gewalt und Aufwand zu unterwerfen. 

So kam es, daß «man eine Handvoll Mächtiger und Reicher gerade deshalb auf dem Gipfel der Größe und des Glückes sieht, während die Masse in Dunkelheit und Elend dahinkriecht». 

Zu diesen Grundungleichheiten kommen viele abgeleitete Ungleichheiten: «Schändliche Methoden werden angewandt, um Geburten zu verhindern», Abtreibung, Kindermord, Kastration, Perversionen, «Aussetzung oder Tötung von zahlreichen Kindern, die Opfer der Armut ihrer Eltern werden».

Alle diese Übel wirken demoralisierend, sie sind den Tieren unbekannt, sie machen die «Kultur» zu einem Krebsgeschwür am Körper der Menschheit. Im Vergleich zu dieser vielgestaltigen Korruption und Perversität ist das Leben der Wilden gesund, vernünftig und human.

Sollen wir deshalb zur Barbarei zurückkehren? Müssen die Gesellschaften vollkommen abgeschafft werden? Müssen Mein und Dein abgeschafft werden und müssen wir in die Wälder zurückkehren, um unter den Bären zu leben? Das ist uns nicht mehr möglich; das Gift der Kultur ist in unserem Blut, und wir werden es nicht ausrotten durch die Flucht in die Wälder. 

Dem Privateigentum, der Regierung und dem Gesetz ein Ende zu machen würde bedeuten, die Menschen in ein Chaos zu stürzen, das schlimmer wäre als die Kultur. 

«Niemals gelangt man wieder zurück in die Zeiten der Unschuld und Gleichheit, wenn man sich einmal von ihnen entfernt hat.» 

Revolution kann gerechtfertigt sein, denn Gewalt kann gerechterweise stürzen, was Gewalt errichtet und behauptet hat; doch jetzt ist Revolution nicht ratsam. 

Das Beste, was wir tun können, ist, wieder das Evangelium studieren und versuchen, uns von unseren bösen Impulsen zu befreien, indem wir die Ethik des Christentums praktizieren. 

Wir können eine natürliche Sympathie für unsere Mitmenschen zur Grundlage der Moral und der sozialen Ordnung machen. Wir können uns entschließen, ein weniger kompliziertes Leben zu führen, zufrieden mit dem Notwendigsten, den Luxus verachtend, den Wettlauf und das Fieber des «Fortschritts» meidend. Wir können, eine nach der anderen, die Künstlichkeiten, Scheinheiligkeiten und Verderbtheiten der Kultur abwerfen und uns zu Anstand, Natürlichkeit und Ehrlichkeit bekehren. 

Wir können den Lärm und den Aufruhr unserer Städte, ihren Haß, ihre Ausschweifungen und ihre Verbrechen verlassen, um in ländlicher Einfachheit zufrieden in der Erfüllung unserer häuslichen Pflichten zu leben. Wir können den Dünkel und die Sackgassen der Philosophie aufgeben und zurückkehren zu einem religiösen Glauben, der uns im Angesicht des Leidens und des Todes aufrechterhalten wird.

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Will und Ariel Durant: Kulturgeschichte der Menschheit, Band 15, Europa und der Osten im Zeitalter der Aufklärung, Rousseau der Wanderer, S. 44,45, Südwest Verlag München, 1978

Sagen Sie immer die Wahrheit

Der geheime Rat und seine Absichten

Im 3. Bild gibt es eine Schlüsselszene, in der der Geheime Rat über seine Ziele und Absichten berät. Es heisst da, gesprochen von dem Grossmeister des Ordens Del Val: «Unser Orden hat in seiner vieltausendjährigen Geschichte oft eingreifen mussen, um zu verhindern, dass die Menschheit verführt wurde durch Lehren und Bewegungen, die ihr hätten gefährlich werden können. Wenn eine Gefahr sich zeigte, hat unser Orden sie zuerst überwacht und dann eingegriffen.
Manchmal genügte das Verschweigen oder das Lächerlichmachen. Manchmal mussten unsre Eingriffe radikaler sein. Schwache Seelen mögen das ‹erbarmungslos› genannt haben. In Wirklichkeit war es einfach notwendig. Die Menschheit muss geführt werden von denen, die das tiefere Wissen über ihre Gesetze haben, ein Wissen, das nur wenige besitzen können. Wenn dies Wissen unter die Masse verbreitet würde, wenn die Macht und Autorität den Wenigen entschlüpfte, müsste die Menschheit dem Chaos verfallen.»

Es wird dann rückblickend auf das 20. Jahrhundert von Rudolf Steiner gesprochen, ohne dass der Name genannt wird. Eine erstaunlich klare Würdigung Rudolf Steiners und seiner spirituellen Leistungen, allerdings aus der Perspektive der Gegner: «Eine Gefahr, die unser Orden zu bekämpfen hattr, kam von einem einzigartig begabten Manne. Niemand kannte wie er die Geheimnisse des Himmels und der Erde. Er appellierte weder an Schmerz und Enttäuschung der Massen, noch an Hass und Begeisterung der Wenigen. Er wandte sich an alle und an niemand. Er benahm sich wie ein stiller Gelehrter und war in Wirklichkeit der gewaltigste Revolutionär, den die Geschichte kennt. Er appellierte an das gesunde Wahrheitsempfinden, und dies verwandelte er allmählich so, dass es fähig wurde, die Wahrheiten zu erkennen, die bisher von den Massen mit Glauben entgegengenommen worden waren. Er brachte Ordnung in die Gedanken der Menschen und führte sie in die Sphäre der Objektivität, wo die Gegensätze der persönlichen Gesichtspunkte aufhören, wo aber auch die Autorität aufhört, weil gegenüber der Wahrheit sich alle als gleich empfinden. Er weckte diejenigen moralischen Kräfte, die im Ich des einzelnen entspringen, und er lehrte ganz öffentlich den Weg der Einweihung, ohne dass dabei der Schüler in Abhängigkeit zum Lehrer geriet. Seine Lehre umfasste alle Gebiete des Wissbaren und verwandelte alles. Umgestossen wurde durch ihn die Handhabung aller oftenbaren und verborgenen Gesetze, wodurch wir bis dahin die Menschheit gelenkt hatten.»
Eine eindringliche Charakterisierung des Wesens und Wirkens Rudolf Steiners, von der ‹ schwarzen Seite›, durch die Augen der Gegner von Freiheit und Individualisierung. Da kann Rudolf Steiner nur als der grösste Revolutionär und die grösste Gefahr erscheinen! Sehr interessant und weiter auszuloten erscheint mir die Aussage, dass durch diesen «stillen Gelehrten» und «gewaltigsten Revolutionär» die Handhabung «aller offenbaren und verborgenen Gesetze» umgestossen wurde. Was heisst das, nicht nur für die schwarzen Logen und die Machteliten dieser Welt, sondern überhaupt für den guten Fortschritt der Menschheit?
Dann wird in dem Drama Der Ruf des Montecorvo beschrieben, wie sich die dunkle Gegenseite der Schüler dieses Eingeweihten annahm: Wie diese aus dem öffentlichen Leben verdrängt wurden, die Werke des Eingeweihten beschlagnahmt und verboten wurden, wie seine Schüler als Staatsfeinde verurteilt, ja manche von ihnen ermordet wurden – man denke an Carl Unger, den ersten Märtyrer der anthroposophischen Bewegung, der am 4. januar 1929 von einem Geisteskranken in Nürnberg erschossen wurde.

«Heute kehren sie wieder» 

Und dann kommen von dem Grossmeister Del Val die Worte, fiktiv verortet von Paolo Gentilli in der Zukunft: «Heute jedoch kehren sie wieder.» Diese wiederverkörperten Anthroposophen werden dann sehr differenziert beschrieben, wiederum aus der Sicht der schwarzmagischen Logen: «Jedoch die andern, die in Verbindung mit jenem Manne und mit seiner Lehre sich verwandelt hatten, besonders diejenigen, die zur Einweihung gelangt waren, die werden zu ebensovielen Aktionszentren gegen uns. Ihre Anwesenheit wirkt. Für uns wird es um so schwieriger sein, sie zu bekämpfen, als es nicht leicht sein wird, sie zu er-kennen. Da ist keine Organisation. Sie kennen sich selbst nicht einmal untereinander. Es gibt nichts, womit man sie der Polizei kenntlich machen kann.»
Der Hass auf die wiedergekehrten Schüler Rudolf Steiners macht den Grossmeister Del Val zutiefst hellsichtig für das Wesen und Wirken dieser Menschen. Er spricht warnend zu seinen Brüdern:
«Jene Menschen sind imstande, ohne Organisation zusammenzuarbeiten. Sie tretten sich in der Sphäre der Objektivität (...). Daher wird ihr Handeln bei aller Selbständigkeit stets auf das gleiche Ziel gerichtet sein. Es wird nie auseinanderstreben. Wenn sie sich zufällig begegnen, erkennen sie sich leicht durch die Art, wie sie ihre Begriffe bilden. Ausserdem ist in Betracht zu ziehen, dass in den Besten von ihnen noch eine Erinnerung an frühere Leben lebendig sein muss.»
An dieser Stelle muss man voller Hochachtung festhalten, dass Paolo Gentilli im Jahre 1943 nicht nur die Reinkarnation von Schülern Rudolf Steiners mit künstlerischen Mitteln in einem Drama darstellt, sondern dass er sehr präzise sowohl die Intentionen schwarzmagisch wirkender Logen beschreibt, als auch konkret die Metamorphose von reinkarnierten Anthroposophen zum Ausdruck bringen kann. «Sagen Sie immer die Wahrheit», ist dabei ein Schlüsselsatz, wobei man an das Christuswort denken muss: «Sie werden die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird sie frei machen.» Und dann die Äusserung des Grossmeisters: «Ihre Anwesenheit wirkt.» Menschen, die durch die Art ihres Daseins auf andere Menschen weckend und begeisternd wirken. «Sie sind imstande, ohne Organisation zusammenzuarbeiten.» Der lebendige Geist vereint sie, die Sphäre der Objektivität gibt ihnen einen gemeinsamen Grund, und sie erkennen sich an der Art zu denken («wie sie ihre Begriffe bilden»). An dieser Stelle könnte man noch hinzufügen: Sie erkennen sich auch an der Art des Fühlens, ein bewusstes Fühlen gerade im Spirituellen und Künstlerischen. Und die Besten von ihnen werden sich an frühere Erdenleben erinnern können. Später heisst es dann noch über die moralischen Kräfte dieser Menschen: «Das Gefährliche ist, dass das Beispiel dieser Leute ansteckend wirkt. Sie wecken das Gewissen der andern.»

GEGENWART Zeitschrift für Kultur, Politik, Wirtschaft Nr. 4/2024, Der Ruf des Montevorvo – ein Drama von Paolo Gentilli und die Michael-Prophetie Rudolf Steiners, von Steffen Hartmann, S.34f

Vertrauen in Regierung sinkt

NZZ, Montag, 25. November 2024, S.1 

[...] Und auch bei der Abstimmung am Sonntag zeigten sich die Bruchstellen: Die Mitte zerfiel erneut in zwei Hälften, und bei der SVP müssen zwischen 30 und 40 Prozent der Basis gegen die Gesundheitsreform und gegen den Autobahnausbau gestimmt haben. In der Schweiz ist offensichtlich das eingetreten, was man in anderen europäischen Ländern oder auch den USA schon seit längerem beobachten kann.

Immer mehr Menschen haben Angst, zu Verlierern der Globalisierung zu werden. Sie sorgen sich um ihre Arbeit, ihre Rente und ihre Wohnsituation. Das spiegelt sich auch in der jüngsten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Sotomo zu den Sparplänen des Bundes: Sogar die SVP würde eher bei der Armee sparen als bei der AHV.

Vertrauen in Regierung sinkt

In der Schweiz ist das Vertrauen in den Bundesrat und die politischen Behörden traditionell hoch. Doch es nimmt ab. Im März 2022 sagten laut GfS Bern 67 Prozent der Befragten, sie könnten sich auf die Regierung verlassen. Heute sind es noch 42 Prozent. Mit diesem Trend ist die Schweiz allerdings nicht alleine. Er zeigt sich weltweit in allen Industrieländern. Wo in diesem Jahr gewählt wurde, haben die Regierungsparteien verloren. Ausnahmslos. Die Entwicklung hat mit den Nachwehen der Pandemie zu tun, vor allem aber mit der Inflation und der Angst vor Krieg.

Und noch eine weitere globale Tendenz spiegelt sich im Abstimmungsresultat von Sonntag: der Halbe-halbe-Trend.Weltweit kommt es immer häufiger zu Pattsituationen. Bereits die Abstimmung über den Brexit wurde mit 51,9 Prozent Ja-Stimmen entschieden, danach häuften sich solche knappen Resultate. «Das Volk» gibt es kaum mehr. An der Urne treffen immer häufiger zwei Volkshälften aufeinander. Ausnahmen bilden oft Vorlagen, bei denen es um das Eigeninteresse geht: Die 13. AHV-Rente kam im März auf 58,2 Prozent Zustimmung, die BVG-Reform wurde im September mit 67,1 Nein abgelehnt.

Goethe in unserer Zeit

GOETHE IN UNSERER ZEIT

Rudolf Steiners Goetheanismus
als Forschungsmethode

Herausgegeben von der Naturwissenschaftlichen Sektion
am Goetheanum
Dornach
durch
Dr. Guenther Wachsmuth

 1949

HYBERNIA-VERLAG DORNACH - BASEL

Vorwort des Herausgebers

In einer Studie über den «Einfluß des Ursprungs wissenschaftlicher Entdeckungen» sagt Goethe: «Was würden wir von dem Architekten sagen, der durch eine Seitentüre in einen Palast gekommen wäre und nun, bei Beschreibung und Darstellung eines solchen Gebäudes, alles auf diese erste untergeordnete Seite beziehen wollte? und doch geschieht dies in den Wissenschaften jeden Tag.»
Goethe erwartete vom forschenden Menschen, daß er die zufällige Seitenpforte, durch die er den Palast des Weltalls betreten hat, nicht zum Hauptportal mache, sondern erst das Ganze betrachte, ehe er in die Beschreibung des Einzelnen geht. Auch wer in diesem Sinne als Architekt, als werdender Baumeister im Reich der Erkenntnis, das Werk Goethes betrachtet, das diesen Palast des Weltalls widerspiegelt, muß Jahrzehnte wandern, um die Ganzheit zu schauen.
Goethe fordert aber vom Menschen nicht nur das Bewundern, Darstellen, Beschreiben, sondern daß der Architekt selbst neue Bauten errichte, die des erlebten Urbildes würdig sind, die das Begonnene weiterführen, Metamorphosen des Keimes, der im Erlebnis solchen Werkes in die Seele gepflanzt wurde. Rudolf Steiner, der zu neuen Erkenntnissen führte, die dem Zeitgeist unserer Epoche gerecht werden, war ein solcher Baumeister. Und er rief Schüler auf, an dem goetheanistischen Werk mitzubauen, aus dem Erlebnis des Ganzen Gewölbe und Säulen, Türen und Fenster, Stufen und Räume individuell zu gestalten, im Geiste des Bauplanes schöpferisch tätig zu sein.
Goethe sagt im Vorwort seiner morphologischen Studien: «Wie wenige fühlen sich von dem begeistert, was eigentlich nur dem Geiste erscheint!» Goethes Geistgestalt lebt heute nicht nur in seinem Werk, das ein Jubeljahr feiern kann, sondern in Menschen, die von seiner ewigen Entelechie begeistert in die Zukunft schreiten und immer neue Schönheiten im Palast des Weltalls entdecken. Jede solche Entdeckung führt im Sinne Goethes zur Erkenntnis, daß Weltall und Erde Lebewesen sind, daß jeder fruchtbare menschliche Gedanke ein Geisteskeim ist, der durch viele Metamorphosen wächst, sich entfaltet, neue Schöpfungen aus sich gebiert. Daß das 20. Jahrhundert nicht nur auf Goethe zurückblicken kann, sondern mit ihm in die Zukunft schreitet, daß uns der Goetheanismus und das Werk Rudolf Steiners die Möglichkeit geben, die Welt täglich neu sehen zu lernen und in die Planung des Ganzen einzudringen, dafür sei 200 Jahre nach Goethes Geburt Zeugnis abgelegt, indem der Versuch gewagt wird, nach seiner Forschungsmethode einige der unerschöpflichen Aspekte darzustellen, die sich dem Wandernden im Palast der Schöpfung auftun.
Goethes Werk ist Werden und Zukunft. Im folgenden stehen neben Grundskizzen der Architektonik des Ganzen auch Erlebnisberichte der Wandernden. Bei der Fülle der Beiträge, die heute schon möglich wären, mußte eine Auswahl getroffen werden, die durch die räumliche Begrenzung eines solchen Jahrbuches gegeben ist. Für die Mithilfe bei den Vorarbeiten bin ich Herrn Dr. Hermann Poppelbaum, Herrn Joachim Schultz und Herrn E. Estermann dankbar. Den Autoren danke ich im Namen des Goetheanums für ihre Mitarbeit. Weitere Publikationen sind auch für die folgenden Jahre vorgesehen.
Möge der im Geiste ewig lebende Goethe die forschende Menschheit durch die kommenden Jahrhunderte begleiten. 

Für die Naturwissenschaftliche Sektion am Goetheanum:

Dr. Guenther Wachsmuth

Jugend, Digitales und psychedelische Drogen

Ein junger Mensch wünscht sich, jemand hätte ihm die schlechte Nachricht überbracht: Die Zivilisation hat ihren Preis. Das ist endlich die Wahrheit, aber gleichzeitig auch schrecklich, ja unerträglich. Zum Glück gibt es einen Ausweg: Die Oase, die nicht durch irdische Realitäten beschränkt ist. Es ist die digitale Technologie mit ihren virtuellen Welten.

Bezüglich der gemeinsamen Welt des Planeten gibt es ein Gefühl der Verengung und der Dringlichkeit. Aber die äußere Welt wird als entgeistert oder geistlos empfunden.

Konträr dazu ist die Beziehung zur digitalen Technologie. Sie ist mit großer Hoffnung und Optimismus, aber auch mit Zerstreuung und Ablenkung verbunden. Sie befreit vom Druck, ein Geschöpf auf der Erde zu sein, aber gleichzeitig ist sie eine bedrohliche Ablenkung und Versuchung, der Realität zu entkommen.  

Wirkung auf den Menschen

Die digitale Technologie hat eine paradoxe Wirkung. Während Kommunikations- und Transaktionsverbindungen beschleunigt werden und unser Bewusstsein durch unzählige Bilder erweitert wird, isoliert Sie uns, in dem sie bestimmte, nicht greifbare Dynamiken unserer Konstitution und unsere Verbindung mit der Welt schwächt.

Wenn wir viel Zeit in einer Pseudo- oder virtuellen Welt verbringen, in der wir kein Verständnis für irdische qualitative Begrenzungen entwickeln, verkümmert unsere Urteilskraft. Wir verlieren das Verständnis des Wertes von natürlichen Ressourcen und Gütern, die Kooperationsfähigkeit in Gruppen und Organisationen, verlernen Diplomatie und Staatskunst und verlieren den Blick für die Verteilung gemeinsamer Ressourcen. 

Die digitale Technologie gibt zwar eine Art Verbundenheit, aber gleichzeitig auch die Tendenz zur Isolation. Die Folge: Immer mehr Junge Menschen haben das Gefühl, dass die Interaktion im realen Raum sie überfordert.

Wenn wir digitale Technologie in unser Leben integrieren, führt es zu einer Abschwächung einer spirituellen Dynamik, die normalerweise ein unbewusster Teil unserer täglichen Wahrnehmung voneinander und unserer Umwelt ist. Dieses unbewusste Element ist auch mit unserer Fähigkeit, verbunden, Gefühle zu haben und Erinnerungen zu entwickeln. Die schwächende Wirkung auf die subtile und lebendige Dynamik des menschlichen Wesens wirft ein schattenhaften Schleier über unser Lebensgefühl, Teil der Welt zu sein, und unser Bewusstsein darüber, dass unsere Handlungen von Bedeutung sind. Das Leben an sich verliert seine Bedeutung.

Die Psychotherapeutin Sherry Tuckle hat beobachtet, wie PatientInnen "im Sprechzimmer wie losgelöst von ihrem Körper erscheinen und sich der elementarsten Höflichkeiten kaum bewusst zu sein scheinen. Zielgerichtet und Medien fixiert, schenken diese PatientInnen, ihren Mitmenschen wenig Aufmerksamkeit. In anderen suchen sie, was ihnen nützt. Ein Echo dieser primitiven Welt der Teile. Ihre Abgehobenheit ist nicht aggressiv. Es ist, als ob sie einfach keinen Sinn sehen."

Gegenbewegung:

Demgegenüber steht eine neue, aufkommende Verwendung von psychedelische Substanzen, denn die digitalen Bilder erweitern unsere Welt enorm, aber sie wirken auch austrocknend und isolierend. Die drogeninduzierte Halluzinationen dagegen bergen die Überzeugung, dass man mit einer echten, objektiven Wahrheit in Berührung gekommen ist, die fest mit der Welt und einer tieferen Realität verbunden ist. Es ist, als ob die Bilder ihren Bildcharakter verlieren und zu Erlebnissen werden, die von einer Urenergie erfüllt sind, die absolut überzeugend ist, auch wenn sie vielleicht verblüfft. So entsteht der Eindruck einer kraftvollen und visionären Form der Spiritualität.

Zusammengefasst:

Oberflächlich betrachtet sehen wir, dass eine Seite des dramatischen Szenarios der aufstrebenden Generation in der Möglichkeit einer von der Erde losgelösten Bewusstseinserweiterung durch psychedelische Drogen besteht.
Das wirft die Frage auf: Können wir Wege zur Erweiterung unseres Bewusstseins finden, die unsere Fähigkeit, in unserem alltäglichen Leben auf der Erde, nüchterne Urteile zu fällen, nicht Schwächen oder untergraben.

Die andere Seite dieses Hintergrunds zeigt eine geistlose äußere Welt, die sich auf einem Weg zu immer mehr Streit und Konflikte befindet, in denen der Geist früher oder später verschwindet.
Das wirft die Frage auf: Können wir unser Verständnis der Natur, des Menschen in der Gesellschaft in einer Weise erweitern, die zur Einsicht in die spirituellen Dimension des Menschen und der Welt führt?

Eine Antwort:

Der irdisch-spirituelle, der menschliche Weg zwischen diesen Extremen ist eine Beschreibung der Ziele des Goetheanums und der anthroposophischen Bewegung. Sie ist ein Aufruf, den Geist in der Welt und die Welt in Geist zu entdecken. Hier finden wir neues Leben, Mut und Hoffnung und die Erkenntnis, dass die Entwicklung des Menschen und der Erde miteinander verbunden sind.

Kopiert und angelehnt an den Artikel "Jugend in der Schwebe" von Nathaniel Williams in "Das Goetheanum" Ausgabe 7, 16. Februar 2024.


Anthroposophie kurz & knackig

Anthroposophie - Weisheit vom Menschen

Allgemein:
Was ist der Mensch?

Pädagogik:
Der werdende Mensch als Geistwesen hier auf der Erde

Medizin:
Geist mit Seele und Leib harmonisieren. Aus Krankheiten lernen.

Kunst:
Schöpferisch tätig sein lernen - für alle Lebensbereiche (Das Theorem)

Wissenschaft:
Das Lebendige verstehen wollen (Das Problem)

Architektur:
Formen des Lebendigen nachbauen.

Bewegung:
Sich mit sich selbst verbinden.

Biographie:
Rythmen, Gesetze und Karme versehen und erkennen.

Musik:
Seelenpflege druch Geistkultur

Landwirtschaft:
Als Teil der Natur diese erheben.

Meditation:
Das höhere Selbst einladen und die Seele empfänglich machen.

Gesellschaft:
Lernen zusammen liebevoll tätig zu werden.

Arbeit:
Nur für andere arbeiten. 

Technik:
Durch äußere Erleichterung innerlich tätiger werden.


Freiheit in der Zusammenarbeit im Kollegium 
– Arbeit an sich selbst

Grundsatz einer neuen, nicht hierarchischen Struktur ist die Freiheit des Lehrerkollegiums – die republikanisch-demokratische Einrichtung des Lehrerkollegiums. Diese historischen Begriffe weisen auf die Eigenverantwortung (republikanisch) und auf die Gleichberechtigung (demokratisch) hin, denn hier in der Schule arbeiten unabhängige Persönlichkeiten selbstverantwortlich in kollegialer Verbundenheit gleichberechtigt zusammen.

Konferenzen sind freie republikanische Unterredungen. Jeder ist darin ein Souverän. Aber eine produktive Zusammenarbeit von Souveränen in Verantwortungs- und Entscheidungsgremien verlangt Befähigungen, die der einzelne zu erwerben hat.

Dazu gehört das Urteilsvermögen, das in einer Realbeziehung zur geistigen Wirklichkeit der Welt gründet; elementar ist das soziale Vertrauen, das nicht nur das Gewordene, sondern das Werdende im anderen Menschen wahrnimmt; es ist bei sich selbst und beim Anderen auf die Bereitschaft zu bauen, der gemeinsamen Zielsetzung selbstlos zu dienen; nicht zuletzt gilt für das kollegiale Miteinander, dass seine Mitglieder die Grundübungen bewusster Selbstbildung aufnehmen, um selbst sozialfähig zu werden. 

Zusammenarbeit in der Schule ist nicht auf der Ebene der Diskussion, horizontal zu erreichen, sondern nur vertikal, indem sich die Beteiligten zur Weiterentwicklung ihrer Fähigkeiten aufschwingen, was eine im höchsten Sinne moralisch-geistige Aufgabe ist.

Traditionellerweise vollzieht sich Führung häufig so, dass Menschen gegen ihren Willen oder ohne ihr Einverständnis zu etwas verpflichtet werden, entweder von Autoritäten oder durch Regeln. Zeitgemäße Führung hingegen richtet sich an das Bewusstsein der Menschen. Das Ziel soll den Menschen führen, nicht der Chef! Die Führungskraft hat die Aufgabe, eine dialogische Verständigung auf Augenhöhe zu führen, und die Mitarbeitenden haben das Recht auf Selbstverpflichtung. Würde ist das Recht auf Selbstverpflichtung im Sinne der Idee, die eigene Verantwortung zu finden und zu tragen.

Die Grundübungen bewusster Selbstbildung

Gedankenkontrolle
Sie besteht darin, daß man wenigstens für kurze Zeiten des Tages nicht alles mögliche durch die Seele irrlichtern läßt, sondern einmal Ruhe in seinem Gedankenlaufe eintreten läßt. Man denkt an einen bestimmten Begriff, stellt diesen Begriff in den Mittelpunkt seines Gedankenlebens und reiht hierauf selbst alle Gedanken logisch so aneinander, daß sie sich an diesen Begriff anlehnen. Und wenn das auch nur eine Minute geschieht, so ist es schon von großer Bedeutung für den Rhythmus des Leibes und der Lebenskräfte.

Initiative des Handelns
Bedenke, wie wenig eigentlich aus der eigenen Initiative hervorgeht! Die meisten Ursachen des Handelns liegen in Familienverhältnissen, in der Erziehung, im Berufe und so weiter. Man zwinge sich zu wenn auch unbedeutenden, aber aus eigener Initiative entsprungenen Handlungen, zu selbst auferlegten Pflichten. Kurze Zeit ist darauf zu verwenden, Handlungen aus der eigenen Initiative hervorgehen zu lassen. Das brauchen durchaus nicht wichtige Dinge zu sein; ganz unbedeutende Handlungen erfüllen denselben Zweck. Wenn sie regelmäßig stattfinden, zum Beispiel täglich zur selben Uhrzeit ohne dass ein Äußeres einen daran erinnert, erhöht sich die Wirkung.

Gelassenheit
Das dritte, um was es sich handelt,  ist die Gelassenheit. Man den Zustand des Hin- und Herschwankens zwischen «himmelhoch jauchzend» und «zum Tode betrübt» regulieren. Wer das nicht will, weil er glaubt, daß dadurch seine Ursprünglichkeit im Handeln oder sein künstlerisches Empfinden verlorengehe, der kann eben keine weitere Entwicklung durchmachen. Gelassenheit heißt, Herr sein in der höchsten Lust und im tiefsten Schmerz. Es ist sogar so: Man wird für die Freuden und Leiden in der Welt erst dann richtig empfänglich, wenn man sich nicht mehr im Schmerz und in der Lust verliert, wenn man nicht mehr egoistisch darin aufgeht. Die größten Künstler haben gerade durch diese Gelassenheit am meisten erreicht, weil sie sich dadurch die Seele aufgeschlossen haben für subtile und innere wichtige Dinge.

Unbefangenheit
Das vierte ist, was man als Unbefangenheit bezeichnen kann. Das ist die Eigenschaft, die in allen Dingen das Gute sieht. Sie geht überall auf das Positive in den Dingen los. Als Beispiel können wir am besten eine persische Legende anführen, die sich an Jesus Christus knüpft: Der Jesus Christus sah einmal einen krepierten Hund am Wege liegen. Er blieb stehen und betrachtete das Tier, die Umstehenden aber wandten sich voll Abscheu ab ob solchen Anblicks. Da sagte Jesus Christus: Oh, welch wunderschöne Zähne hat das Tier! - Er sah nicht das Schlechte, das Hässliche, sondern fand selbst an diesem eklen Kadaver noch etwas Schönes, die weißen Zähne. Sind wir in dieser Stimmung, dann suchen wir in allen Dingen die positiven Eigenschaften, das Gute, und wir können es überall finden. Wir sind uns des Hässlichen und Schlechten bewusst, leugnen es nicht. Aber wir wenden uns dem Guten und Schönen zu. Das wirkt in ganz mächtiger Weise positiv auf unseren Leib und unsere Lebenskräfte.

Glaube
Das nächste ist der Glaube – aber nicht im konfessionellem Sinne gedacht, sondern in einem anderen Sinne. Man übe sich darin, sich niemals in seinem Urteil durch seine Vergangenheit die Zukunft bestimmen zu lassen. Es geht darum unter Umständen alles außer acht zu lassen, was man bisher erlebt hat, um jedem neuen Erleben mit neuem Glauben gegenüberstehen zu können. Das muß man bewußt durchführen. Wenn einer zum Beispiel kommt und sagt: Der Turm der Kirche steht schief, er hat sich um 45 Grad geneigt – so würde jeder sagen: Das kann nicht sein. – Der Übende muß sich aber noch ein Hintertürchen offen lassen. Ja, er muß so weit gehen, daß er jedes in der Welt Erfolgende, was ihm entgegentritt, glauben kann, sonst verlegt er sich den Weg zu neuen Erfahrungen. Man muß sich frei machen für neue Erfahrungen; dadurch wird der Mensch in eine Stimmung versetzt, die voller Innbrunst Neues hervorbringen kann.

Inneres Gleichgewicht
Aus den vorhergegangenen Übungen folgt als Eigenschaft das innere Gleichgewicht. Sie bildet sich durch die fünf anderen Eigenschaften nach und nach ganz von selbst heraus.

Wenn der Mensch ernsthaft eine Weiterentwicklung anstrebt, die ihn in ein ausgeglicheneres, von innerer Kraft getragenes Leben bringen soll, womit er sozialfähiger werden wird, ist ihm geraten, streng auf diese sechs Eigenschaften bedacht zu sein. Er muß sein eigenes Leben in die Hand nehmen und langsam fortschreiten im Sinne des Wortes: Steter Tropfen höhlt den Stein. Es empfiehlt sich, für jede Übung einen Monat einzurichten, ohne die vorhergegangenen zu vernachlässigen und dann wieder von vorne zu beginnen.

Natur & Menschen in der Schweiz – von Rilke

An Gertrud Ouckama Knoop

Soglio (Bergell, Graubünden), Schweiz,
am 12. September 1919


Meine sehr liebe gnädigste Frau,
der Impuls, Ihnen von auswärts ein paar Worte zu schicken, ist wohl von allem Anfang mit mir herausgereist. Es beschämt mich nur, daß ich ihm so spät nachgebe. Ich rechne: wirklich, gestern waren es drei Monate, daß ich die Grenze überschritten habe, drei Monate, das heißt, der ganze Sommer liegt zwischen damals und heute - wie, wo mag er Ihnen, Lilinka und Wera vergangen sein ? Ich hoffe, Sie waren nicht immerzu in München, - aber ich weiß auch nicht recht, wo gewesen zu sein ich Ihnen wünschen sollte. Meine Erinnerung hat immer Neumond auf München zu; sie scheint viel mehr in andere Vergangenheiten hinein, als in diese jüngste, die so vernutzt hinter mir zurückgeblieben ist, daß ich meine, mich von ihr abkehren zu dürfen. Und auf was zu? Ja, das ist eine unabsehliche Frage. 

Stellen Sie sich vor, das "Draußen"-Sein war erst beinah anstrengend. Man konnte es doch nicht mehr so recht, man verbrachte halbe Tage damit (oder wars nur ich?), vor den Parfümerien die Namen Houbigant, Roger und Gallet und Pinaud zu lesen; ja, einen kleinen Augenblick hieß die Freiheit so, - wer hätte das für möglich gehalten? Die Konditoreien machten mir lange nicht so viel Eindruck, ich habe noch bis heute keine Schokolade gekauft, aber Seifen taten mirs an, ich war richtig wehrlos gegen ein solches reinlich überfülltes Schaufenster der Züricher Bahnhofstraße. 

Über solche Umwege, mögen sie auch noch so lächerlich sein, gelangte ich langsam zu dem Übrigen: zu den französischen Buchhandlungen und Kunstsalons, zu dem Treiben der Straßen und Betriebe, ja, mit einiger Überwindung, sogar zu der Natur. Schade, daß sie mir in der Schweiz nur in Übertreibungen vorzukommen scheint; was für Ansprüche machen diese Seen und Berge, wie ist immer etwas zu viel an ihnen, die einfachen Augenblicke hat man ihnen abgewöhnt. Die Bewunderung unserer Groß- und Urgroßeltern scheint an diesen Gegenden mitgearbeitet zu haben; die kamen da aus ihren Ländern hergereist, wo es sozusagen "nichts" gab, und hier gab es dann "Alles", in Pracht-Ausgaben. 

 Lieber Himmel: eine Salon-Tisch-Natur, eine Natur mit Auf und Ab, voller Überfluß, voller Verdoppelung, voll unterstrichener Gegenstände. Ein Berg? bewahre, ein Dutzend auf jeder Seite, einer hinter dem anderen; ein See: gewiß, aber dann auch gleich ein feiner See, bester Qualität, mit Spiegelbildern reinsten Wassers, mit einer Galerie von Spiegelbildern, und der liebe Gott,als Kustos, eines nach dem anderen erklärend; wenn er nicht gerade als Regisseur beschäftigt ist, die Scheinwerfer des Abendrots nach den Bergen zu richten, von wo den ganzen Tag der Schnee in den Sommer hineinhängt, damit man doch so recht alle "Schönheiten" beisammen habe. Denn der Winter hat doch die seine, und so ists das Vollkommenste, ihn nicht zu entbehren, während man mitten in den gewärmten Genüssen des Gegenteils sich geborgen fühlt ... 

Ich kann mir nicht helfen, ich erreiche diese assortierte Natur am bequemsten mit meiner Ironie, ja und ich erinnere mich der schönen Zeiten, wo ich, hier durchreisend, die Vorhänge des Coupés zuzog, worauf die übrigen Reisenden in den Gängen meinen Anteil Aussicht gierig mitverzehrten, ich bin sicher, es ist nichts übrig geblieben. 

Nun sagen Sie: was ist dieser Mensch nun undankbar geworden nach allen Seiten, ausgelassen undankbar? Er ist es gegen München, das ihm doch immerhin in so unüberwindlichen Zeiten eine nicht unfreundliche Zuflucht gewesen ist, und nun ist ers gar nochh gegen seine neue beneidenswerte Freiheit, die er verhöhnt, statt sich bescheiden an ihr zu erholen. Nein, so arg steht es wirjlich nicht mit mir: ich glaube sogar, die Schweiz fängt an, mir begreiflich zu werden, in ihrer eigentümlichen Durchdringung ung angestammten Einheit. Das verdanke ich Bern, wo mir die gastlichsten Wochen bereitet gewesen sind, und von wo aus diese Länder, die die Natur aus Grenzen und Hindernissen gebildet hat, in einer merkwürdigen Klarheit und Durchsichtigkeit erkennbar werden. Ihre Geschichte ist voll Naturkraft, die Menschen, wo sie hier als Masse zusammentraten, hatten etwas von der Konsistenz und Härte des Gebirgs und ihr hervorstürzender Wille ist in den entscheidendsten Momenten eine Fortsetzung jener Unwiderstehlichkeit gewesen, mit der die Wildbäche in den Talschaften ankommen. 

Und zu welchem genauen und geformten Selbstbewußtsein hat sich in den ausdrucksvollen Städten diese erfahrene und erwiesene Kraft ausgebildet: wie steht Bern einstimmig da, jedes Haus über seinen gekretschten Steinlauben, die auch noch den Verkehr in ihren Schutz einbeziehen, so daß draußen nur die Märkte bleiben und die wunderbar bildlichen Brunnen, die sogar das Wasser bürgerlich machen! Gerne entschließt man sich dazu, den schweizer Menschen als einen Teil dieser Verbürgtheit sich klar zu machen: man versteht dann am ehesten seinen Umriß und seine Struktur, die in ihrer Anlage tatsächlich aus der gleichmäßigsten Masse geknetet und aus dem Ganzen geschnitten scheinen: so daß in jedem das Volk gegenwärtig ist (was man bei uns so entbehrt, wo mans beständig mit dem Stumpfen oder gar Amorphen zu tun hat, oder aber dem Einzelnen als einer Ausnahme gegenübersteht). Seltsam übrigens: die Psychoanalyse nimmt hier (wenigstens in Zürich) die eindringlichsten Formen an: fast alle diese ohnehin sauberen und eckigen jungen Leute werden analysiert -; nun denken Sie sich das aus: so ein sterilisierter Schweizer, in den alle Winkel ausgekehrt und gescheuert sind -, was für ein Innenleben kann in seinem Gemüt stattfinden, das wie ein Operarions-Zimmer keimfrei und schattenlos beleuchtet ist!...

Seit sechs Wochen bin ich hier; nur, wie langsam! um wirklich zur Besinnung zu kommen, müßten mir Aufenthalt und Jahreszeit unabsehlich zugesprochen sein! Und zum Schuß frag ich doch: München? Was verspricht es? Wie wird der Winter werden? (der doch wohl auch der meine wird werden müssen). Die herzlichsten Grüße für Lilinka und Wera, und herzliche und treu ergebene an Sie.

Rilke

Insight-Out Pädagogik von Dieter Schwartz

Das bestmögliche Leben als Lehrer
Warum es dieses 12 stufige Mentoring gibt


Da der erste 12-Stufen-Mentoringkurs den TeilnehmerInnen offensichtlich sehr viel geholfen und wertvolles geben konnte, habe ich mich entschlossen, einen weiteren solchen Mentoringkurs anzubieten.

In diesem Kurs geht es darum, wie wir uns als Mensch entwickeln können und vielleicht sogar müssen, um das bestmögliche Leben als Lehrer führen zu können.

Als ich den Impuls bekam, mein gesamtes Erfahrungswissen zu teilen, stieß ich auf 12 Themen, zu denen ich in Seminaren und Coaching-Sitzungen besonders oft gefragt wurde, da so viele Lehrer*innen offensichtlich mit denselben Schwierigkeiten zu kämpfen hatten. Da heraus habe ich 12 Hauptthemen gefunden.

Eines davon ist zum Beispiel, wie wir mit unserer eigenen Unsicherheit und gegebenenfalls Ohnmacht umgehen können.

Ich hatte irgendwann über mich selbst herausgefunden, dass ich, wenn ich ehrlich bin, ziemlich oft unsicher bin. Und egal, ob ich einen Weg fand, äußerlich überlegen zu wirken, oder tatsächlich auch äußerlich sichtbar unsicher wirkte, stellte ich fest, dass die Kinder größtenteils unbewusst, aber doch sehr deutlich auf meine offensichtliche oder innerlich weggedrückte Unsicherheit reagierten.

Am Ende des Schultages gab es zum Beispiel regelmäßig die Situation, dass gerade dann, wenn die Eltern bereits vor der Tür warteten, die Lautstärke im Klassenzimmer enorm zunahm. Und ich fühlte mich jedesmal so schlecht dabei und machte mir Sorgen, dass die Eltern ein völlig falsches Bild von meiner Situation im Klassenzimmer bekommen würden. Aber dann, als ich auf die Idee kam, dass es einen Zusammenhang zwischen meiner Sorge um die Meinung der Eltern über meine Tauglichkeit als Lehrer und der Lautstärkesteigerung geben könnte, fing ich an zu experimentieren. Und es war wie Magie!

Jedesmal, wenn ich es schaffte, auch während der Anwesenheit von Eltern und unabhängig davon, ob es lauter werden würde oder nicht, innerlich ruhig zu bleiben, blieben auch die Kinder ruhig. Aus dieser und ähnlichen Erfahrungen heraus suchte ich nach einem Weg, mich durch meine eigene interne Kommunikation, in diese unabhängige, innere Ruhe zu führen und fand heraus, wie dies möglich ist. Mit der Zeit habe ich in diesem Bereich so viel experimentiert und geübt, und dabei meine innere Kommunikation so weit entwickelt, dass ich sagen kann, ich habe meine eigene Unsicherheit gemeistert. Damit meine ich nicht, dass die Unsicherheit verschwunden ist, sondern dass ich obwohl sie da sein kann, von ihr nicht beeinträchtigt werde, und ganz anwesend und innerlich ruhig bleiben kann, unabhängig von den äußeren Umständen.

Wie ich dorthin gekommen bin und welche inneren Werkzeuge ich hierfür gefunden habe, wird also Teil des Kurses sein. Das Thema, wie man seine eigene Unsicherheit meistern kann, ist jedoch nur eines von zwölf Hauptthemen, die ich für die persönliche Entwicklung eines Lehrers und einer Lehrerin zentral finde.

Wenn du mehr über diesen Kurs erfahren möchtest, kannst du dich unter www.waldorfmentor.de für den Newsletter anmelden. Du bekommst dann innerhalb der nächsten zwei Wochen noch vier weitere Posts, in denen die gesamte Struktur des Mentorings, die finanziellen Konditionen und auch weitere inhaltliche Kostproben zu finden sind. Am Ende dieser zwei Wochen kannst du dann in einem Live Webinar Antworten auf alle noch offenen Fragen bekommen. Danach endet die Anmeldefrist und es wird losgehen. Da das Mentoring auch die Möglichkeit von Einzelcoaching beinhaltet, ist die Teilnehmerzahl auf 30 Teilnehmende beschränkt.

Herzlichen Gruß Dieter Schwartz

Was Du nicht in der Universität lernst
Die Magie unserer inneren Kommunikation


Meine eigene Reise als Lehrer begann nicht mit irgendeiner Fortbildung oder formalen Ausbildung. Stattdessen hatte ich zuerst mehr als 20 jährige autodidaktische Praxis, bevor ich ein grundständiges Pädagogikstudium studierte.

Ich machte dabei so etwa alle Fehler, die man als Lehrer machen kann, und suchte anschließend stets nach Lösungen für die Schwierigkeiten, die meine Fehler verursacht hatten. Und ich suchte immer solche Art Lösungen, die mir in Zukunft ermöglichten, in ähnlichen Situationen selbst wirklich gut zurecht zu kommen und zugleich das Sinnvollste für meine Schüler*innen zu tun.

Auf diese Weise entwickelte ich mehr als 20 Jahre lang meine eigene Weise, Lehrer zu sein. Erst dann besuchte ich 9 Jahre lang Fortbildungen in Intuitiver Pädagogik, absolvierte zwei dreijährige Ausbildungen bei Iris Johansson als Mentor für pädagogische Berufe und Kommunikation als Kunst, begleitete Pär Ahlbom zwei Jahre lang als persönlicher Lehrling in seiner Seminartätigkeit und absolvierte schließlich auch noch ein grundständiges Pädagogikstudium.

Während meiner inzwischen mehr als zehnjährigen Dozententätigkeit an mehreren priaten und staatlichen pädagogischen Hochschulen, durch meine Seminarleitertätigkeit für Intuitive Pädagogik, und ebenfalls durch meine mehr als fünfzehnjährige Coachingtätigkeit für Lehrer*innen bemerkte ich dann mehr und mehr, dass bei fast allen studierten Lehrer*innen ein Bereich der Kommunikation völlig unterentwickelt war.

Für mein Verständnis sind es nämlich vier Bereiche der menschlichen Kommunikation, die für das Lehrersein von entscheidender Bedeutung sind. Drei davon werden in der Regel an Pädagogischen Universitäten ausführlich unterrichtet:

- Die Kommunikation zwischen Lehrer und Schüler – wie man unterrichtet, wird in fast allen Pädagogischen Richtungen behandelt.
- Die Kommunikation innerhalb eines Schülers – Menschenkunde und Lerntheorien werden als Grundlage für die Didaktik ebenfalls behandelt.
- Die Kommunikation zwischen den Schüler*innen – z.B. in Pear-Tutoring, Lerngruppen und SMV, letzteres sehr weitgehend entwickelt in freien demokratischen Schulen.

Selbst wenn es heutzutage um Mobbing, Schulverweigerung oder andere häufige Phänomene in Schulen geht, werden normalerweise nur diese drei Bereiche der Kommunikation berücksichtigt.

Der vierte Bereich, der entweder vergessen oder zumindest unterbelichtet ist, ist die innere Kommunikation innerhalb des Lehrers selbst.

Mit innerer Kommunikation meine ich die Gedanken, Gefühle, Willensimpulse, Bewertungen, Vorstellungen, möglicherweise auch Inspiration und Intuition, während wir als Lehrer*in im Klassenzimmer stehe.

Erst durch die Arbeit mit vielen, vielen Seminar- und Coachingteilnehmer*innen wurde mir selbst bewusst, dass ich wirkliche Lösungen für die Fragen der Pädagogik vor allem in diesem vierten Bereich gefunden hatte.

Ich will an dieser Stelle nur ein einziges Beispiel anführen für die Magie unserer inneren Kommunikation, im 12 Stufen Mentoring werde ich jedoch aus unzähligen solchen Beispielen schöpfen.

Stell dir vor, du unterrichtest in einer Klasse mit einem autistischen Jungen, der regelrechte Tobsuchtsanfälle bekommt, wenn Du ihn zum Beispiel aufforderst, seine Fehler beim Diktat zu korrigieren; Der manchmal sogar nicht nur mit Worten, sondern auch mit Gegenständen um sich schlägt, wenn Du etwas von ihm willst.

Und stell Dir weiter vor, dass Dir jemand sagt, dass Du nur eine Kleinigkeit an Deiner inneren Haltung ändern brauchst, während Du mit dem Jungen sprichst, dann würde er ohne Probleme tun, was Du ihm sagst. Wärst du skeptisch oder würdest du es zumindest ausprobieren?

Mir ist genau dies passiert und diejenige, die mir prophezeite, dass der Junge tun würde, was ich ihm sagte, wenn ich durch meine innere Kommunikation eine solche innere Haltung entwickeln würde, war Iris Johansson. Als ich dann mit ihrem Vorschlag experimentierte, zeigte sich, dass sie 100% Recht hatte.

Ich bin überzeugt, dass jeder Lehrer und jede Lehrerin dasselbe entwickeln kann und zum eigenen Wohl und zum Wohle der Kinder auch sollte! In dem 12 Stufigen Mentoring zeige ich Euch, wie auch ihr Eure innere Kommunikation so weit entwickeln könnt. Dabei vermittle ich nicht eine Kommunikationstechnik, sondern eine innere Haltung, die viel universeller wirksam ist als jegliche Technik.

Wenn ihr daran interessiert seid oder jemanden anderen kennt für den dies interessant sein könnte, könnt Ihr den Newsletter abonnieren. Es wird noch 3 weitere Posts zu Struktur und Inhalt des Kurses geben und kurz vor erneutem Kursbeginn könnt ihr dann in einem Live Webinar noch Antworten auf alle offenen Fragen bekommen. Danach endet die Anmeldefrist und es wird losgehen.

Herzlichen Gruß Dieter Schwartz

Wie Du das Gefühl loswerden kannst, (als Lehrer*in )nicht gut genug zu sein

Eine Frage, die in pädagogischen Seminaren immer wieder auftauchte, war die Frage: „Wie kann ich das Gefühl loswerden, als Lehrer*in nicht gut genug zu sein?“ Manchmal war sie zwar nicht genau so formuliert, lag aber unterbewusst vielen Fragen zu Grunde.

Besonders oft habe ich sie von Waldorfpädagog*innen gehört, die das Gefühl hatten, dem Idealbild eines Waldorflehrers, welches in ihnen durch Studium und Literatur entstanden war, niemals gerecht werden zu können.

In diesem Post möchte ich dich zu einer inneren Reise einaden, um zu untersuchen, wie sehr unsere Gedanken die Erlebnisqualität unseres Alltags beeinflussen.

(Wenn du möchtest, kannst du gleich hier eine Pause einlegen und erst einmal selbst über das Phänomen nachdenken, wie sehr unsere Gedanken unsere Erlebnisqualität von Situationen beeinflussen.)

Zu Beginn lade ich dich nun ein, dir eine Situation in deinem Arbeitsalltag vorzustellen, die du als herausfordernd empfindest. Visualisiere sie und mache sie dir ganz deutlich.

Stell dir zunächst vor, dass du, während du diese schwierige Situation erlebst, den Gedanken in deinem Kopf hast: „Ich sollte eigentlich schon besser sein“ oder „Ich sollte eigentlich schon weiter entwickelt sein und damit kein Problem mehr haben”. Nimm dir einen Moment Zeit, um zu erleben, wie es sich anfühlt, zusammen mit diesem Gedanken im Kopf in dieser Situation zu sein, die du gewählt hast…

In meiner Anfangszeit als Waldorflehrer begleiteten mich solche Gedanken fast täglich. Damals dachte ich, es gäbe einen objektiven Grund für mein Minderwertigkeitsgefühl darin, dass ich Autodidakt war und kein Pädagogikstudium absolviert hatte. Doch später, als ich dann ein vollständiges Pädagogikstudium absolviert hatte, blieben solche Gedanken noch lange meine Begleiter. Jetzt lauteten sie, dass ich doch nun alles können sollte, da ich doch jetzt ausgebildeter Pädagoge sei. In beiden Fällen stand ich also innerlich nicht richtig zu mir als der, der ich war.

Erst viel später bemerkte ich, dass unter meiner Selbst-Infragestellung zum großen Teil richtiggehende Gedankenfehler lagen. Damit meine ich Gedanken, die, wenn ich sie bis zu Ende denke, sich als unsinnig erweisen, die ich aber unbewusst als eine Art Grundlage in mein Denken eingebaut habe, so dass mein gesamtes Denken auf ihnen aufbaut.

Mit Hilfe der Kommunikationskunst Iris Johanssons bemerkte ich dann, dass ich eine innere Einstellung finden kann, in der ich inklusive aller Unvollkommenheit und aller Fehler, die ich hatte und machte, zu mir selbst stehen kann als der, der ich bin. Ab dieser Zeit radelte ich nach einem Schultag meist unbeschwert nach Hause und hatte schlicht mein weiteres Leben vor mir. In den Zeiten davor dachte ich meistens, wenn ich nach der Schule auf meinem Fahrrad saß: „Wahrscheinlich sollte ich lieber doch kein Lehrer sein“.

Wenn du solche Situationen kennst oder aus einem anderen Grund Interesse hast, lade ich dich ein, eine innere Reise zu unternehmen, während du diesen Text liest, auch wenn sich das Lesen eines Textes stark von einem Live-Mentoring unterscheidet. Dort kannst du direkte Fragen stellen und wir können Probleme gemeinsam besprechen. Wenn du dich aber öffnest dafür, dir beim Lesen dieses Textes eine innere Reise zu erlauben, hast du eine bessere Chance, eine ähnliche Art von Transformation zu erleben, wie sie eine lebendige Gruppenerfahrung mit sich bringen kann.

Wenn du also nun solch eine innere Reise tun möchtest, schlage ich dir vor, dich zuerst einmal damit zufrieden zu machen, dass du gerade jetzt an der Stelle sitzt, liegst oder stehst, an der du dich befindest und dir nun Zeit dafür nimmst, diesen Text zu lesen. So dass die Zufriedenheit beim Lesen schon von Anfang an von innen da ist und nicht nach außen verschoben wird, auf den Zeitpunkt nach dem Lesen.

Und nun hinein in die Reise!

Kehren wir zu der Situation zurück, die du dir schon zuvor vorgestellt hast und in der du etwas Schwieriges erlebt hast. Lass sie wieder ganz deutlich vor deinem inneren Auge entstehen.

Dieses Mal möchte ich, dass du einen anderen Gedanken in deinem Kopf versuchst: „Ich bin genauso weit entwickelt, wie ich in diesem Moment sein kann, und ich werde mein Bestes geben, um aus dieser Erfahrung zu lernen.“

Visualisiere dich wieder in dieser Situation und versuche wirklich, dich von diesem Gedanken durchdringen zu lassen. Du kannst ihn sogar ein paar Mal laut aussprechen, wenn du möchtest.

Wie fühlt es sich jetzt an, in dieser Situation zu sein ?

Einer der sehr verbreiteten Gedankenfehler, die ich in diesem Zusammenhang bemerkt habe, ist zu denken, dass man als Lehrer*in, als Eltern, als Mensch weiterentwickelt sein sollte, als man ist.

Als Gedankenfehler bezeichne ich diesen Gedanken, weil unsere Entwicklung ja daher kommt, wie unser bisheriges Leben verlief. Und in jedem Moment unseres Lebens verlief unser bisheriges Leben ja ganz exakt so, wie es verlief! Wenn unsere Entwicklung aber daher kommt, wie unser Leben bis jetzt verlief, ist es nicht sinnvoll zu denken, dass man im jetzigen Augenblick weiter entwickelt sein könnte oder gar sollte als man ist.

Vom aktuellen Zeitpunkt ausgehend kann man sich ja dann vornehmen, alles zu entwickeln, was noch als unentwickelte Anlage in einem vorhanden ist, und dies ist in der Regel noch sehr, sehr viel, da die allermeisten Menschen weit weniger als 20 % ihrer eigenen Kapazität nutzen.

Auch für die Kinder ist es gut, wenn wir Erwachsene in Entwicklung sind, denn gerade dann sind wir ja eine besonders entwicklungs-anregende Umgebung für sie.

Nimm dir einen Moment Zeit und mache hier eine Pause. Lass den Atem ein paar Mal tief strömen, wenn du willst, und erlaube dir, überhaupt nichts zu tun. Vielleicht erlebst du nach der Visualisierungsübung, die wir gerade durchgeführt haben, starke Emotionen und das ist völlig in Ordnung. Die Untersuchung der Gedanken, die wir haben, und wie diese die Erlebnisqualität unseres täglichen Lebens beeinflussen, kann ein emotionaler Prozess sein, und es ist wichtig, sich dafür Zeit zu geben. Wenn du keinen starken emotionalen Zustand hast, ist das selbstverständlich auch völlig in Ordnung.

Ein letzter zu erwähnender Punkt ist, dass aus meiner Sicht die Art und Weise, wie wir über uns selbst und die Welt denken, oft das Ergebnis einer Strategie ist, die wir zu einem früheren Zeitpunkt im Leben entwickelt haben. Wenn wir einen schwierigen Zustand oder Prozess erlebt haben, haben wir uns möglicherweise unbewusst entschlossen, den damit verbundenen Schmerz durch eine clevere Strategie (die sowohl Gedanken als auch Verhalten umfassen kann) zu vermeiden. Wenn wir diese alten Strategien loslassen, haben wir auch die Chance, um das zu trauern, was in der Vergangenheit schwierig war, oder durch unsere aufkommende Wut durchzugehen, damit wir in der Gegenwart freier sein können. Dieser Prozess ist schwer zu durchlaufen, wenn man nur in dieser schriftlichen Form begleitet wird, aber ich erwähne ihn, damit du weißt oder dich erinnerst, dass er möglich und sinnvoll ist.

Wenn du dich bereit fühlst, setze die Reise fort, indem du weiter liest.

Willkommen zur zweiten Station der Gut-Genug-Reise. Hier werden wir das wunderbar interessante Thema „Fehler“ untersuchen!

Im ersten Teil haben wir betrachtet, wie man sich entwickelt und wie es wirklich unmöglich ist, weiter entwickelt zu sein als man gerade ist, on jetzt ab jedoch für die Zukunft noch super viel möglich ist. Daher haben wir immer die Möglichkeit, unseren aktuellen Entwicklungsstand zu akzeptieren und von hier aus mit der Weiterentwicklung zu beginnen. Jetzt werden wir unsere Beziehung zu Fehlern betrachten, um zu sehen, wie sie unsere zukünftige Entwicklungsmöglichkeit bestimmt!

Eine lustige Eigenschaft an Fehlern ist, dass sie bei uns selbst und bei anderen Menschen zu sehr unterschiedlichen emotionalen Reaktionen führen können.

Wenn du davon noch nicht überzeugt bist, kannst du es dir selbst beweisen, indem du dich an eine Situation erinnerst, in der du einen Fehler gemacht hast und infolgedessen jemand wütend, enttäuscht, frustriert oder traurig wurde.

Mir ist es erst heute passiert, dass ich eine Absprache nicht eingehalten habe, wodurch bei jemand anderen eine starke Enttäuschung entstand. Ich war innerlich mit dem Schreiben dieses Textes beschäftigt und hatte offensichtlich nicht richtig zugehört.

Vielleicht kennst du ähnliche Situationen?

Als nächstes schau, ob du dich auch an eine zweite Situation erinnern kannst, in der du einen Fehler gemacht hast, die Reaktion jedoch völlig entgegengesetzt war!

Vielleicht hast du kürzlich eine Klasse unterrichtet und deine Gedanken wanderten dabei ein wenig herum, so dass dir ein falsches Wort in einen Satz flutschte und dies zu großem Gelächter führte?

Meiner Ansicht nach gibt es drei Aspekte, die bestimmen, wie wir und andere unsere Fehler erleben:

- Die Art des Fehlers selbst.
- Das Maß an psychologischer Sicherheit in dem Gruppenkontext, in dem wir uns befinden.
- Unsere innere Beziehung zu Fehlern im Allgemeinen.

Hier beschränken wir uns auf den letzten dieser drei Punkte, da wir diesen ganz direkt beeinflussen können!

Der Gedankenfehler, der sich bei vielen Menschen in diesem Zusammenhang eingeschlichen hat, ist, dass wir bewusst oder unbewusst danach trachten, keine Fehler zu machen. Um zu verstehen, dass dies nicht sinnvoll ist, hilft es, ein wenig philosophisch zu werden:

Das Leben benötigt als Grundlage, dass es Bewegung gibt. Ohne Bewegung – kein Leben. Und die Bewegung benötigt als Grundlage, dass es Unvollkommenheit gibt. Denn ohne Unvollkommenheit gäbe es keinen Grund für Entwicklung und Bewegung. Es macht also Sinn, sich mit der Unvollkommenheit (als Grundlage) des Lebens, inklusive unserer eigenen, zu versöhnen und dann das beste aller Leben zu leben, das mit unserem eigenen So-Sein und den bestehenden Umständen möglich ist, anstatt nach einem Leben ohne Fehler zu trachten.

Was sollen wir aber mit den Fehlern tun?

Ich habe bis jetzt nur zwei konstruktive Möglichkeiten gefunden, mit Fehlern umzugehen:

Manche Fehler können wir berichtigen. Wir hatten zum Beispiel die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten und haben dann die eine davon gewählt. Nach einiger Zeit merken wir jedoch, dass es die falsche war. Nun können wir die Folgen dieses Fehlers auflösen, indem wir alles rückgängig machen, was durch den Fehler entstanden ist. Dann stehen wir wieder an derselben Stelle, wo wir uns falsch entschieden haben, und wählen diesmal die richtige Möglichkeit.

Es gibt aber auch Fehler, die wir nicht zurückdrehen können, weil Folgen daraus entstanden sind, die wir nicht auflösen können. Dann ist das Konstruktivste, dass wir uns vollständig mit einem solchen Fehler versöhnen und so viel wie möglich daraus lernen, so dass wir zumindest bei einer ähnlichen Situation in Zukunft diesen Fehler nicht noch einmal machen. Mehr sind Fehler nicht! Sie sind nur etwas, das wir entweder berichtigen können, oder daraus lernen.

Nachdem wir uns nun allgemein mit Fehlern befasst haben, kann es sein, dass du ein Gefühl der Befreiung erlebst. Denke und fühle, wie schön es ist zu leben, wenn du dir keine Sorgen um Fehler machen musst? Fehler bilden eine endlose Quelle zum Lernen und wer möchte ohne Lernen leben? Ja, einige Fehler verursachen Schmerzen in uns und anderen (und wenn dies geschieht, können wir unser Einfühlungsvermögen nutzen, um zu heilen und zu wachsen, anstatt uns selbst und andere zu bestrafen), wenn wir aber vermeiden wollen, Fehler zu machen, besteht die Möglichkeit, dass wir unser Leben überhaupt nicht vollständig leben.

Du kannst an dieser Stelle vielleicht in dich hineinhorchen und dich fragen, wie’s dir gerade geht und was gerade dran ist. Vielleicht sind es 5 Minuten Pause an der frischen Luft zum Nachdenken oder nichts tun oder direkt weiterlesen.

Da wir uns dem Ende dieser virtuellen Reise nähern, hast du dich vielleicht gefragt, ob es vielleicht eine bessere Reise woanders gibt, oder du hast gedacht, dass diese Reise eindeutig besser ist als andere Online-Reisen, auf denen du warst? Genau darum geht es bei unserem nächsten Halt!

Es gibt nämlich eine weitere Idee, die ich als Gedankenfehler bezeichne, dass wir nämlich glauben, dass wir gut genug seien, wenn wir besser sind als jemand anderes. Die meisten Menschen haben sich solch ein Denken schon in der Schule angewöhnt, wo es grob gesagt darum geht, besser zu sein als der Durchschnitt. Dass dies nur für etwa die Hälfte der Menschen der Fall sein kann, liegt in der Natur der Sache. Dazu kommt noch, dass nur ein kleines Spektrum des Mensch Seins in die schulischen Bewertung mit eingerechnet werden können, weil eben nur ein kleiner Teil des menschlichen Spektrums überhaupt vergleichbar bewertet werden kann. Daraus folgt, dass es nicht so besonders sinnvoll ist, einen solchen Durchschnitt als Maßstab zu nehmen, um unser So-Sein als Mensch zu beurteilen.

Nach meiner Erfahrung führt der Vergleich mit anderen auf diese Weise immer zu innerer Unsicherheit. Ich bin heute vielleicht besser als die andere Person, aber was ist morgen oder nächster Woche? Auf diese Weise können wir zudem das Wachstum der Menschen um uns herum weniger unterstützen, und eine solche Haltung schränkt auch unser eigenes Wachstum ein.

Wenn du feststellst, dass du dich mit anderen vergleichst, ist ein nützlicher Trick, den ich von Iris Johansson gelernt habe, dass du dir klar machst, dass du dich nur dann mit anderen vergleichst, wenn du den Kontakt zu dir selbst und deiner inneren Freude verloren hast. So gesehen können wir unser Vergleichen mit anderen als Signal dafür nehmen, dass wir jetzt innehalten und uns wieder mit uns selbst verbinden sollten.

Jetzt haben wir das Ende unserer virtuellen Reise erreicht. Ich hoffe, es war ein anregender und bereichernder Prozess für dich und ich lade dich ein, mit den oben genannten Gedanken zu experimentieren, zu erleben, wie sie sich anfühlen, wenn du sie in den Körper sinken lässt, und immer mal wieder deine gelebte innere Haltung damit abzugleichen.

Dieser Text steht natürlich allen zur Verfügung. Für diejenigen, die sich für das 12 stufige Mentoring interessieren ist er gedacht als eine Kostprobe aus welcher Art Gedankenhintergrund ich schöpfe.

Im nächsten Text werde ich dann meine Weise Mentor zu sein und die zeitliche Struktur des Mentoring-Kurses darstellen. Im letzten Text folgt noch der Themenüberblick und die finanzielle Seite des Mentorings. Vor dem nächsten Kursbeginn wird es noch eine Live Videokonferenz geben, in der du alle noch offenen Fragen beantwortet bekommst. Und dann beginnt der Kurs mit maximal 30 Teilnehmern.

Weitere Infos und die Möglichkeit, dich für den Newsletter anzumelden findest du hier.

Herzlichen Gruß Dieter Schwartz

Mentoring Gruppe und Entwicklungsgemeinschaft

Wenn es um die persönliche Entwicklung geht, habe ich paradoxerweise fast immer erfahren, dass die Entwicklung schneller geht und solider ist, wenn sie in einem Gruppenkontext stattfindet.

Aus diesem Grund wollte ich mein 12-Stufen-Mentoring-Programm so gestalten, dass das Lernen und sich Entwickeln eine Gruppenkomponente enthält.

Doch zuerst einmal „Was verstehe ich überhaupt unter Mentoring?“

Ich verstehe darunter im Grunde das, was mir selbst bei meiner eigenen Entwicklung als Mensch und als Lehrer so viel geholfen hat. Ich hatte neben Pär Ahlbom für das menschliche Spiel vor allem zwei Menschen, die ich für mein Lehrer-Sein als meine Mentoren bezeichne, Marcel Desax und Iris Johansson. Bei beiden habe ich erlebt, dass ich regelmäßig nach Gesprächen mit ihnen wieder eine klare Orientierung hatte, wenn ich diese zuvor verloren hatte, oder dass ich plötzlich eine Möglichkeit sah, eine Situation, die ich zuvor von außen gesteuert erlebte, durch meine eigene Kommunikation, innen und außen, selbst gravierend zu beeinflussen oder gar zu wandeln, oder aber dass ich mich nach einem solchen Gespräch bestmöglich auf eine unbekannte Situation vorbereitet fühlte.

Was mich dabei immer überzeugte, war die Tatsache, dass die „Lösungen“, die ich nach solch einem Mentoring-Gespräch gefunden hatte, sich ganz wie meine eigenen anfühlten. Oft entstanden sie nur durch Nachfragen meines Gegenübers direkt in mir selbst. Doch auch wenn Marcel Desax oder Iris Johansson mir etwas vorgeschlagen hatten, wusste ich direkt tief innen, dass es dies war, was ich wollte.

Später, als ich dann selbst von mehr und mehr Menschen um Rat gefragt wurde, übte ich mich in derselben inneren Haltung, die ich bei Iris Johansson oder Marcel Desax erlebt hatte. Aus dieser Haltung helfe ich Menschen, das zu erreichen, wofür sie den Weg nicht sehen, oder das zu entwickeln, wofür sie den nächsten Schritt nicht sehen. Zusätzlich habe ich diese Haltung auch noch durch zwei Ausbildungen bei Iris Johansson vertieft, eine dieser Ausbildungen führte zum „Mentor für Pädagogische Berufe“. Aus dieser Haltung heraus helfe ich Menschen, das zu verwirklichen, was sie von Herzen wirklich wollen.

Im Praktizieren von Mentoring habe ich dann außerdem eine Art von Talent bei mir entdeckt, durch das Menschen oft nur recht wenig von ihrer als schwierig erlebten Situation zu erzählen brauchen, bis ich vor meinem inneren Auge ein klares Bild von der aktuellen Lage und von dem dahinterliegenden inneren Konflikt sehe und durch beides hindurch direkt sehe, wie die Lösung dieses inneren Konflikts aussehen würde und wohin eine solche innerliche Veränderung im Außen führen würde.

Dieses Talent springt bei mir vor allem dann an, wenn jemand mit einer wirklichen inneren Frage zu mir kommt.

Obwohl die Fragen aus jedem beliebigen Lebensbereich kommen können, möchte ich hier einige Beispiele nennen, aus welcher inneren Lage heraus ich Lehrer*innen bisher oft geholfen habe. Vielleicht kennst du ja eine der Folgenden:

Das Gefühl,
mit den Kindern und Jugendlichen nicht ganz in Kontakt zu kommen.

Die Lage,
dass du einfach nicht so machen kannst oder willst, wie du es bei den älteren Lehrern siehst oder von diesen empfohlen bekommst, aber noch nicht ganz deinen eigenen Weg gefunden hast.

Den Mangel,
dass du dich trotz Studium und Praxiserfahrung nicht vollständig auf den Lehreralltag vorbereitet fühlst und da heraus manchmal sogar an deiner Eignung als Lehrer*in zweifelst.

Die Spannung,
dass du regelmäßig unangenehme Situationen erlebest in der Kommunikation mit Kindern, Eltern oder KollegInnen oder von deren Bewertungen beeinträchtigt wirst.

Die Ahnung,
dass Waldorflehrer der schönste Beruf der Welt sein kann, aber du dich oft weit weg davon fühlst, dies in jedem Moment auch so zu erleben.

Das Ideal,
und das Gefühl, dem im Studium oder durch Literatur an dich herangetragenen Idealbild eines guten Lehrers niemals gerecht werden zu können.

Das Mentoring wird zum großen Teil als Einzelarbeit in der Gruppe stattfinden. Dies hat den großen Vorteil, dass jeder eine innere Nebenarbeit machen kann, während ein anderer im Prozess ist. Eine solche Nebenarbeit kann oft sogar intensiver sein als der Hauptprozess desjenigen, der eine Frage gestellt hat.

Eine solche Arbeit innerhalb einer Entwicklunggruppe hat den psychologischen Nebeneffekt, dass man sich mit seinem Entwicklungsbedarf nicht alleine fühlt. In den wöchentlichen Lehrerkonferenzen an Waldorfschulen geschieht oft das Gegenteil: Die meisten Lehrer*innen schützen sich selbst und sprechen eher über ihre Erfolge als über ihre Schwachpunkte. Wenn dann mal jemand von seinen Schwierigkeiten erzählt, wird dies von den Anderen oft so behandelt, dass nach einer möglichst schnellen äußerlichen Lösung gesucht wird, um die Schwierigkeit vor allem im Hinblick auf die Eltern, schnellstmöglich zu beseitigen. Beides führt natürlicherweise zu einer ungeborgenen Atmosphäre.

Die größte Geborgenheit entsteht, wenn wir von Erwachsenen umgeben sind, die sich in Entwicklung befinden. Das Format des 12-Stufen-Mentorings ist genau so angelegt, dass diese Geborgenheit durch eine Entwicklungsgemeinschaft entsteht. Neben den Gruppensitzungen besteht die Möglichkeit in einem internen Gruppenforum schriflich Antworten auf seine Fragen zu bekommen und sich mit anderen Teilnehmer*innen direkt auszutauschen.

Wenn du mehr über diesen Kurs erfahren möchtest, kannst du dich unter hier für den Newsletter anmelden. Über die inhaltliche Struktur des Mentorings und die finanziellen Konditionen wird in Kürze der letzte Post erscheinen. In diesem Post wird auch der Termin für das Live-Webinar angekündigt werden, in dem du noch Antworten auf offene Fragen bekommen kannst. Danach endet die Anmeldefrist und der 12-Stufen-Mentoring-Kurs wird beginnen.

Herzlichen Gruß Dieter Schwartz

Wie ist das 12-Stufen-Mentoring aufgebaut?

Angenommen, du hast beschlossen, deine innere Kommunikation zu entwickeln, um das bestmögliche Leben als Lehrer führen zu können. Was solltest Du entwickeln?

Als ich mir selbst diese Frage gestellt habe, was in meiner eigenen Entwicklung als Lehrer das Wichtigste war, habe ich 12 Bereiche gefunden.

Das 12-Stufen-Mentoring zielt also darauf ab, dass du alle 12 Bereiche meistern kannst. Mit meistern meine ich hier, dass du in jedem dieser Bereiche deine innere Kommunikationsfähigkeit soweit entwickelst, dass du nicht nur mit dem zurecht kommst, was du dir zuvor angeeignet hast, sondern auch eine eigene Lösung finden kannst, wenn etwas völlig Neues oder Unerwartetes in diesem Bereich auftaucht, womit du meist nicht direkt klar kommst, wenn du einem Konzept oder einer Methode nur wie ein „Lehrling“ folgst.

Dass ich diese 12 Bereiche Stufen nenne, meint dabei kein starres System, aber dennoch ist die Reihenfolge bewusst gewählt und die Meisterschaft auf mancher dieser Stufen nach meiner Erfahrung hilfreich für spätere.

Hier kommen nun alle 12 Stufen.

1. Meisterschaft über die eigene Unsicherheit
Wie kann ich Zugang behalten zu meiner vollen Kapazität in Momenten, in denen ich unsicher werde?

2. Meisterschaft über die „kleine“ Sinnhaftigkeit
Wie kann ich ohne Selbstbetrug in jedem Moment meines Lehrerseins einen Sinn darin erleben, was ich tue?

3. Meisterschaft über die verschiedenen Weisen, wie du das Mandat der Kinder bekommen kannst
Für heutige Kinder haben wir als Lehrer, anders als noch vor 30 Jahren, keine Autorität nur dadurch, dass wir die Position eines Lehrers inne haben. Heutzutage brauchen wir, um eine wirkliche Grundlage für unser Lehrersein zu haben, von jedem einzelnen Kind das Mandat, sein Lehrer sein zu dürfen.

4. Meisterschaft über die eigene Wut durch deren Umschmelzung in Lebenskraft
Der eigentliche Sinn von Wut (nicht Aggression) und wie sie uns hilft, den Zugang zu unserer Lebenskraft offen zu halten.

5. Meisterschaft über die Unterrichtsvorbereitung durch das öffnende Vergessen
Ich habe irgendwann festgestellt, dass ich beim Unterrichten immer irgendwie sicherer war, wenn ich mich gut vorbereitet fühlte. Dann bekam ich durch einen Hinweis von Marcel Desax irgendwann die Idee, dass dieser Zusammenhang zwischen meinem Sicherheitsgefühl und der Länge meiner Unterrichtsvorbereitungszeit gar nicht zwingend besteht, sondern durch etwas darunter Liegendes verursacht wird. Dies führte zu einer großen Befreiung und wahren Kontaktmöglichkeit mit den Kindern.

6. Meisterschaft im Gestalten von Übergängen durch das Verständnis von Flow und die bewusste Produktion von hellem Chaos Was die wissenschaftlichen Erkenntnisse von Mihaly Csikszentmihalyi über den Flow-Zustand mit dem kreativen und angstfreien Gestalten von Übergängen zu tun hat.

7. Meisterschaft in Elternabenden und Konferenzen durch die Entwicklung der eigenen inneren Kommunikationsfähigkeit
In Situationen der Selbstverwaltung das beste aller Leben leben.

8. Meisterschaft bei Mobbing und destruktivem Verhalten
Mobbing auflösen ohne Strafen, nur durch die Neutralisierung der Atmosphäre und des sozialen Codex.

9. Meisterschaft bei offener Aggression anderer
Die innere Haltung, der innere Prozess und die 3 glasklaren Schritte, die helfen.

10. Meisterschaft beim Umgang mit der Angst und den Blockaden anderer; Kinder, Eltern und Kollegen
Gedankenvoraussetzungen, das Wissen um die Ladung in meinem eigenen Kommunikationsfeld, die Neuprogrammierungs-möglichkeit des Autopilotsystems.

11. Ohne Manipulation die menschliche Entwicklung bewusst beeinflussen durch die Spiegelfunktion des Universums
Beiderseitigkeit, Quantenphysik & Spiraldynamic.

12. Meisterschaft über die Routine und die eigene Sicherheit durch das Balancieren auf dem Seil des Unkalkulierbaren und durch das Spiel
Da die persönliche Entwicklung meiner Erfahrung nach eher in Spiralformen verläuft als in Stufen, habe ich das Mentoring folgendermaßen strukturiert:

In den ersten 12 Wochen des Mentorings durchlaufen wir eine komplette Runde der Spirale. Jede Woche ist also einer der 12 Stufen gewidmet. Es gibt hierzu jede Woche eine 90-minütige Themeneinheit zur jeweiligen Stufe, in der ihr nach meiner Themeneinführung direkt Fragen stellen und Antworten bekommen könnt. Die Aufzeichnung dieser Themeneinheiten stehen den Teilnehmer*innen danach zum vertiefenden Anschauen zur Verfügung. Auf diese Weise kann individuell immer wieder aufgefrischt werden, was einen persönlich am meisten interessiert.

Zusätzlich gibt es eine 60-minütige Frage-und-Antworten-Sitzung pro Woche, in der ihr themenfrei Fragen stellen und Antworten bekommen könnt.

Im Mitgliederbereich der Kurswebseite gibt es außerdem die Möglichkeit, im Forum schriftlich Fragen zu stellen oder auch über Themen mit anderen Kursteilnehmer*innen auszutauschen, Gruppen mit anderen Teilnehmer*innen zu bilden und Direktnachrichten zu schreiben.

Das Mentoring beinhaltet für jede Teilnehmer*in außerdem noch eine 90-minütige Einzelsitzung, die innerhalb der ersten sechs Monate zu einem beliebigen Zeitpunkt angefragt werden kann.

Das Mentoring wird sich im Kern auf sechs Monate erstrecken. Mit Rücksicht auf die Sommerpause sind dies die Monate Mitte April bis Mitte Juli und Anfang September bis Ende November 2021.

Die Kontaktmöglichkeit über das Forum wird insgesamt mindestens 1 Jahr lang bestehen und die Aufzeichnungen der Gespräche stehen ebenfalls mindestens 1 Jahr, nach Möglichkeit sogar unbegrenzt zur Verfügung. Auch die Q&A Sitzungen können auch in der zweiten Kursjahreshälfte bei Bedarf noch angeboten werden, diesbezüglich möchte ich jedoch noch keine Zusage zur Häufigkeit machen.

Nun zum Preis: Wenn ich mein Wert-Preis-Gefühl nach einem angemessenen Preis für solch eine persönliche Entwicklungsmöglichkeit befrage, lande ich bei einem Preis ab 1500€. Wenn ich mein Geldgefühl jedoch nach einem für Waldorflehrer*innen gefühlt leicht bezahlbaren Preis befrage und dabei eine monatliche Zahlweise mit einberechne, lande ich monatlich bei 100-150€, bei einer gesplitteten Zahlweise über sechs Monate also bei einem Gesamtbetrag von 600 bis 900€.

Da dieser Kurs nur einmalig geplant ist, wollte ich ein Preisniveau finden, bei dem alle, die inhaltlich Interesse haben, auch mitmachen können, und durch welches, bei 20 Teilnehmer*innen, meine Grundlebenskosten für die entsprechende Zeit gedeckt sind. Alles zusammen führt zu einem Sonderpreis von 600€, gesplittet in sechs monatliche Zahlungen à 100€ von April bis September.

Wer sich unter diesen Bedingungen schon verbindlich anmelden möchte, kann dies hier gerne tun. Wer zuerst noch an einer Q+A-Sitzung teilnehmen will, kann die entsprechenden Zoom Links hier finden.

Herzlichen Gruß Dieter

Die Kunst der kleinen Schritte – Einführung in einen Manichäismus der Zukunft

„Noch immer leben wir mit einen dualen Verständnis der Welt und uns selbst. Dual, oder dualistisch heißt : entweder... oder.
In diesem Dualismus lässt sich das Prinzip der Kausalität und der Zeit als einer Ablauf sehr gut einordnen. Rudolf Steiner ist derjenige der diese duale Weltsicht neue Möglichkeiten gegeben hat. Von Dualität zum Polarität, das heißt: sowohl als auch.
Im Bezug auf den historischen Manichäismus, der in mancher Hinsicht auch ein Dualismus war, hat Rudolf Steiner die Idee eines zukünftigen Manichäismus eröffnet wo Gut und Böse als Polaritäten einander bedingen, damit ein drittes entstehen kann. Schlüsselwort ist hier die ‚Milde’.
Für einen Manichäismus der Zukunft ist die Milde die Fähigkeit zum Beispiel dem Mitmenschen in seiner ‚Größe’ begegnen zu können und zwar dadurch dass man seine ‚kleinere’ Seiten nicht nur mit einbezieht, sondern dank diese ‚Schattenseiten’ das Lichtvolle im andern fördert und erscheinen lässt.
Dies können nur ganz kleine Schritte sein. Sie können im Grunde nicht klein und anspruchslos genug sein. Die Kunst der kleine Schritten ist diese das man bei jedem darauf achtet dass ein weiterer Schritt möglich bleibt ohne diesen schon im voraus zu bestimmen. Aber aus diesem ahnenden tastenden vorangehen entsteht die Milde als Signatur einer realen Umwandlung."

https://christengemeinschaft.de/gemeinden/herdecke/veranstaltungen/die-kunst-der-kleinen-schritte-einfuehrung-in-einen

Von der dritten in die vierte Kommunikationsdimension

Dies ist ein hilfreicher Vergleich konkreter Aspekte in der Auseinandersetzung des Übergangs zwischen 3. und 4. Dimension:

In der dritten Dimension wurden Diaabende veranstaltet und Urlaubsbilder gezeigt, als Status für das eigene Leben. Bilder sind sehr bedeutungsvoll, eher schwer. In der vierten Dimension sind Bilder spontan da, und auch gleich wieder weg. Sie drücken momentane Gefühle aus und verlieren sehr schnell an Bedeutung. Bilder verlieren ihre Schwere.

In der dritten Dimension bedeutet Besitz Lebensqualität. In der vierten Dimension ist Lebensqualität gute Beziehungen zu haben, eine gute Kommunikation zu den Menschen zu pflegen, sich seiner Begabungen bewusst zu sein und diese einsetzen zu können.

In der dritten Dimension ging es darum, recht zu haben. In der vierten Dimension geht es um Austausch, Lernen voneinander, Bereicherung aneinander.

In der dritten Dimension sind Lehrer auf Basis ihrer Funktion Autoritätspersonen. (Lehrerzentriert) In der vierten Dimension hat der Status keine Bedeutung. Die Beziehungsebene steht im Zentrum der Kommunikation. Menschen sind an den Persönlichkeiten der anderen interessiert. (Schülerzentriert)

In der dritten Dimension wurde nach Gemeinsamkeiten gesucht. Auch dafür gekämpft. In der vierten Dimension gibt es Akzeptanz für Verschiedenheit. Gemeinschaften sind Einrichtungen, die dafür sorgen sollen, dass alle sich darin wohl fühlen. Neuzugänge werden einfach aufgenommen. Wenn der Neuzugang allerdings eine Rolle spielt

In der dritten Dimension wurde Geld gespart, um nach der Arbeit im Alter das spätere Paradies erleben zu können. In der vierten Dimension gibt es Geld, um Möglichkeiten zu schaffen, die Erfahrungen bieten, beruflich oder sonstwie. Wer kein Geld hat, arbeitet. Wer Geld hat, gibt es aus. Auch werden Möglichkeiten organisiert, Dinge zu nutzen und Erfahrungen zu sammeln, die auf Basis von Tauschhandel basieren; bspws. das Haus eines Eigentümers an Frankreichs Mittelmeerküste hüten.

In der dritten Dimension wähle ich das Bild meines Lebens, behalte es und arbeite lange daran. In der vierten Dimension suche ich nach meinen individuellen Begabungen und meine Nische, oder baue mir meine Nische.

In der dritten Dimension gibt es Identität durch Nationalbewusstsein, durch Kultur, die meine Wurzel ist. In der vierten Dimension bin ich tendenziell wurzellos und Weltbürger.

In der dritten Dimension gab es tiefgeerdetes Handwerker Know-how. In der vierten Dimension sind die Handwerkerströme sehr mangelhaft.

In der dritten Dimension galt das Ideal, alleine zurechtzukommen. In der vierten Dimension machen wir es gemeinsam: zusammen sind wir ein Team mit verschiedenen Talenten und Stärken, die alle benötigt werden.

In der dritten Dimension galt viel Wissen als wertvoll. In der vierten Dimension gilt Kompetenz zu haben, das passende Wissen zu bekommen als wertvoll.

In der dritten Dimension galt es in der Wissenschaft, den Menschen möglichst raus zu halten. In der vierten Dimension wissen wir, dass der Mensch immer einen Einfluss auf das Messergebnis hat. Dadurch verändern sich die Versuchsaufbauten. Man will wissen, wie welcher Mensch welchen Prozess beeinflusst.

In der dritten Dimension meinte Gerechtigkeit, wenn alle das gleich haben. In der vierten Dimension meint Gerechtigkeit, wenn alle das passende haben, um so zu leben, dass sie sich ihren Begabungen entsprechend in die Gesellschaft einbringen können.

In der dritten Dimension machte man gerne Pläne, vor allem Zeitpläne. In der vierten Dimension tanzt man mit den Gelegenheiten und den Fügungen, die sich ergeben, und folgt den inneren Kräften mehr als den äußeren.

In der dritten Dimension zählte das Allgemeine als Maßstab. In der vierten Dimension zählt immer das Momentane.

In der dritten Dimension laß man vor Inbetriebnahme eines Gerätes die Gebrauchsanleitung. In der vierten Dimension nehmen die Menschen das Gerät in die Hand und lernen es kennen, indem sie es bedienen oder reparieren.

In der dritten Dimension hat man das Leben als eine Linie vor sich. In der vierten Dimension hat man das Leben als einen Bogen um sich.

Sechs Kommunikationsdimensionen

In der Evolution den menschlichen Bewusstseins gibt es immer wieder sprunghafte Veränderungen, die sich in wenigen Jahrzehnten vollziehen. Diese Veränderungen sorgen für Schwierigkeiten, weil Menschen der dominierenden Stufe ihre Weltsicht durch das Neue bedroht sehen. Die neuen wiederum sehen ihr Neues durch das Alte bedroht. Beide Seiten verstehen sich dabei als das "Normale" und haben meist kein Verständnis für die andere Perspektive.

Iris Johannsen ist Autistin mit klassischer Inselbegabung. Diese nutzte sie, um die menschliche Kommunikation zu erforschen. Aus ihren Ergebnissen und Beobachtungen ergab sich ein Konzept mit sechs Kommunikationsdimensionen. Wir befinden uns seit 1990 im Übergang von der dritten in die vierte Kommunikationsdimension, wobei unsere ganze Gesellschaft mit dem Denken der Dritten Dimension aufgebaut ist und auch mit diesem funktionsfähig gehalten wird.

1. Kommunikationsdimension

Die erste Kommunikationsdimension findet statt in der Begegnung zwischen Menschen, im Zusammensein. In Schweden gab es diese Kommunikationsdimension bis ca. 1850. Die Menschen lebten lokal an einem Platz und konnten die anderen Menschen, die sie kannten, alle an einem Tag zu Fuß treffen. Die Menschen lebten in ihrem eigenen Tempo und sind von morgens, wenn sie aufstanden, bis abends, wenn sie zu Bett gingen, ihren Tätigkeiten nachgegangen. Ungefähr 90% der Zeit des Tages brauchte man für das Notwendige. Es gab keine moderne Freizeit. Zum Lernen sind die Kinder einfach dem Rhythmus der Eltern gefolgt. Sie waren darinnen, in allem, was die Erwachsenen machten. Sie lernten alles durch das Dabei-Sein.

2. Kommunikationsdimension

Es ging langsam hinüber in die zweite Kommunikations-Dimension. Die erste blieb weiter bestehen. Von Staatsseite wollte man, dass alle Kinder in die Schule gehen, damit alle das Gleiche lernen. Aber viele Eltern wollten nicht, dass ihre Kinder in die Schule gingen, weil sie da so viele Flausen in den Kopf bekamen und anfingen, anders zu denken. 1842 wurde in Schweden die Schulpflicht eingeführt, um die Eltern dazu zu zwingen ihre Kinder in die Schule zu schicken.
Die Buchdruckkunst machte möglich, dass man täglich Reichsnachrichten bekommen konnte und ein paarmal in der Woche auch Lokalnachrichten. Die Nachrichten, das Wetter und Bücher. Klassische Musik wurde eingespielt und ausgestrahlt. Das war unglaublich faszinierend. Doch das „neumodische“ Wissen wurde nicht direkt in das alltägliche Leben integriert, es blieb noch außerhalb. Man fand es erst einmal interessant zu hören, was es weiter weg von zuhause alles gab. Aber zunächst beeinflusste es die erste Dimension sehr wenig. Man war vertraut mit dem Leben in der ersten Dimension. Das, was jetzt von außen an Information dazu kam, dafür musste man erst mal ein Verständnis entwickeln. Das dauerte ein paar Generationen.

3. Kommunikationsdimension

Behalten wir im Auge, dass die anderen Dimensionen bleiben und die neue dazu kommt. In der ersten Dimension sind wir zuhause in unserem kleinen Dorf, in der zweiten Dimension werden wir uns bewusst, dass wir in einem Land leben und in der dritten Kommunikations-Dimension werden wir Weltenbürger.
Was technologisch dazu kommt, ist das Fernsehen. Damit können wir Bilder aus der ganzen Welt in unserem Wohnzimmer sehen. So bekamen wir Einblick in verschiedene geographische Gegenden, die wilde Natur, die verschiedenen Städten und so weiter. Dazu kam die Möglichkeit, viel weiter zu reisen; zunächst innerhalb der Landesgrenzen, später auch in andere Weltteile. Die Zollstationen verschwanden und es gab viel mehr Verkehrsmittel mit denen man sich viel weiter weg bewegen konnte: Auto, Schiff, Flugzeug. Das hat unser Denken und unsere Linguistik sehr verändert, besonders im Verhältnis zu der ersten und zweiten Dimension. Wir konnten uns auch immer mehr Luxus, Zeit und Bequemlichkeit kaufen. Dadurch geschah etwas Merkwürdiges mit den Menschen: Wenn wir 90% des Tages dazu verwenden, die Notwendigkeiten zu verrichten, dann sind wir nicht gleichzeitig mit allen möglichen Gedanken, Abwertungen, Beurteilungen, Bestrafungen beschäftig. Wir haben fast keine psychischen Probleme.

Aber wenn wir nur noch zwei oder drei Stunden für das Notwendige aufwenden müssen, haben wir eine Menge Zeit, um anderes zu tun. In dieser Zeit schaffen wir uns Bequemlichkeiten. Doch für diese Bequemlichkeiten müssen wir Geld ausgeben, und dieses müssen wir durch Arbeit beschaffen. Damit passen wir uns auf die eine oder andere Weise an, und wir fühlen uns mit der Zeit ausgenutzt und unzufrieden. Wir haben den Eindruck, dass wir nicht den Lohn für unsere Mühe bekommen. Wir haben eine unendliche Menge von Zeit, die wir Freizeit nennen, in der wir machen und entscheiden können, was wir wollen, verbringen Sie jedoch entweder mit Arbeit, um Geld zu verdienen, um die Bequemlichkeit zu finanzieren, oder machen sinnfreie Freizeitaktivitäten, die uns auf Dauer nicht erfüllen, wodurch dies alles immer höher, schneller, weiter und vor allem immer mehr werden muss. Weil wir glaubten, mit mehr äußeren Dingen mehr Geborgenheit zu schaffen, haben wir immer mehr Dinge angeschafft. Wir nannten das „Glück“.

Darin verstecken sich eine Menge Gedankenfehler. Doch leider sind sie so allgemein, dass fast alle Menschen sie denken. Deswegen werden sie Majoritätsmissverständnisse genannt.

Wir schaffen uns in diesem Hamsterrad immer mehr Dinge an, Häuser, Autos, Boote, Sommerhäuser. Wir werden sehr gute Konsumenten. Was dabei geschieht, ist, dass wir uns mehr und mehr um Dinge kümmern müssen, an Dinge denken müssen, Dinge pflegen müssen. Wir merken, dass uns das begrenzt.

Gleichzeitig bekommen wir durch die Nachrichten das ganze Elend der Welt herein. Auch das beeinträchtigt uns, es reißt uns aus unsere inneren Zufriedenheit heraus.

Bei dem Übergang von der 1. zur 2. Dimension ging in der Zeit, wo die Bevölkerung sich so explosionsartig vermehrte viel mehr darum, alle Menschen ernähren zu können. Das hatte auf die alte Art nicht geklappt. Als es so weit war, dass alle etwas zu essen hatten, und ein Dach über dem Kopf hatten, hätte man mit der neuen Art aufhören können, das Wachstum beenden und und zu einer Gebrauchsökonomie zurückkommen können.

Aber wenn wir neue Dimensionen entwickeln, um die Welt zu verstehen, werden wir entweder davon verzaubert und schmeißen uns da hinein, oder wir bekommen eine Riesenangst und grenzen es aus. In beiden Fälle werden wir offen für Manipulation. Und so kam immer jemand, der sieht, dass Menschen in der Lage sind manipuliert werden zu können, und erliegt der Versuchung seinen eigenen Nutzen daraus zu ziehen. Das ist auch eine Form von psychologischem Spielen. Es geht immer von einzelnen Menschen aus. Grundsätzlich gibt es also immer die Möglichkeit, Geld aus etwas zu schlagen: Jemand will den anderen ausnutzen, der andere lässt sich ausnutzen und entscheidet nicht frei für sich selbst.
Es gibt da noch einen anderen Gedanken, mit dem wir uns angeschmiert haben: „Wissen ist nie schwer zu tragen!“. Da liegen wir aber falsch. Wissen, das man benutzt, ist nicht schwer zu tragen. Aber alles Wissen, das wir nicht anwenden, pocht die ganze Zeit, und will benutzt werden. Das ist sehr schwer zu tragen.

4. Kommunikationsdimension

Es ist wichtig, immer zu wissen, dass die vorhergehenden Dimensionen immer bleiben. Es kommt nur etwas Neues hinzu kommt, was das Denken sehr verändert. Das was jetzt, seit ungefähr 1990, mit der vierten Dimension hinzukommt, ist wirkliche Kommunikation. Man wird viel mehr global, es verschwinden die Grenzen. Die eigene Kultur und die anderen Kulturen werden auf eine völlig andere Weise aufgefasst. Weil das so unterschiedlich zur Dritten Dimension ist, entsteht oft eine Wand zwischen dem Denken in der dritten und dem Denken in der vierten Dimension.

In der vierten Dimension versteht man viel mehr als vorher, dass der Reichtum in uns drinnen sitzt. Reichtum hat damit zu tun, wie wir denken, mit dem, was wir tun und können, hat was mit dem zu tun, was wir innerlich tragen, egal wohin wir reisen. Diesen Reichtum kann uns niemand nehmen. Diejenigen, die in der vierten Dimension geboren sind, sind nicht so schnell geneigt zu glauben, dass Reichtum mit dem Wert von Geld zu tun hat. Sie sind vielmehr daran interessiert, ihre Fähigkeiten zu entwickeln, einen kleinen Teil davon zu verkaufen, so dass sie sich versorgen können, und ansonsten ein qualitätsreiches Leben zu leben. Die Menschen aus der dritten Dimension machen sich darüber große Sorgen, weil es die Zuwachswirtschaft bedroht.

Die Gesellschaft der dritten Dimension ist darauf aufgebaut, dass man sein Brot verdient im Schweiße seines Angesichts und einen Überfluss produziert, der bis zum Ende des eigenen Lebens reicht. Dieses Denken löst sich in der vierten Dimension mehr und mehr auf. Man ist mehr und mehr daran interessiert, sich lokal zu verbinden mit sich und den anderen, um eine Grundlage zu haben, sich hoch und breit hinauszustrecken.

Die Kinder in der Schule sind deshalb so außerordentlich gestresst, weil sie zu etwas gezwungen werden, was überhaupt nicht mit ihnen übereinstimmt. Dennoch versuchen sie hinzubekommen, was von ihnen gefordert wird, wobei natürlich trotzdem die Schulergebnisse bergab gehen. Allerdings gehen nur die Ergebnisse der dritten Dimension zurück. Ihr eigenes Leben untereinander geht nicht zurück. Nur das, was die dritte Dimension von ihnen verlangt.

In der vierten Dimension können wir die großen Veränderungen die mit unserer gesamten Zivilisation vor sich gehen aus einer globalen und gleichzeitig mit einer lokalen Perspektive anschauen. Und vor allem können wir uns frei machen von den Angstsystemen in denen wir festhängen und stattdessen die Phänomene betrachten in denen wir uns befinden.

Was du an den Kindern, die ab den neunziger Jahren geboren sind, sehen kannst, ist, dass sie lokal angeknüpft sind und gleichzeitig in einer globalen Welt leben. Auch wenn sie nicht lokal angebunden sind, so suchen sie doch die ganze Zeit eine lokale Orientierung, um in dieser globalen Orientierung sein zu können, ohne ihr Selbstgefühl zu verlieren. Der Unterschied mit der dritten Dimension ist, dass man sich dort an das Öffentliche anpasst anstelle der lokalen Orientierung. Das macht einen großen Unterschied, weil die Kinder der vierten Dimension nicht daran interessiert sind, sich an ein gesellschaftliches System anzupassen – das macht für sie keinen Sinn. In der Schule, die noch völlig aus den Prinzipien der dritten Dimension heraus organisiert ist, führt das zu einem Bruch mit den Kindern, die sich völlig anders orientieren. Da gibt es noch kaum Verständnisbrücken.

5. Kommunikationsdimension

Nach der vierten kommt in einiger Zukunft die fünfte Dimension hinzu. Sie ist in großen Zügen gesprochen die Synchronisation des Bewusstseins mit den Zeitströmen aus Vergangenheit und Zukunft. Nichts wird mehr zufällig geschehen. Auch jetzt gibt es schon Vorboten dieser Entwicklungsstufe. Einzelne Phänomene gibt es überall.

6. Kommunikationsdimension

In der sechsten Dimension wird die Kommunikation das Sprachfeld transzendieren. Zwei verschiedene Sprachen zu sprechen steht dann dem Verständnis nicht mehr im Weg. Wir lernen "aus der Atmosshäre zu lesen". Wir werden die Worte hören, und gleichzeitig wahrnehmen, was der andere meint, auch die eigentlich dahinter liegenden Fragen, Aussagen oder Absichten.

https://www.epubli.de/shop/buch/Gespr%C3%A4che-mit-Iris---Lernen-in-Vierten-Dimension-Thomas-Pedroli-9783746762616/78654

Erkenntnisse von Celestine

Die Prophezeiungen von Celestine ist ein 1993 veröffentlichter Roman von James Redfield. Das Buch handelt davon, dass seit nunmehr einem halben Jahrhundert allmählich ein neues Bewusstsein in unserer Welt eintritt, welches sich nur mit den Worten transzendental und spirituell bezeichnen lässt. Zentrales Thema sind die zwischenmenschlichen Beziehungen als Wettkampf um Energie und Macht. Dafür wenden wir laut Redfield Kontroll-Dramen an. Er geht davon aus, dass jeder Mensch ein bevorzugtes Kontrolldrama „spielt“, welches er sich im Lauf seiner Kindheit angeeignet hat, weil er es damals als wirkungsvolles Mittel gegen die Kontrolldramen der Eltern und Erwachsenen erkannt hat.

Die Ursache für diese Kontrolldramen liegt laut James Redfield darin, anderen Menschen Energie ab zu zapfen, um dadurch selbst gestärkt zu werden. Sobald wir aber eine andere, eine eigene Energiequelle zur Verfügung haben, brauchen wir uns diesen Macht-Spielen nicht mehr hingeben. Die andere Quelle ist laut dem Buch die alles durchwebende Energie des Universums. Wenn wir uns der Welt in Liebe öffnen, strömt sie in uns ein. Dies gelingt aber nur, wenn wir aus unserem Kontroll-Drama aussteigen, also aufhören, anderen Menschen die Energie zu rauben. Redfield gab an, dass die Arbeit des Begründers der Transaktionsanalyse, Eric Berne, und sein Buch Spiele der Erwachsenen, einem Bestseller von 1964, einen signifikanten Einfluss auf seine Arbeit hatte. Insbesondere die Lebensspiele, auf die sich Berne in seinem Buch bezieht, werden als Werkzeug für die individuelle Aufgabe der energetischen Unabhängigkeit benutzt. (WIKIPEDIA);

Die vier Kontrolldramen nach Celestine heißen

- Arme Ich
- Unnahbare
- Vernehmungsbeamte
- Einschüchterer

Wenn einer od er beide Elternteile beispielsweise Einschüchterer waren, passiert es sehr oft, dass die Kinder zum „armen Ich“ tendieren.

Bei Vernehmungsbeamten entstehen sehr oft unnahbare und in sich verschlossene Menschen. Der Unterschied liegt darin, ob sich die betroffene Person körperlich und/oder geistig bedroht fühlt. Der erste Schritt ist immer der „Unnahbare“. In manchen Fällen reicht dies aber fürs Überleben nicht aus, dann zieht sich der Betroffen noch weiter in sein Schneckenhaus zurück und wird zum „armen Ich“.

Die neun großen Schritte der spirituellen Entwicklung sind hier aufgelistet:

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Prophezeiungen_von_Celestine_%28Roman%29#Inhalt

Redfield: “The Celestine Prophecy” book review

https://www.youtube.com/watch?v=getFGaOqEuw

The Celestine Prophecy by James Redfield summary & review part 1

https://www.youtube.com/watch?v=nA_JPsddQ2c