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Meinrad Inglin Tagebuch 1913–1920

Es kommt nicht bloss auf das Talent an, sondern auch auf den Willen, der dahinter wirkt. Hochtalentierte, aber willensschwache Menschen bringen es in der Kunst nie zur Meisterschaft. „Transcende te ipsum!“

22. 11. 13
Ob wohl die Dummen wissen[,] dass sie dumm sind? Das müsste eine erschreckende Erkenntnis sein!

22. 11. 13
Ein Dichter, der nicht anerkannt wird, verschwindet u. lässt sich tot sagen, damit ihm Anerkennung wenigstens nach seinem scheinbaren Tode, gezollt werde. Jetzt aber wird er, statt gelobt u. auf den Schild gehoben, ganz ent[t]hront. Da kehrt er nicht mehr zurück u. gibt sich wirklich den Tod.

3. 12. 13
Ich trage die Ideen, die ich dichterisch verwerten will, lange in mir herum und dann spinnen sich oft unerwartet von geistigen u. sinnlichen Eindrücken, die ich im Alltagsleben empfange, Fäden zu dieser Idee und befruchten und bereichern sie. Ich kann das Anwachsen eines Stoffes in mir genau verfolgen.

14. I. 14
Ein Mensch[,] der seine ganze hervorragende Existenz unbewusst auf einem Grunde aufgebaut hat, der so unsicher ist, dass er in einer bestimmten Zeit unbedingt zusammenbrechen u. damit diese Existenz vernichten muss. Konflikt: Darf nun dieser Mensch ein Verbrechen quelconque begehen[,] wenn er damit seine (für die Mitmenschen vielleicht sehr wichtige) Existenz sichern könnte? – (Tragisch abgerundet: Wenn er es tut, wird er später gerade dadurch doch zu Fall kommen. Und er wird es tun, wenn er eine Persönlichkeit ist, die sich durchsetzen kann).

1. Febr. 14
Wenn irgend ein genialer Dichter versuchte[,] das Tagebuch Gottes zu schreiben!

26. Febr. 14
Position! Ce mot a une tournure d’épicier enrichi qui me porte sur les nerfs. Je ne puis souffrir ce rôle passif d’instrument, ce travail de brute que nous impose la société.
Lorsque je jette un regard à l’horizon, je me vois seul ; rien ne m’attache à la vie, ni haine, ni amour. Je me demande avec angoisse si je n’ai pas de cœur, si le ciel m’a fait misérable, si je ne suis qu’un tas de boue incapable de briller. Je remarque de plus en plus que ma plume ne peut exprimer que bien im-
parfaitement mes idées et mes sensations.
… je sens en moi quelque chose et, si en réalité ce quelque chose existe, tôtou tard il paraîtra au grand jour.
… ces heures où le poète doute de lui-même sont de tristes heures[.]
… ou plutôt, morbleu ! Rions, rions à perdre haleine, rions des autres, rions de nous, rions de l’univers entier. Au moins on s’étourdit.
Je subis … une rude attaque de spleen. Cette maladie offre chez moi des caractères singuliers ; abattement mêlé d’inquiétude, souffrance physique et morale. Tout me semble couvert d’un voile noir ; … .

Dies Sätze aus den Jugendbriefen des zwanzigjährigen Zola an seinen Freund Baille.

Sein Wesen deckt sich überraschend mit meiner eigenen Natur: Dieselbe unsichere brotlose Lebensstellung, dieselbe Verachtung des Herden- menschen und Positionsjägers, dasselbe Einsamkeitsgefühl inmitten einer Menge seelenloser Maschinen, dieselben inneren Konflikte: heute der Glaube an seine Dichtermission, der starke, gegenwartsfreudige Wille zum Leben, der hoffnungsfrohe Blick in die Zukunft und morgen der nagende Zweifel an seinen dichterischen Fähigkeiten, die Verzweiflung an der Unbegreiflichkeit des Seins, die unverstandene, quälende, innere Unruhe und dazwischen hinein wieder das jähe, grelle Auflachen.
Ich bin faul.
Ich habe einen sehr offenen Geist und wenn ich mich anstrenge, sehe ich immer auf den Grund der Dinge.

1. III. 14
Es treibt mich ausserordentlich, die Geschichte meiner bewegten Jugend zu gestalten[.] Muse! Muse! Halte mich! Halte mich!

7. III. 14
Es drängt mich ausserordentlich, meine reiche Jugend künstlerisch zu gestalten. Nur bin ich mir noch nicht klar, ob ich einfach naiv gestalten und erzählen oder ob ich die Geschichte meiner Jugend einer bestimmten Grundidee dienstbar machen soll. Dies letztere scheint mir das künstlerisch Bedeutendere zu sein. Ich denke es mir ungefähr so: Ich hebe zuerst hervor, wie ich als Kind naiv und unbewusst u. ohne „Ich“bewusstsein mit der Gesellschaft lebe; dann wie sich der Begriff des Individuums allmählich in mir entwickelt u. wie die Eigenart meiner Individualität bedingt, dass ich mich langsam von der mich umgebenden Gesellschaft löse, bis ich endlich ganz einsam dastehe; zuletzt, wie ich, da ich mich selber gefunden, endlich den mir bestimmten Platz in der Gesellschaft einnehme. 

1. Januar 1916
Erst vor zwei Jahren habe ich die Führung eines Tagebuches aufgesteckt und doch muss ich jetzt schon lächeln über diese ersten Seiten. Ich mache im Geiste einen dicken Strich darunter. Der Zufall ergibt es, dass ich am ersten Tage dieses Jahres die Überzeugung gewinne, die Führung eines Tagebuches sei für mich von grösster Wichtigkeit. Ich sehe klar, dass das spätere Gestalten seelischer Zustände ausserordentlich erleichtert wird[,] wenn man sich fortwährend genaue Rechenschaft über jeden bedeutungsvollen inneren Seelenzustand gibt und die Wahrnehmung notiert. Ich habe mir das zwar früher schon gesagt, aber der Gedanke hat mich erst heute so erfasst, dass ich zur Durchführung entschlossen bin.

5. I. 1916
Ich war lange von der Tatsache dieses Krieges und der Grösse der Zeit mächtig erregt und fühlte tief und unmittelbar den ehernen Gang des Weltschicksals. Ich habe die in der Folge der vielen Kriegsmonate im Volke aufsteigende Interesselosigkeit und abnehmende Erlebnissfähigkeit gegenüber den grossen Ereignissen bedauert und eine Steigerung von der tragischen Bedeutung des Krieges angestrebt – – und nun – bemerke ich mit Erstaunen, dass mein Inneres auch schon die rechte Anteilnahme verlernen will und sich von eigenen seelischen Interessen das wichtigere tiefe Erlebnis5 der Zeit verdrängen lässt. Seelische Spannungen lösen sich wirklich schneller[,] als ich glaubte[,] und unser Empfindungsvermögen ist viel zu kurzatmig für diese Zeit.

10. I. 1916
Ich habe ein paar Erzählungen von J.V. Widmann6 gelesen. Eigentümlich, wie diese Sachen, die doch in einem leichten unterhaltenden Erzählton geschrieben sind, einen starken Eindruck auf mich machen. Hauptsächlich: „Der Redak- teur“. Und dann auch: „Amor als Kind.“ Diese letztere hat eine ganze Fülle von poesievollen glücklichen Erinnerungen meiner Jugendzeit in mir wach- gerufen und mich darin bestärkt, diese einmal zu Papier zu bringen, dass sie sich nicht im Laufe des Lebens verflüchtigen. Dafür sind sie mir zu köstlich, das fühle ich immer mehr. Neben einer solchen Geschichte wie „Amor als Kind“, erscheint mir meine eben beendete Novelle „Der Vater“ als plump und ungeschickt.

25. I. 16
Ich kann mich in aristokratischer Gesellschaft von wirklicher Vornehmheit sehr wohl bewegen und verrate durch kein Wort u. durch keine Gebärde die beschränkte Einfachheit, in der ich aufgewachsen bin; ich fühle mich geistig in diesen Kreisen immer allen gewachsen u. meistens überlegen – und trotzdem trifft mich in diesen Umständen oft plötzlich wider meinen Willen wie ein peinlicher, geheimer Stich das Bewusstsein: Du bist halt trotzdem ein ganz gewöhnlicher Bürger, etwas wie Neid empfinde ich dann. Ich schreibe das meiner grossen Empfindsamkeit zu u. tröste mich mit dem Gedanken, dass die Form nicht das Grösste ist, sondern etwas[,] was sich erwerben lässt, während das andere, der Geist, Inhalt, oder wie man es nennen will, nicht einmal durch den Adel des Blutes, geschweige denn mit etwas anderem erkauft werden kann.

Locarno 20. II. 16
Gewiss, ich möchte Aristokrat sein; ich schätze Aristokratie hoch ein. Aber muss es dann gerade das preussische Junkertum sein? Was ich heute wieder von Frau S.8 gehört habe[,] macht mich nachdenklich. Meine anfängliche Vorliebe für preussischen Adel erkläre ich mir daraus[,] dass ich den Gegenstand meiner allgemeinen Sympathie für den Adel eben in jenen Kreisen suchte, die am meisten in die Augen stachen; ich hatte noch nicht die Kraft[,] mir ein eigenes Bild von Aristokratie zu machen, wie ich es jetzt tue, d.h. meine Sympathie war ohne die nötige Urteilskraft.

Locarno 20. II. 16
Ich habe vor einigen Tagen die Bekanntschaft mit zwei Gräfinnen gemacht: Marchese & Marchesina Paolucci-Heinemann. Sehr liebenswürdige u. inter- essante Menschen. Wohnen im Grand Hotel. Werde oft eingeladen. (Virgina homosexualis est)

Bern, 1. April.
Versuch in Versen: Gott hat die Welt erschaffen. Aber er lässt sie fahren, überlässt sie ihrem eigenen Schicksal. Er, der Herr, spielt für ewige Zeiten nur denstummen Zuschauer. Ihm zur Seite ein Engel; der Engel des Herrn. (Das ewig Weibliche) Kommentar in Form von Dialogen (Versen) über die Geschehnisse auf der Erde. Z.B.: Der Engel: Herr[,] die Erde trieft von Blut und Tränen[.] Weh der Erde!
Herr: Die Erde strotzt von Kraft u. Überfülle. Jeder Tag gebärt ein neues Heldentum. Heil der Erde.

Bern, 6. April
Rudolf von Markwald ist der geborene Künstler, der gern das Leben einfangen möchte, am Versuche scheitert und sich zur Kunst entschliesst[.]
Melchior Lob ist der geborene Künstler[,] der das Leben nicht liebt, sich der Kunst ergeben möchte und sich dennoch zum Leben entschliesst. Gegensatz von Kunst u. Leben ist so gemeint, dass der Künstler über oder hinter dem Leben steht als Zuschauer[,] der andere aber dieses Leben selbst mitlebt ohne künstlerische Absichten.
These: Herr Leutnant Rudolf von Markwald Antithese: Melchior LobSynthese: Ich

Bern, 17. IV. 16
Ich hätte Lust zu: Albert Steffen, Paul Ilg, Jakob Schaffner etc. Ein Beitrag zur Literaturgeschichte der Schweiz als eine kritische Würdigung unserer jüngsten Schweizerkünstler.

12. Mai 1916
Vorwurf zu einer Novelle: Ein Knabe, als Opfer des Buches[.] Er liest Indianergeschichte, Buffalo Bill11 etc.[,] kommt in eine Welt von Illusionen, wird zum Verbrecher u. geht zu Grunde. Ganz psychologische Darstellung. Perspektive aus der Phantasie des Knaben heraus.

Mai 1916
Mein Erlebniss auf d. Rigi: Das Mädchen aus Wollerau Josy M.12, der Bauernbube und ich stellt nichts anderes als die Illustration zum Mann’schen Grundproblem (Künstler u. Bürger resp. unkünst. Mensch) dar Buffalo Bill (s. oben) Erste Wirkung: stiehlt mit seinen Kameraden dem Waldbruder die Eier. Zweite Wirkung: tötet dem Waldbruder die Hühner. (Tschütschi)

17. V. 16
Vorwurf zu hist. Novelle: Fra Bartolomeo[.]14 Ganz psychologische Darstellung u. Entwicklung dieses sehr interessanten Künstlers. Don Juan. Die gestorbene Geliebte, deren Körper er noch nie gesehen hat. Er hält die Nacht allein Totenwache, enthüllt den Leib und macht eine photographische Blitzlichtaufnahme.

28. V. 16
Ein Roman der Zukunft: Leutnant X im Mittelpunkt; Künstlernatur, haltlos aber ideal; Nietzscheaner; geht fast an sich zu Grunde; sehnt den Krieg herbei; er kommt; Frankreich erklärt der Schweiz den Krieg; Bürgerkrieg: Welsche und Deutschschweizer gegeneinander. Die Schweiz fällt auseinander; Anschluss an die Grossmächte; Leutnant X hat als Ideal: die Herrenrechte; er verachtet die Demokratie; er wird zuletzt, kurz vor dem Frieden von Deutschland geadelt, dann wird er wahnsinnig. Grossartig, freskenhaft, psychologisch tief, logisch, konsequent realistisch. Soll ich beginnen? Soll ich? Ja!

20. VI 16
Novelle: Künstler, der sich einmal für ein halbes Jahr von allen Sehnsüchten, Quälereien und Zweifeln und Einsamkeiten befreien will; im Dienst als Leutnant (meine Erlebnisse in Locarno etc.) Er tollt sich aus und denkt nicht mehr an die Kunst, findet das Leben zu schön und geht daran zu Grunde. Ausser im 1. Kap. in der ganzen Novelle kein Wort von Kunst, nur das Leben. 

Meinrad Inglin 
(1893–1971) 
Tagebuch 1913–1920 
Von jugendlicher Rebellion zu eigenständiger Autorschaft
Herausgegeben und mit einem Nachwort von Daniel Annen 
Schweizer Texte, Neue Folge, Band 68 
Gebunden 2025. 108 Seiten, 10 Abbildungen s/w.

https://www.chronos-verlag.ch/node/28952#einblick  

 

Sagen Sie immer die Wahrheit

Der geheime Rat und seine Absichten

Im 3. Bild gibt es eine Schlüsselszene, in der der Geheime Rat über seine Ziele und Absichten berät. Es heisst da, gesprochen von dem Grossmeister des Ordens Del Val: «Unser Orden hat in seiner vieltausendjährigen Geschichte oft eingreifen mussen, um zu verhindern, dass die Menschheit verführt wurde durch Lehren und Bewegungen, die ihr hätten gefährlich werden können. Wenn eine Gefahr sich zeigte, hat unser Orden sie zuerst überwacht und dann eingegriffen.
Manchmal genügte das Verschweigen oder das Lächerlichmachen. Manchmal mussten unsre Eingriffe radikaler sein. Schwache Seelen mögen das ‹erbarmungslos› genannt haben. In Wirklichkeit war es einfach notwendig. Die Menschheit muss geführt werden von denen, die das tiefere Wissen über ihre Gesetze haben, ein Wissen, das nur wenige besitzen können. Wenn dies Wissen unter die Masse verbreitet würde, wenn die Macht und Autorität den Wenigen entschlüpfte, müsste die Menschheit dem Chaos verfallen.»

Es wird dann rückblickend auf das 20. Jahrhundert von Rudolf Steiner gesprochen, ohne dass der Name genannt wird. Eine erstaunlich klare Würdigung Rudolf Steiners und seiner spirituellen Leistungen, allerdings aus der Perspektive der Gegner: «Eine Gefahr, die unser Orden zu bekämpfen hattr, kam von einem einzigartig begabten Manne. Niemand kannte wie er die Geheimnisse des Himmels und der Erde. Er appellierte weder an Schmerz und Enttäuschung der Massen, noch an Hass und Begeisterung der Wenigen. Er wandte sich an alle und an niemand. Er benahm sich wie ein stiller Gelehrter und war in Wirklichkeit der gewaltigste Revolutionär, den die Geschichte kennt. Er appellierte an das gesunde Wahrheitsempfinden, und dies verwandelte er allmählich so, dass es fähig wurde, die Wahrheiten zu erkennen, die bisher von den Massen mit Glauben entgegengenommen worden waren. Er brachte Ordnung in die Gedanken der Menschen und führte sie in die Sphäre der Objektivität, wo die Gegensätze der persönlichen Gesichtspunkte aufhören, wo aber auch die Autorität aufhört, weil gegenüber der Wahrheit sich alle als gleich empfinden. Er weckte diejenigen moralischen Kräfte, die im Ich des einzelnen entspringen, und er lehrte ganz öffentlich den Weg der Einweihung, ohne dass dabei der Schüler in Abhängigkeit zum Lehrer geriet. Seine Lehre umfasste alle Gebiete des Wissbaren und verwandelte alles. Umgestossen wurde durch ihn die Handhabung aller oftenbaren und verborgenen Gesetze, wodurch wir bis dahin die Menschheit gelenkt hatten.»
Eine eindringliche Charakterisierung des Wesens und Wirkens Rudolf Steiners, von der ‹ schwarzen Seite›, durch die Augen der Gegner von Freiheit und Individualisierung. Da kann Rudolf Steiner nur als der grösste Revolutionär und die grösste Gefahr erscheinen! Sehr interessant und weiter auszuloten erscheint mir die Aussage, dass durch diesen «stillen Gelehrten» und «gewaltigsten Revolutionär» die Handhabung «aller offenbaren und verborgenen Gesetze» umgestossen wurde. Was heisst das, nicht nur für die schwarzen Logen und die Machteliten dieser Welt, sondern überhaupt für den guten Fortschritt der Menschheit?
Dann wird in dem Drama Der Ruf des Montecorvo beschrieben, wie sich die dunkle Gegenseite der Schüler dieses Eingeweihten annahm: Wie diese aus dem öffentlichen Leben verdrängt wurden, die Werke des Eingeweihten beschlagnahmt und verboten wurden, wie seine Schüler als Staatsfeinde verurteilt, ja manche von ihnen ermordet wurden – man denke an Carl Unger, den ersten Märtyrer der anthroposophischen Bewegung, der am 4. januar 1929 von einem Geisteskranken in Nürnberg erschossen wurde.

«Heute kehren sie wieder» 

Und dann kommen von dem Grossmeister Del Val die Worte, fiktiv verortet von Paolo Gentilli in der Zukunft: «Heute jedoch kehren sie wieder.» Diese wiederverkörperten Anthroposophen werden dann sehr differenziert beschrieben, wiederum aus der Sicht der schwarzmagischen Logen: «Jedoch die andern, die in Verbindung mit jenem Manne und mit seiner Lehre sich verwandelt hatten, besonders diejenigen, die zur Einweihung gelangt waren, die werden zu ebensovielen Aktionszentren gegen uns. Ihre Anwesenheit wirkt. Für uns wird es um so schwieriger sein, sie zu bekämpfen, als es nicht leicht sein wird, sie zu er-kennen. Da ist keine Organisation. Sie kennen sich selbst nicht einmal untereinander. Es gibt nichts, womit man sie der Polizei kenntlich machen kann.»
Der Hass auf die wiedergekehrten Schüler Rudolf Steiners macht den Grossmeister Del Val zutiefst hellsichtig für das Wesen und Wirken dieser Menschen. Er spricht warnend zu seinen Brüdern:
«Jene Menschen sind imstande, ohne Organisation zusammenzuarbeiten. Sie tretten sich in der Sphäre der Objektivität (...). Daher wird ihr Handeln bei aller Selbständigkeit stets auf das gleiche Ziel gerichtet sein. Es wird nie auseinanderstreben. Wenn sie sich zufällig begegnen, erkennen sie sich leicht durch die Art, wie sie ihre Begriffe bilden. Ausserdem ist in Betracht zu ziehen, dass in den Besten von ihnen noch eine Erinnerung an frühere Leben lebendig sein muss.»
An dieser Stelle muss man voller Hochachtung festhalten, dass Paolo Gentilli im Jahre 1943 nicht nur die Reinkarnation von Schülern Rudolf Steiners mit künstlerischen Mitteln in einem Drama darstellt, sondern dass er sehr präzise sowohl die Intentionen schwarzmagisch wirkender Logen beschreibt, als auch konkret die Metamorphose von reinkarnierten Anthroposophen zum Ausdruck bringen kann. «Sagen Sie immer die Wahrheit», ist dabei ein Schlüsselsatz, wobei man an das Christuswort denken muss: «Sie werden die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird sie frei machen.» Und dann die Äusserung des Grossmeisters: «Ihre Anwesenheit wirkt.» Menschen, die durch die Art ihres Daseins auf andere Menschen weckend und begeisternd wirken. «Sie sind imstande, ohne Organisation zusammenzuarbeiten.» Der lebendige Geist vereint sie, die Sphäre der Objektivität gibt ihnen einen gemeinsamen Grund, und sie erkennen sich an der Art zu denken («wie sie ihre Begriffe bilden»). An dieser Stelle könnte man noch hinzufügen: Sie erkennen sich auch an der Art des Fühlens, ein bewusstes Fühlen gerade im Spirituellen und Künstlerischen. Und die Besten von ihnen werden sich an frühere Erdenleben erinnern können. Später heisst es dann noch über die moralischen Kräfte dieser Menschen: «Das Gefährliche ist, dass das Beispiel dieser Leute ansteckend wirkt. Sie wecken das Gewissen der andern.»

GEGENWART Zeitschrift für Kultur, Politik, Wirtschaft Nr. 4/2024, Der Ruf des Montevorvo – ein Drama von Paolo Gentilli und die Michael-Prophetie Rudolf Steiners, von Steffen Hartmann, S.34f

Natur & Menschen in der Schweiz – von Rilke

An Gertrud Ouckama Knoop

Soglio (Bergell, Graubünden), Schweiz,
am 12. September 1919


Meine sehr liebe gnädigste Frau,
der Impuls, Ihnen von auswärts ein paar Worte zu schicken, ist wohl von allem Anfang mit mir herausgereist. Es beschämt mich nur, daß ich ihm so spät nachgebe. Ich rechne: wirklich, gestern waren es drei Monate, daß ich die Grenze überschritten habe, drei Monate, das heißt, der ganze Sommer liegt zwischen damals und heute - wie, wo mag er Ihnen, Lilinka und Wera vergangen sein ? Ich hoffe, Sie waren nicht immerzu in München, - aber ich weiß auch nicht recht, wo gewesen zu sein ich Ihnen wünschen sollte. Meine Erinnerung hat immer Neumond auf München zu; sie scheint viel mehr in andere Vergangenheiten hinein, als in diese jüngste, die so vernutzt hinter mir zurückgeblieben ist, daß ich meine, mich von ihr abkehren zu dürfen. Und auf was zu? Ja, das ist eine unabsehliche Frage. 

Stellen Sie sich vor, das "Draußen"-Sein war erst beinah anstrengend. Man konnte es doch nicht mehr so recht, man verbrachte halbe Tage damit (oder wars nur ich?), vor den Parfümerien die Namen Houbigant, Roger und Gallet und Pinaud zu lesen; ja, einen kleinen Augenblick hieß die Freiheit so, - wer hätte das für möglich gehalten? Die Konditoreien machten mir lange nicht so viel Eindruck, ich habe noch bis heute keine Schokolade gekauft, aber Seifen taten mirs an, ich war richtig wehrlos gegen ein solches reinlich überfülltes Schaufenster der Züricher Bahnhofstraße. 

Über solche Umwege, mögen sie auch noch so lächerlich sein, gelangte ich langsam zu dem Übrigen: zu den französischen Buchhandlungen und Kunstsalons, zu dem Treiben der Straßen und Betriebe, ja, mit einiger Überwindung, sogar zu der Natur. Schade, daß sie mir in der Schweiz nur in Übertreibungen vorzukommen scheint; was für Ansprüche machen diese Seen und Berge, wie ist immer etwas zu viel an ihnen, die einfachen Augenblicke hat man ihnen abgewöhnt. Die Bewunderung unserer Groß- und Urgroßeltern scheint an diesen Gegenden mitgearbeitet zu haben; die kamen da aus ihren Ländern hergereist, wo es sozusagen "nichts" gab, und hier gab es dann "Alles", in Pracht-Ausgaben. 

 Lieber Himmel: eine Salon-Tisch-Natur, eine Natur mit Auf und Ab, voller Überfluß, voller Verdoppelung, voll unterstrichener Gegenstände. Ein Berg? bewahre, ein Dutzend auf jeder Seite, einer hinter dem anderen; ein See: gewiß, aber dann auch gleich ein feiner See, bester Qualität, mit Spiegelbildern reinsten Wassers, mit einer Galerie von Spiegelbildern, und der liebe Gott,als Kustos, eines nach dem anderen erklärend; wenn er nicht gerade als Regisseur beschäftigt ist, die Scheinwerfer des Abendrots nach den Bergen zu richten, von wo den ganzen Tag der Schnee in den Sommer hineinhängt, damit man doch so recht alle "Schönheiten" beisammen habe. Denn der Winter hat doch die seine, und so ists das Vollkommenste, ihn nicht zu entbehren, während man mitten in den gewärmten Genüssen des Gegenteils sich geborgen fühlt ... 

Ich kann mir nicht helfen, ich erreiche diese assortierte Natur am bequemsten mit meiner Ironie, ja und ich erinnere mich der schönen Zeiten, wo ich, hier durchreisend, die Vorhänge des Coupés zuzog, worauf die übrigen Reisenden in den Gängen meinen Anteil Aussicht gierig mitverzehrten, ich bin sicher, es ist nichts übrig geblieben. 

Nun sagen Sie: was ist dieser Mensch nun undankbar geworden nach allen Seiten, ausgelassen undankbar? Er ist es gegen München, das ihm doch immerhin in so unüberwindlichen Zeiten eine nicht unfreundliche Zuflucht gewesen ist, und nun ist ers gar nochh gegen seine neue beneidenswerte Freiheit, die er verhöhnt, statt sich bescheiden an ihr zu erholen. Nein, so arg steht es wirjlich nicht mit mir: ich glaube sogar, die Schweiz fängt an, mir begreiflich zu werden, in ihrer eigentümlichen Durchdringung ung angestammten Einheit. Das verdanke ich Bern, wo mir die gastlichsten Wochen bereitet gewesen sind, und von wo aus diese Länder, die die Natur aus Grenzen und Hindernissen gebildet hat, in einer merkwürdigen Klarheit und Durchsichtigkeit erkennbar werden. Ihre Geschichte ist voll Naturkraft, die Menschen, wo sie hier als Masse zusammentraten, hatten etwas von der Konsistenz und Härte des Gebirgs und ihr hervorstürzender Wille ist in den entscheidendsten Momenten eine Fortsetzung jener Unwiderstehlichkeit gewesen, mit der die Wildbäche in den Talschaften ankommen. 

Und zu welchem genauen und geformten Selbstbewußtsein hat sich in den ausdrucksvollen Städten diese erfahrene und erwiesene Kraft ausgebildet: wie steht Bern einstimmig da, jedes Haus über seinen gekretschten Steinlauben, die auch noch den Verkehr in ihren Schutz einbeziehen, so daß draußen nur die Märkte bleiben und die wunderbar bildlichen Brunnen, die sogar das Wasser bürgerlich machen! Gerne entschließt man sich dazu, den schweizer Menschen als einen Teil dieser Verbürgtheit sich klar zu machen: man versteht dann am ehesten seinen Umriß und seine Struktur, die in ihrer Anlage tatsächlich aus der gleichmäßigsten Masse geknetet und aus dem Ganzen geschnitten scheinen: so daß in jedem das Volk gegenwärtig ist (was man bei uns so entbehrt, wo mans beständig mit dem Stumpfen oder gar Amorphen zu tun hat, oder aber dem Einzelnen als einer Ausnahme gegenübersteht). Seltsam übrigens: die Psychoanalyse nimmt hier (wenigstens in Zürich) die eindringlichsten Formen an: fast alle diese ohnehin sauberen und eckigen jungen Leute werden analysiert -; nun denken Sie sich das aus: so ein sterilisierter Schweizer, in den alle Winkel ausgekehrt und gescheuert sind -, was für ein Innenleben kann in seinem Gemüt stattfinden, das wie ein Operarions-Zimmer keimfrei und schattenlos beleuchtet ist!...

Seit sechs Wochen bin ich hier; nur, wie langsam! um wirklich zur Besinnung zu kommen, müßten mir Aufenthalt und Jahreszeit unabsehlich zugesprochen sein! Und zum Schuß frag ich doch: München? Was verspricht es? Wie wird der Winter werden? (der doch wohl auch der meine wird werden müssen). Die herzlichsten Grüße für Lilinka und Wera, und herzliche und treu ergebene an Sie.

Rilke

Nicht wie die "gelobten" Schrifsteller erzählen.

«Ich verzichte von vornherein, so wie die ‹gelobten› Schriftsteller zu erzählen. Warum? Es wäre das Allerleichteste für mich. Aber ich müßte dabei das Allerschwerste aufgeben: die Entwicklung zu einem höheren Menschentum, mein Gewissens-Verhältnis zum Geist. Als ich mich zu dieser Strenge mir selber gegenüber entschloß, stand ich vor der Frage: werde ich überhaupt noch Leser finden? Aber selbst auf die Gefahr hin, daß ich den letzten verliere, wollte ich diesen Weg gehen. […] Ich betrachte die Aufgabe des Dichters, um es ganz schlicht zu sagen, darin, Bausteine zu einer im Geiste verjüngten Menschheit, zu einer neuen Erde, beizutragen. […] Durch jenen Verzicht, so wie die meisten gegenwärtigen Schriftsteller zu schreiben, gab ich nicht, wie meine Kritiker meinten, das Dichtertum auf, wohl aber den Erfolg. Was sichert heute den Erfolg? Die großen Auflagen liefern die Antwort. Entweder die photographische Treue, mit der man unsere Zivilisationsverhältnisse schildert, oder aber die rücksichtslose Darstellung des Trieblebens. Oder beides miteinander verbunden. Aber dieses ist die verderblichste Ehe.»

von Albert Steffen

Albert Steffen (* 10. Dezember 1884 in Wynau; † 13. Juli 1963 in Dornach) war ein Schweizer Schriftsteller und Anthroposoph. Nach dem Tode Rudolf Steiners war Steffen ab 1925 dessen Nachfolger als Vorsitzender der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft.

Prolog
Es ist mir kein Auftrag gegeben,
von Göttern nicht
und nicht von Menschen,
keine Lehre von irgendwem wurde mir anbefohlen.
Ich wußte nicht, woher ich gekommen,
wohin ich gehe,
ich fand mich am Platze, wo ich geboren,
Vater, Mutter, Geschwister um mich,
den Garten, den Acker, den Wald,
fern das Gebirge.
Eines erfaßte ich bald, aber von mir aus:
Wahr will ich werden, Schönes erleben, Gutes tun.
Viele Menschen wurden mir Vorbild darin,
und ich hatte sie gern.
Von diesen durfte ich lernen,
von Werken der göttlichen Vorzeit,
sie zu erforschen, sie zu erproben, sie zu befolgen,
das war mein Wille, nicht eines andern.
Kein Lehrer gebot mir: Du sollst!
Und wenn er es sagte, prüfte ich erst,
tat, was mir recht schien.
So schaute ich um mich,
erblickte das Erdreich,
Steine, Pflanzen, Tiere und die Gestirne.
Alle Wesen sprachen zu mir,
und ich suchte sie zu begreifen.
Von jedem lernte ich etwas,
von mir nur wenig,
bis ich mich selber erkannte,
wie einen Fremden, von meinem höheren Selbst aus.
Zuerst erschien mir die Welt gut,
dann sah ich, daß manches bös war.
Ich meinte, alle Menschenseelen sind schön,
und erblickte viele sehr häßlich.
Ich suchte die Wahrheit
und fand die Lüge.
Böses, Häßliches, Lüge,
verwandeln wollte ich sie.
Ich kämpfte deshalb mit Menschen,
wenn sie mir nicht die Freiheit gewährten,
zu sehen, zu sagen, zu tun,
was selber als wahr und gut und schön ich erkannte.
Christus durfte ich lieben,
weil er mich, niemals zu etwas genötigt.
Er ist mein höchster Lehrer geworden.
Andere Menschen wurden es nur,
sofern sie sprachen
Nicht ich, sondern Christus in mir.
Aber die Nacht, die ins Nichts führt?
Ich lernte vom Dunkel die Sehnsucht nach Licht.
Licht entwickelt am Finstern die Farbe.
Farbe erweckt die Seele.
Die Seele lernt von den Sternen
die Worte der Götter.
Die erste Wahrheit, die sie mich lehrten,
sie lautet:
Mensch, du bist frei, und Mensch, du darfst lieben,
Mensch, erkenn dich zur Freiheit bestimmt,
aus Liebe immer wieder geboren,
als Einer in Aller Gemeinschaft zu wirken.
Das ist dein Auftrag, dir von dir selber verliehen,
Freien und Liebenden recht.

http://asteffen.com/es-ist-mir-kein-auftrag-gegeben/

Der Hund

Wer kann da nein sagen?
Einen Becher hält er mir hin. Vielleicht, sagt er dazu, wirst du dich aber auch in eine Korkenzieherhasel verwandeln.

Bei diesem Gedanken blieb mir der Fisch im Hals stecken. Ich hatte ihn mit Mühe festhaltend noch zappelnd in den Mund genommen und versuchte ihn hinunterzuwürgen. Was sich als schwierig herausstellte. Dazu kam, dass dieser sonderbare Fisch, für den wir alle diese tödlichen Strapazen aufgesetzt hatten, immer noch sang. Er sang und wollte auch in meiner Kehle steckend nicht damit aufhören. Seltsam war auch das, was wer sang. Eine orginal nach Tom Waits klingende Stimme schrie Gospelsongs.

Um den Kopf herum drückten die Strapazen und ließen kalten Schweiß zwischen meinen geschwollenen und auf das doppelte ihrer normalen Größe aufgeblähten Ohren und den Pusteln im Nacken hinunterlaufen. Im großen und ganzen war es aber noch in Ordnung; es hätte alles ganz anders kommen können.

Mein Freund und Helfer hielt mir also diesen hellblau strahlenden Becher mit schwarzem Urin des ostsibirischen Eunuchentigers hin, damit ich diese jaulende Kreatur endlich in meinen Magensäften verdauen könnte. Leider ging gar nichts mehr, als er diese Möglichkeit mit der Korkenzieherhasel aussprach.

Er schlug mir mit der Handkante einmal stark gegen den Kehlkopf. Doch anstatt den Fisch zu schlucken, fiel mir der Kopf vom Hals. Ich erblickt also plötzlich meinen Augen bedenklich nahestehende Stiefelspitzen, in denen eindeutig meine Füßen steckten. Er hatte nämlich Barfüße.

Das nächste was ich sinnlich vernahm war ein Surren, ein Ziehen, ein Schnalzen und ein Schreien. Dann bemerkte ich, wie er mich anstarrte. Sofort hörte ich auf zu surren und zog nicht mehr, schnalzte noch zweimal und schloss meinen Mund nachdem der Schrei verklungen war.

Was war geschehen? Ich betrachtete meinen Körper. Er war da. Aber nicht allein. Er war zwei. Ich hob meinen Rechten Arm und fiel rückwärts ins Bodenlose. Mit wahnsinniger Geschwindigkeit entfernte ich mich von der Erde und war plötzlich im unendlich weiten Raum.

Nein. Ich war der Raum und Zeit und die Ewigkeit und das Leben und das Licht die Energie die Liebe... Ich war die Liebe und Liebe und...

Ich schlug die Augen zu. Dunkel. Wo war er hin? Er hatte mir vor allem beigestanden und hatte versprochen mich anzurufen wenn ich wieder da wäre. Jetzt würde ich gerne seinen Anruf entgegennehmen. Hier allein in meiner Hundehütte in die ich mich morgens am Tag der Revolution zum Gebet mit den Hausmöwen verzogen hatte, um nicht dabei zu sein, wenn sie das neue ausprobieren.

Die Hundehütte hatte mich wohl doch nicht geschützt.
Irgend jemand würde dafür bezahlen.

Rudolf Steiner lesen

Die Philosophie der Freiheit lesen:»Meine ›Philosophie der Freiheit‹ ist so gemeint, daß man zur unmittelbaren Denktätigkeit Seite für Seite greifen muß, daß gewissermaßen das Buch selbst nur eine Art Partitur ist und man in innerer Denktätigkeit diese Partitur lesen muß, um fortwährend aus dem Eigenen heraus von Gedanke zu Gedanke fortzuschreiten.So daß bei diesem Buch durchaus immer mit der gedanklichen Mitarbeit des Lesers gerechnet ist. Und es ist ferner gerechnet mit demjenigen, was aus der Seele wird, wenn sie eine solche Gedankenarbeit mitmacht. Derjenige, der sich nicht gesteht, daß, wenn er dieses Buch nun wirklich in eigener seelischer Gedankenarbeit absolviert hat, er dann gewissermaßen sich in einem Elemente des Seelenlebens erfaßt hat, in dem er sich früher nicht erfaßt hat; derjenige, der nicht spürt, daß er gewissermaßen herausgehoben ist aus seinem gewöhnlichen Vorstellen in ein sinnlichkeitsfreies Denken, in dem man sich ganz bewegt, so daß man erfühlt, wie man in diesem Denken frei geworden ist von den Bedingungen der Leiblichkeit, der liest eigentlich diese »Philosophie der Freiheit« nicht im richtigen Sinne.Und der versteht sie im Grunde genommen nicht richtig, der sich dies nicht gestehen kann. Man muß gewissermaßen sich sagen können: Jetzt weiß ich durch diese seelische Gedankenarbeit, die ich verrichtet habe, was eigentlich reines Denken ist.«

(Vortrag in Dornach, 3. Oktober 1920. In: Grenzen der Naturerkenntnis. GA 322.)


Theosophie lesen:


Ich habe es oft betont: Man kann ein Buch wie zum Beispiel meine ›Theosophie‹ auf zweifache Weise lesen. Man kann so lesen, daß man da liest: Der Mensch besteht aus physischem Leib, Ätherleib, Astralleib und so weiter, der Mensch hat wiederholte Erenleben, Karma, das heißt, man nimmt Begriffe auf. Gewiß, das sind andere Begriffe als auf einem andern Felde, aber der geistige Prozeß, der sich abspielt, ist unter Umständen genau derselbe, wie wenn man ein Kochbuch liest. Denn gerade das habe ich ja oft gesagt, es handelt sich um den geistigen Prozeß, nicht um die Aufnahme von Ideen. Es ist ganz einerlei, ob Sie lesen, Sie sollen Butter in eine Pfanne gießen, Mehl hineintun, das durcheinanderrühren, Eier hineinschlagen, oder ob Sie lesen: Es gibt physischen Stoff, ätherische Kräfte, astralische Kräfte, die sind da durcheinanergemischt. Es ist ganz einerlei als Seelenprozeß, ganz einerlei, ob Sie Butter, Fett, Eier, Mehl auf irgendeinem Kochherde zusammengemischt haben oder ob Sie für die Menschenwesenheit physischen Leib, Ätherleib, Astralleib zusammengemischt sich vor stellen. Man kann aber auch die ›Theosophie‹ so lesen, daß man weiß: In ihr sind Begriffe enthalten, die sich zu der gewöhnlichen Begriffswelt des Physischen so verhalten wie die Begriffswelt des Physischen zur Traumwelt. Sie gehören einer Welt an, in die man ebenso aus der gewöhnlichen physischen hinein erwachen muß, wie man aus der Traumwelt in die physische Welt erwacht. Es ist die Gesinnung, mit der man liest, die dann das richtige Kolorit den Dingen gibt. Und diese Gesinnung wird eben für den Menschen der Gegenwart, durch verschiedene Mittel natürlich, lebendig. Die andern, die der Mensch für sich ausmachen kann, sind ja alle beschrieben in ›Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?‹. Aber für den modernen Menschen ist eben auch noch die Durchgangsphase, ganz abgegrenzt von der Anschauung der höheren Welt, notwendig: daß er erwachen kann an dem Seelisch-Geistigen des andern Menschen zu dem Hineinleben in die geistige Welt, wie er erwacht aus dem Traumleben durch Licht und Geräusch und so weiter in die physische Welt herein. Dafür muß man sich Verständnis erringen. Es ist notwendig, Verständnis zu erringen für das, was Anthroposophie in der Anthroposophischen Gesellschaft sein soll: Ein Geistesweg soll sie sein. Dann findet sich auch die Gemeinschaftsbildung, wenn sie ein Geistesweg ist. Aber es muß wirklich Anthroposophie ins Leben hinein.


(Vortrag in Dornach, 3. März 1923. In: Anthroposophische Gemeinschaftsbildung. GA 257.)


Mehr Infos zum Lesen von Steiner Büchern:

http://www.heartthink.org/neuesDenken.htm

Einführungsband:
Leitfaden zur Code-Χ-Ausgabe (2009) – bitte als erstes herunterladen

Den Unterschied im Herzen tragen

"Gewisse Literaten und Philosophen versuchen ihr Leben lang, überkommene Meinungen und falsche Maßstäbe loszuwerden. Es ist ihr Beruf, im Schweiße ihres Angesischts durch verbissenes Nachdenken ihre alten unverbrauchten Lebensansichten zurückzugewinnen und das, was sie wirklich und ursprünglich schätzen, von dem zu unterscheiden, was ihnen gewaltsam beigebracht wurde zu tolerieren. Und diese königlichen Rudersportler trugen den Unterschied recht deutlich lesbar in ihrem Herzen."

Robert Louis Stevenson, Das Licht der Flüsse  - Eine Sommererzählung, Aufbau Verlag, Berlin 2011, (Original: An Inland Voyage. 1878.)

Ein und dasselbe

"Und am Ende reisten Sie wieder.
Es kam eine Zeit, da hatte Arthur keine Lust mehr dazu. Er sagte, der Bisthromathic-Drive habe ihm die Augen darüber geöffnet, dass Zeit und Entfernung ein und dasselbe seien, dass Geist und Universum ein und dasselbe seien, dass Intuition und Realität ein und dasselbe seien, und dass man, je mehr man reise, desto mehr an einer Stelle hocke bleibe, und dass er nun lieber mal für eine Weile mit ein paar Dingen an einer Stelle hocken bleibe und alles in seinem Geist sortiere, der nun ja ein und dasselbe wie das Universum sei, darum sollte es eigentlich nicht allzu lange dauern, und er könnte sich hinterher mal richtig ausschlafen, ein bisschen Flugtraining einlegen und kochen lernen, was er schon immer habe machen wollen. Die Dose griechisches Olivenöl war jetzt sein teuerster Besitz, und er sagte, die Art und Weise, wie es unerwartet in seinem Leben aufgetaucht sei, habe ihm von neuem ein ganz bestimmtes Gefühl der Einheit der Dinge gegeben, das ... das ihm den Eindruck vermittle, dass...
Er gähnt und schlief ein."

Douglas Adams, Das Leben, das Universum und der ganze Rest, 3. Teil von Per Anhalter durch die Galaxis, Epilog

Top Ten der Zukunftsliteratur 2018

 


"Zehn wichtige Zukunftsbücher kürt das JBZ-Team jährlich. Diesmal gemeinsam ausgewählt mit unserem deutschen Partner changeX. Es geht um Digitalisierung, Idendität, Demokratie, Innovation, das Universum, Aufklärung, ein anderes Wirtschaften und die „große Transformation“."

https://jungk-bibliothek.org/wp-content/uploads/2018/12/2018_Top-Ten.pdf

Träumer, Visionäre, Utopisten - Sie scheiterten. Jetzt sind wir dran.

Geld, wie Silivo Gesell es sich wünscht, verliert binnen kürzester Zeit an Wert. Das führt zu schnellem Geldausgeben, zur Ankurbelung der Wirtschaft, zur Verhinderung von Kapitalanhäufungen. Ende der Zinsknechtschaft. Geld wird einer wöchentlichen Steuer unterworfen und mit einem Stempel markiert. Ungestempeltes Geld wird von den Staatskassen zurückgewiesen.

Vor allem aber und zuallererst muss das Geldhamstern aufhören. Und zwar sofort. Der Geldhamster sie das gefährlichste Tier überhaupt, ist Silvio Gesell überzeugt, Geld muss fließen, strömen, in Ware verwandelt werden, in Glück. Sofort. Und er wird Geld dazu zwingen, sich schnell aufzulösen, so schnell, wie Silvio Gesell es will. Er kann es in herrlichen Bildern beschreiben. Seine Theorie ist keine Theorie. Seine Theorie ist reine Praxis: „Bildlich gesprochen soll das Geld wie die Kartoffeln faulen, wir Guano die Luft verpesten, wie Dynamit explodieren, wie ein Pferd gefüttert, wie Maschinen behandelt werden. Es soll wie Baumwolle platz beanspruchen, wie Ziegelsteine wiegen, wie Schwefelsäure ätzen, wie Glas zerbrechen.“ Explodieren! Zerbrechen! Ätzen! Silvio Gesell wird Volksbeauftragter für Finanzen.

Schließlich ist noch das Amt des Volksbeauftragten für Erziehung und Unterricht zu vergeben. Gustav Landauers Lebensamt. Die Seelen umbilden! Eisner hatte sich diesen Auftrag ja nicht ausgedacht. Es war Gustav Landauers Lebensziel, die Seelen der Menschen von Grund auf neu zu bilden. Neues Denken. Neues Herz. In den Schulen damit beginnen. In den Universitäten das Werk fortführen. Den Plan dazu, seinen Regierungsplan, hat er lange schon parat. All seine Texte über die Literatur, die er geschrieben hatte, über Goethe, Hölderlin, Walt Whitman, Leo Tolstoi, seine Vorträge über Shakespear, sie waren ja alle im Grunde geistige Vorarbeiten zur Tat. Transformation der Idee in Wirklichkeiten.

Und es war jetzt so weit. Ein Leben lang gedacht, gelesen, gedeutet und geplant. Es war Verwirklichungsnacht. Bei Leo Tolstoi hatte er diese drei Fragen und Antworten gefunden. Grundgesetze des Lebens. „Welche Zeit ist die wichtigste? Welcher Mensch? Welche Seele? Zeit - der Augenblick; Mensch - der, mit dem man’s gerade zu tun hat; Seele - Rettung der eigenen Seele, Liebeswerk also.“ Landauer ist bereit für das Amt des Volksbeauftragten für Erziehung und Unterricht.

Hecht interviewt ihn jeden Tag, er sei fasziniert von Landauers Eigenwilligkeit. „Er neigt dazu, während seiner Rede innezuhalten und einen Namen mit einem unvermuteten Schrei auszurufen. Die Interviews bestanden hauptsächlich aus Diskussionen über Walt Whitman.“ Der Eckpfeiler seines Erziehungsprogramms sei, dass jedes Kind im Alter von zehn Jahren Walt Whitman auswendig lerne, so Hecht.

Mit großem Schwung geht es nun an die Proklamation seiner Republik. Eigentlich steht der Text ja schon. Die Mühsam-Landauer-Resolution aus dem Restaurant.

Währenddessen arbeitet Ernst Toller auch an einer Kampfschrift. Er schreibt die Bedingungen auf, die seine Partei, die USPD, in den Verhandlungen der Nacht formuliert, um sie am nächsten Tag veröffentlichen zu können, mit dem Zusatz, dass die Bedingungen angenommen worden seien.

„In den Vorzimmern des Zentralrats drängen sich die Menschen, jeder glaubt, die Räterepublik sei geschaffen, um seine privaten Wünsche zu erfüllen. Eine Frau möchte sofort getraut werden, bisher hatte sie Schwierigkeiten, es fehlten notwenige Papiere, die Räterepublik soll ihr Lebensglück retten. Ein Mann will, dass man seinen Hauswirt zwinge, ihm die Miete zu erlassen. Eine Partei revolutionärer Bürger hat sich gebildet, sie fordert die Verhaftung aller persönlichen Feinde, früherer Kegelbrüder und Vereinskollegen.
Verkannte Lebensreformer bieten ihre Programme zur Sanierung der Menschheit an, ihr seit Jahrzehnten befehdetes Lebenswerk bürge dafür, dass jetzt endlich die Erde in ein Paradies verwandelt werde. Sie wollen die Welt aus einem Punkt kurieren, lässt man die Prämisse gelten, ist ihre Logik unangreifbar. Die einen sehen die Wurzel des Übels im Genuss gekochter Speisen, die anderen in der Goldwährung, die dritten im Tragen unporöser Unterwäsche, die vierten in der Maschinenarbeit, die fünften im Fehlen einer gesetzlich vorgeschriebenen Einheitssprache und Einheitskurzschrift, die sechsten machen Warenhäuser und sexuelle Aufklärung verantwortlich. Sie erinnern alle an jeden schwäbischen Schuster, der in einer umfangreichen Broschüre zwingend bewies, dass die Menschheit nur darum moralisch krank sei, weil sie ihre elementaren Bedürfnisse in geschlossenen Räumen verrichte und künstliches Papier benütze. Wenn sie, dozierte er, diese Minuten in Wäldern verbrächten und mit natürlichem Moos sich behülfen, würden auch ihre seelischen Giftstoffe im Kosmos verdunsten, körperlich und seelisch gereinigt, als gute Menschen, kehrten sie zur Arbeit zurück, ihr soziales Gefühl wäre gekräftigt, der Egoismus verschwände, die wahre Menschenliebe erwacht, und das Reich Gottes auf Erden, das langverheißene, bräche an.“

Setzt euch über alle Führer hinweg, wenn sie gegen die Einigkeit des gesamten Proletariats sind. Nicht die Eitelkeit der Führer, sondern die Not des Proletariats zu befriedigen ist unsere Aufgabe.

Und er liefet eine kurze Definition dessen, was die neue Republik ist und was sie bedeutet: „Unter Räterepublik ist nichts anderes zu verstehen, als dass das, was im Geiste lebt und nach Verwirklichung drängt, nach irgendwelcher Möglichkeit durchgeführt wird.“ Wer bei diesem großen Projekt mitmachen will, mit ganzer Kraft, freudig und entschlossen, der solle ihm das mitteilen. Jeder Einzelne. „Eine Gesamterklärung werde ich nicht annehmen.“ Macht! Alle! Mit!

Einer von Landauers wichtigsten Mitarbeitern war der Revolutionär Ret Marut, der während des Krieges die pazifistische Kampfschrift „Der Ziegelbrenner“ herausgegeben und alle Beiträge darin auch selbst geschrieben hatte. Marut war ein  Unsichtbarer.

„Halloh, Ihr Menschen! Halloh!
Ich gehöre weder der Sozialdemokratischen Partei an, noch bin ich ein unabhängiger Sozialist. Ich gehöre weder der Spartacus-Gruppe an, noch bin ich ein Bolschewist.
Ich kann keiner Partei angehören, weil ich in jeder Partei-Zugehörigkeit eine Beschränkung meiner persönlichen Freiheit erblicke, weil die Verpflichtung auf ein Partei-Programm mir die Möglichkeit nimmt, mich zu dem zu entwickeln, was mir als das höchste und das edelste Ziel auf Erden gilt: Mensch sein zu dürfen!
Die edelste, reinste und wahrhafteste Menschenliebe ist die Liebe zu sich selbst. Ich will frei sein!
Aber meine Freiheit ist nur dann gesichert, wenn alle anderen Menschen um mich frei sind.
Mehr als fünfzig Monate bin ich in der schamlosesten Weise belogen und betrogen worden, von der Regierung, vom Kaiser, vom König, von meinen Nachbarn und von der verlumptesten Institution, die sich auf Erden befindet: Die Presse.
Sie wollen nichts weiter als ‘Ruhe und Ordnung’.
Ruhe und Ordnung heißt: Schutz dem Kapitalisten, damit er in aller Ruhe und Ordnung denjenigen, der essen möchte, auspovern kann.
Ruhe und Ordnung macht schlafmützig. Ruhe und Ordnung bringen mich um meine persönliche Freiheit. Bewegung, Gesellen! Nicht einschlafen! Die Revolution hat erst begonnen.
Ich brauche keine National-Versammlung. Ich gehe nicht zur Wahl. Ich wähle nicht, ich will auch nicht gewählt werden. Ich fühle mich unter der Diktatur des Proletariats – obgleich ich kein Arbeiter bin und nicht zum Proletariat gehöre, – so wohl wie ich mich in meinem ganzen Leben noch unter keiner Regierung gefühlt habe und ich habe beinahe alle Länder der Erde kennen gelernt und in vielen nichtdeutschen Ländern viele, viele Jahre gelebt."

Gusto Gräser ist gerade dabei, eine Art Weltstar zu werden. Er weiß es nur noch nicht. Und auch nicht unter seinem eigenen Namen Gusto Gräser, sondern in literarischer Verkleidung, als einer der die Menschen dem Weg nach innen führt, zu einem neuen Gott, zu sich selbst. Es ist der Name „Demian“, unter dem der berühmt werden wird.

„Hundert und mehr Jahre lang“, erklärt er seinem staunenden Freund Sinclair, „hat Europa bloß noch studiert und Fabriken gebaut! Sie wissen genau, wieviel Gramm Pulver man braucht, um einen Menschen zu töten, aber sie wissen nicht, wie man betet, sie wissen nicht einmal wie man eine Stunde lang vergnügt sein kann.“ So oder ähnlich sind Max Demians Ansprachen an den sehnsüchtig Lauschenden. „Was die Natur mit dem Menschen will, steht in den Einzelnen geschrieben, in dir und mir. Es stand in Jesus, es stand in Nietzsche. Für diese allein wichtigen Strömungen - die natürlich jeden Tag anders aussehen können, wird Raum sein, wenn die heutigen Gemeinschafen zusammenbrechen.“

Hermann Hesse, der schwäbische Kriegsgegner in der Schweiz - wohin sollte er denn, wenn nicht nach München?
Doch da täuschen sich alle. Hesse hat seinen Demian nach Deutschland geschickt. Er selbst flieht in die andere Richtung. Viele Menschen, so schreibt er in seinen Briefen, trügen ihm in diesen Tagen politische Ämter an in Deutschland. Mitmachen, Hermann Hesse! Aber Hesse will nicht. Er will frei sein. Gerade hat er sich von Frau und Kind getrennt. Er will zurück zu den „drei Tröstungen meiner Jugendjahre: literarische Arbeit, Alkohol und im Hintergrund der tröstliche Gedanken an den Selbstmord“. Oh ja, in Gedanken ist er radikal: „Ich wäre reif zum Spartakisten, wenn ich da nicht moralische Hemmungen hätte: ich halte zwar Selbstmord aus Verzweiflung für erlaubt, nicht aber Totschlag an anderen.“

Hesse ruft zur Einkehr auf, dazu, Dinge geschehen zu lassen. Er fürchtet in neuen Revolutionen neue Gewalt, in neuen Weltverbesserungsideen nur wieder neues Unheil, neues Leid. „Und darum eilet ihr zu neuen Taten, laufet auf die Gassen, stürmet und schreiet, wählt Räte und ladet wieder Gewehre. Und dies alles, weil ihr ewig auf der Flucht vor dem Leiden seid! Auf der Flucht vor euch selbst, vor eurer Seele!“

„Die Welt ist nicht da, um verbessert zu werden“, schreibt er in seiner Zarathustra-Schrift. „Auch ihr seid nicht da, um verbessert zu werden. Ihr seid aber da, um ihr selbst zu sein. Ihr seid da, damit die Welt um diesen Klang, um diesen Ton, um diesen Schatten reicher sei. Sei du selbst, so ist die Welt reich und schön!“

„Wenn jemals die Welt durch Menschen verbessert, durch Menschen reicher geworden, lebendiger, froher, gefährlicher, lustiger geworden ist, so ist sie es nicht durch Verbesserer geworden, sondern durch jene wahrhaft Selbstsüchtigen, zu welchen ich auch  euch so gerne zählen möchte. Jene ernstlich und wahrhaftig Selbstsüchtigen, welche kein Ziel kennen, welche keine Zwecke haben, denen es genügt zu leben uns sie selbst zu sein.“

„Das einzige was wir von Dichtern lernen können“, schreibt er: „Die Liebe. Die Welt und das Leben zu lieben, auch unter Qualen zu lieben, jedem Sonnenstrahl dankbar offen stehen und auch im Leid das Lächeln nicht ganz zu verlernen - diese Lehre jeder echten Dichtung veraltet nie und ist heute notwendiger und dankenswerter als je.“

Ernst Toller taumelt: „Wer heute auf der Ebene der Politik, im Miteinander ökonomischer und menschlicher Interessen, kämpfen will, muss klar wissen, dass Gesetz und Folgen seines Kampfes von anderen Mächten bestimmt werden als seinen guten Absichten, dass ihm oft Art der Wehr und Gegenwehr aufgezwungen werden, die er als tragisch empfinden muss, an denen er, im tiefen Sinn des Wortes, verbluten kann.“

„Autorität und blinder Gehorsam regierten das kaiserliche Heer, auf Freiwilligkeit und Einsicht soll die rote Armee sich gründen, wir dürfen den alten, verhassten Militarismus nicht übernehmen, der rote Soldat darf keine Maschine sein, er hat erkannt, dass er für seine Sache ficht, sein revolutionärer Wille wir die notwendige Ordnung schaffen.“

Doch diesen Kampf kann Ernst Toller nicht gewinnen. Den Kampf gegen den deutschen Untertanengeist. Den Kampf gegen die Übermacht militärischer Wirklichkeit.


Volker Weidermann

Träumer - Als die Dichter die Macht übernahmen

1919, Revolution in München – und alle sind vor Ort: Ernst Toller, Thomas Mann, Erich Mühsam, Rainer Maria Rilke, Gustav Landauer, Oskar Maria Graf, Viktor Klemperer, Klaus Mann ...
Wann gab es das schon einmal – eine Revolution, durch die die Dichter an die Macht gelangten? Doch es gibt sie, die kurzen Momente in der Geschichte, in denen alles möglich erscheint ... Von einem solchen Ereignis, der Münchner Räterepublik zwischen November 1918 und April 1919 erzählt Volker Weidermann im Stil einer mitreißenden Reportage, bei der der Leser zum Augenzeugen der turbulenten, komischen und tragischen Wochen wird, die München, Bayern und Deutschland erschütterten.

Nach der Vorgeschichte, dem Ende des 1. Weltkriegs und der Absetzung des bayrischen Königs, beginnt der magische Moment, in dem alles möglich erscheint: radikaler Pazifismus, direkte Demokratie, soziale Gerechtigkeit, die Herrschaft der Phantasie. An der Spitze der Rätebewegung stehen die Schriftsteller Ernst Toller, Gustav Landauer und Erich Mühsam, auf die nach den Tagen der Euphorie und der schnellen Ernüchterung lange Haftstrafen oder der Tod warten. In rasantem Tempo und aus der Perspektive von Beteiligten und Beobachtern vor Ort wie Thomas Mann, Klaus Mann, Rainer Maria Rilke, Adolf Hitler, Viktor Klemperer oder Oskar Maria Graf entsteht so ein historischer Thriller über ein einzigartiges Ereignis der deutschen Geschichte.

Weise Sprüche des Zauberers Dumbledore

„Es ist der Wert der Überzeugung, der den Erfolg ausmacht. Nicht die Anzahl der Anhänger.“

„Viel mehr, als unsere Fähigkeiten sind es unsere Entscheidungen, die zeigen, wer wir wirklich sind.“

„Die Stimme eines Kindes, egal wie ehrlich und aufrichtig, ist bedeutungslos für jene, die verlernt haben zuzuhören.“

„Harry, dass du so leidest beweist, dass du noch immer ein Mensch bist! Dieser Schmerz gehört zum Menschsein.

„Die Wahrheit ist etwas Schreckliches und Schönes zugleich und sollte daher mit großer Umsicht behandelt werden.“

„Aber glaubt mir, dass man Glück und Zuversicht selbst in Zeiten der Dunkelheit zu finden vermag. Man darf nur nicht vergessen ein Licht leuchten zu lassen.“

„Es verlangt einiges an Mut, sich seinen Feinden entgegenzustellen, doch genauso viel, den eigenen Freunden in den Weg zu treten.“

„Es ist nicht gut wenn wir unseren Träumen nachhängen und vergessen zu leben.“

„Harry, bedaure nicht die Toten. Bedaure die Lebenden, und besonders all diejenigen, die ohne Liebe leben.“

„Das ist das Problem: Die Menschen haben den Hang, genau das zu wählen, was am schlechtesten für sie ist.“

Das Unsichtbare Komitee

Das Unsichtbare Komitee ist ein anonymes Autorenkomitee in Frankreich. Die Polizei hat im Zuge der "Terroristenbekämpfung" viele Spekulationen angestellt, wer dazugehören mag, aber die Identität der Autoren wurde nie bekanntgegeben.

»Nur wir, die in Betonklötzen zur Welt kommen, in Supermärkten Obst pflücken und im Fernsehen nach dem Echo der Welt Ausschau halten, bringen es fertig, geduldig die Enzyklopädie des Desasters zu erstellen.«

„Es gibt keinen friedlichen Aufstand. Waffen sind notwendig: Es geht darum, alles zu tun, um ihren Gebrauch überflüssig zu machen.“
- Unsichtbares Komitee: Deutschsprachige Ausgabe beim Nautilus Verlag, S. 105

»Dies ist möglicherweise das Böseste, was ich jemals gelesen habe.«
- Glenn Beck, Fox News, USA

„Das Buch ist der aktuellste Versuch, ultralinker Politik ein glamouröses Antlitz zu verpassen. Situationismus, Autonomen-Anarchismus und Punkpoesie werden darin zu einem knackig formulierten Pamphlet gemixt“.
- die tageszeitung

Klappentext: Nach Sabotage an einer Eisenbahnstrecke, auf der im November 2008 ein Castortransport mit radioaktivem Material geplant war, wurde "Der kommende Aufstand" von der französischen Regierung als einziges Beweisstück eines angeblich international bekannten "Terrorismusfalls" beschlagnahmt, als ein "Handbuch des Terrorismus", und war Vorwand für die Inhaftierung von neun Menschen aus dem Dorf Tarnac. Tatsächlich enthält das Buch eine radikale, situationistisch geprägte Analyse der Reaktionen von Regierungen auf die verschiedenen Unruhen und Volksaufstände in den letzten Jahren.

"Unter welchem Blickwinkel auch immer man es betrachtet: Die Gegenwart ist ausweglos", konstatieren die Autoren des vorliegenden Manifests. Für sie sind die brennenden Vorstädte in Frankreich oder die Straßengewalt in Griechenland revolutionäre Momente, Symptome des Zusammenbruchs der westlichen Demokratien, die sich gegenseitig verstärken und sich ausbreiten. Die Autoren fordern einen Kommunismus als "ergebnisoffenen" Prozess, die Bildung von Kommunen sowie die Restrukturierung der Ökonomie in kleine, lokale Einheiten und plädieren für eine anonyme Position der Unsichtbarkeit.

Wikipedia: Das Comité invisible hatte 2007 bereits drei weitere Schriften der Gruppe Tiqqun vorgelegt:
  • Theorie vom Bloom (2000), 
  • Kybernetik und Revolte (2001)
  • Grundbausteine einer Theorie des Jungen-Mädchens (2001). 
Im Rahmen des Chaos Communication Congress 2014 in Hamburg wurde unter dem Titel Fuck Off Google ein weiterer Text desselben Autorenkollektivs verlesen. Es handelte sich um das vierte Kapitel der Fortsetzung von „Der kommende Aufstand“, eines weiteren Manifests, das unter dem Titel A not Amis („An unsere Freunde“) erschien.

Dieses konstatierte schon auf der ersten Seite, bezugnehmend auf etwa die Revolution in Tunesien 2010/2011, die Studentenproteste in Québec 2012, die Ausschreitungen in Griechenland 2008 und die Proteste in Griechenland 2010–2012:  „Die Aufstände sind gekommen, nicht die Revolution.“ (…) wie groß auch immer die Unruhen unter dem Himmel sind, die Revolution scheint überall im Stadium des Aufruhrs zu ersticken. (…) An diesem Punkt müssen wir Revolutionäre unsere Niederlage eingestehen.“

Mit dem erneuten Manifest soll nun ein weiterer Anlauf zur radikalen Veränderung der Verhältnisse geschaffen werden und eine gemeinsame Sprache, mit der die herrschenden Verhältnisse beschrieben und ihre Beseitigung betrieben werden kann, gefunden werden; ein Unterfangen, das nach Ansicht des Rezensenten von WDR 5 am „hohen Abstraktionsniveau“ des Textes scheitert. Am Beispiel des Stratfor-Hacks ziehen die Autoren den Schluss, sich technologisches Wissen anzueignen, sei wichtig, um zerstören zu können und positionieren sich damit im Gegensatz zum Akzelerationismus. Die größte Schwäche des Textes sei, so WDR 5, sein Eurozentrismus.

Der kommende Aufstand (2007)

auf Deutsch
http://www.trend.infopartisan.net/trd1210/insurrection.pdf


An unsere Freunde (2015)

auf Deutsch
weg

Die Ehre dieser Welt

Es kann die Ehre dieser Welt
Dir keine Ehre geben,
Was dich in Wahrheit hebt und hält,
Muss in dir selber leben.

Wenn's deinem Innersten gebricht
An echten Stolzes Stütze,
Ob dann die Welt dir Beifall spricht,
Ist all dir wenig nütze.

Das flücht'ge Lob, des Tages Ruhm
Magst du dem Eitlen gönnen;
Das aber sei dein Heiligtum:
Vor dir bestehen können.

Theodor Fontane

Die ganze Wahrheit über alles

Glaub keinem, der dir sagt, dass du nichts verändern kannst.
Die, die das behaupten haben nur vor Veränderungen Angst.
Es sind die Selben die erklären, es sei gut so, wie es ist.
Und wenn du etwas ändern willst, dann bist du automatisch Terrorist.
Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist,
es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt
Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist wie sie ist,
es wär nur deine Schuld wenn sie so bleibt.
Weil jeder, der die Welt nicht ändern will,
ihr Todesurteil unterschreibt
Die Ärzte

Politik


Was gemeint war: 
Alles, was uns alle betrifft.

Was wir daraus gemacht haben: 
Alles, was uns alle betrifft, aber nicht von allen entschieden wird.

Was ihr daraus machen werdet:
Alles, was uns alle betrifft und von uns allen entschieden wird.


Lebensmittel


Was gemeint war:
Alle Mittel zu einem gesunden Leben, bereitgestellt von der Natur.

Was wir daraus gemacht haben:
Nahrungsmittel, deren Herstellungsweise wir nicht kennen, deren Inhaltsstoffe wir nicht aussprechen könen und die bizarrerweise in überernährten Ländern zu Mangelerscheinungen und Krankheiten führen. 

Was ihr daraus machen werdet:
Was gemeint war.


Werte


Was gemeint war:
Moralisch hochstehende Qualitäten oder Eigenschaften.

Was wir daraus gemacht haben:
Preisschilder incl. Umdeutung von Sünden zu Tugenden (Geiz ist geil).

Was ihr daraus machen werdet:
In memoriam Oscar Wilde: Ihr werdet wieder den Wert von Dingen kennen, nicht nur deren Preis.


Verantwortung


Was gemeint war:
Seine Verantwortung kennen und verantwortungsvoll handeln.

Was wir daraus gemacht haben:
Verantwortung übernehmen: zurücktreten und woanders den gleichen Scheiß machen.

Was ihr daraus machen werdet:
Verantwortungsvoll handeln.


Sex


Was gemeint war:
Notwendig zur Arterhaltung und macht Spaß.

Was wir daraus gemacht haben:
Nicht notwendig zur Arterhaltung und macht Stress.

Was ihr daraus machen werdet:
Nicht notwendig zur Arterhaltung und macht Spaß.


So geht es munter weiter mit: Sicherheit, Aufklärung, dem Netz, Computer, Energie, Musik und dem ganzen Rest. Es fehlt nichts. Die gesamte Gesellschaft wird beschrieben. Einige Kapitel sind wesentlich länger als die oben zitierten. Das Buch lohnt sich sehr - auch und vor allem im ehrlichen Austausch mit Schülern und schulfreien, jungen Menschen unter 25. Denn wie Goethe schon sagte: Das Schicksal jedes Volkes und jeder Zeit hängt von den Menschen unter 25 ab. 


Beim regionalen Buchhändler kaufen!

Ginko Biloba und die Einheit

Dieses Baums Blatt, der, von Osten,
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie‘s den Wissenden erbaut.

Ist es Ein lebendig Wesen?
Das sich in sich selbst getrennt;
Sind es Zwei? Die sich erlesen,
Daß man sie als Eines kennt.

Solche Fragen zu erwidern
Fand ich wohl den rechten Sinn;
Fühlst Du nicht an meinen Liedern,
Daß ich Eins und doppelt bin?

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In Helga Simon-Wagenbach, Vollende, was du bist. Thesus Verlag 2007, auf Seite 164 steht:

Goethes Gedicht Ginko Biloba ist eine Metapher, ein Sinnbild sowohl für die innermenschliche als auch die zwischengeschlechtliche Polarität weiblich-männlicher Wirklichkeit in einem. Es ist in diesem Sinne ein Liebesgedicht. Beziehung bedeutet immer, dass eine innere Bewegung der gegenseitigen Anziehung zur Verbindung führt.

Das Lankavatara-Sutra des Mahayana Buddismus sagt: "Die falsche Vorstellung lehrt, dass Dinge wie Licht und Schatten, lang und kurz, schwarz und weiß verschieden sind und auseinandergehalten werden müssen; aber sie sind nicht unabhängig voneinander; sie sind nur verschiedene Aspekte desselben, sie sind Ausdrücke von Beziehungen, nicht Wirklichkeit. Daseinsbedinungen sind nicht von der Art, dass sie sich gegenseitig ausschließen, im Kern sind die Dinge nicht zwei, sondern eins."


Die Erkenntnis von Paolo Coehlo

Viele Jahre hatte ich Magie, Alchemie und okkulte Wissenschaften studiert und praktiziert. Ich war von dem Gedanken fasziniert, dass eine Gruppe von Menschen eine ungeheure Macht besaß, die auf gar keinen Fall mit dem Rest der Menschheit geteilt werden durfte, weil es höchst riskant wäre, dieses riesige Potenzial in unerfahrene Hände gelangen zu lassen. Ich hatte in Geheimgesellschaften mitgemacht, war in exotische Sekten verwickelt gewesen, hatte sündhaft teure, auf dem Markt nicht erhältliche Bücher gekauft, wahnsinnig viel Zeit mit Ritualen und Initiationen verbracht. Andauernd war ich in irgendwelche Gruppen und Bruderschaften ein- und wieder ausgetreten, in der fieberhaften Hoffnung, jemanden zu treffen, der mir endlich die Mysterien der nichtsichtbaren Welt enthüllen würde. Und ich war jedesmal wieder enttäuscht, wenn ich herausfand, dass die meisten dieser Menschen - sosehr sie auch von guten Absichten geleitet waren - nur blind einem Dogma folgten und häufig zu Fanatikern wurden, weil Fanatismus der einzige Ausweg aus den Zweifeln ist, die die Seele des Menschen unaufhörlich quälen.

Ich hatte herausgefunden, dass viele der Rituale tatsächlich funktionierten. Aber ich hatte auch herausgefunden, dass diese selbsternannten Meister, die behaupteten, um die Geheimnisse des Lebens zu wissen, Techniken zu kennen, die jedem Menschen, die Fähigkeit verleihen, alles zu erreichen, was er will, die Verbindung zu den Lehrer der Alten bereits verloren hatten. Auf dem Jakobsweg zu gehen, und zu entdecken, dass das Universum eine eigene Sprache spricht (die Sprache der Zeichen) und wir, um sie zu verstehen, nur mit wachem Geist das anzuschauen brauchen, was um uns herum geschieht - all das hat mich daran zweifeln lassen, dass der Okkultismus wirklich das einzige Tor zu diesen Mysterien ist. In meinem Buch über den Jakobsweg beginne ich nun, über andere Möglichkeiten des Wachsens nachzudenken, und komme zu dem Schluss: „Es reicht, aufmerksam zu sein; die Lektionen kommen immer dann, wenn du bereit bist und offen für die Zeichen, und sie lehren dich alles, was du für den nächsten Schritt brauchst.“
Allerdings gibt es da immer zwei Probleme: Das erste ist, zu wissen, wann man etwas anfängt, das zweite, wann man damit aufhört.

Quelle: Paolo Coelho - Der Zahir, Diogenes 2006, S.37-38
über das Buch

Weise Worte

Theodor Fontane sagt:

Es kann die Ehre dieser Welt
Dir keine Ehre geben,
Was dich in Wahrheit hebt und hält,
Muss in dir selber leben.

Wenn's deinem Innersten gebricht
An echten Stolzes Stütze,
Ob dann die Welt dir Beifall spricht,
Ist all dir wenig nütze.

Das flücht'ge Lob, des Tages Ruhm
Magst du dem Eitlen gönnen;
Das aber sei dein Heiligtum:
Vor dir bestehen können.

G.B. Shaw sagt:

Ich habe mich ständig mit der Vernunft zu befassen und mit der Materie abzufinden, aber ich bin weder Rationalist oder Materialist. Ich war und bin immer noch ein Vitalist, dem die Lebenskraft, die nackteste aller nackten Tatsachen, ein vollkommenes Rätsel ist.

Kierkegaart sagt:

Wenn du mir einen Namen gibst, verneinst du mich. Wenn du mir einen Namen oder eine Bezeichnung gibst, veneinst du all die anderen Dinge, die ich vielleicht sein könnte.

Ein mir Unbekannter sagt:

Es ist nicht die Strenge, die dich dorthin bringen wird, wo du hin möchtest, es ist nicht die Askese, nicht das Leiden, nichts von dem, was du glaubst, verstanden zu haben. Es ist die Würze, der Duft, der von der Kraft der Liebe kommt.

Dante sagt:

An dem Tag, an dem der Mensch der wahren Liebe erlaubt, sich zu zeigen, werden die wohlbeordneten Dinge heillos durcheinandergeraten und alles aus dem Gleichgewicht bringen, was wir für sicher, für wahr gehalten haben.

Die Welt wird wahr sein, wenn der Mensch zu lieben vermag - bis dahin werden wir in dem Glauben leben, wir würden die Liebe kennen. Wir bringen jedoch nicht den Mut auf, uns der Liebe als dem zu stellen, was sie ist.

Die Liebe ist etwas Wildes. Wenn wir versuchen, sie unter Kontrolle zu halten, zerstört sie uns. Wenn wir versuchen, sie einzusperren, macht sie uns zu Sklaven. Wenn wir versuchen, sie zu begreifen, stehen wir verloren und verwirrt da.

Diese Kraft ist auf Erden, um uns Freude zu geben und uns Gott und den anderen Menschen näherzubringen. 

Darwin sagt:

Alles, was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand

Goethe sagt:

Wenn wir die Menschen nur nehmen, wie sie sind, so machen wir sie schlechter: wenn wir sie behandeln, als wären sie, was sie sein sollten, so bringen wir sie dahin, wohin sie zu bringen sind.

Wer auch immer sagt:

Imagination
Creates the Situation
And, then, the Situation
Creates Imagination.

It may, of course
Be the other way around:
Columbus was discovered
By what he found.

Ein anderer sagt:

Ich mag keine weisen Menschen. Die sind langweilig, gehen keine Risiken mehr ein, sind nicht mutig und selten impulsiv.

Talya Ferro singt:

Talya Ferro - Cuando Calienta El Sol

Licht auf dem Weg

von Mabel Collins

Bevor das Auge sehen kann,
muß es der Tränen sich entwöhnen.
Bevor das Ohr vermag zu hören,
muß die Empfindlichkeit ihm schwinden.
Eh' vor den Meistern kann die Stimme sprechen,
muß das Verwunden sie verlernen.
Und eh' vor ihnen stehen kann die Seele, muß
ihres Herzens Blut die Füße netzen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Mabel_Collins

http://anthrowiki.at/Bibliothek:Mabel_Collins/Licht_auf_dem_Weg

http://liebesmuseum.de/wp-content/uploads/2012/01/Mabel-Collins-Licht-auf-dem-Weg.pdf 

Mehr vom Liebesmuseum:
http://liebesmuseum.de/wp-content/uploads/2012/01/Franz-Anton-Mesmer-u-Rudolf-Steiner.pdf

Und ein wenig toller Quatsch vom Herrn vom Liebesmuseum:
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Henry David Thoreau

Henry David Thoreau, geboren am 12. Juli 1817 in Concord, Massachusetts, gestorben am 6. Mai 1862) war ein amerikanischer Schriftsteller und Philosoph. Bekannt wurde er, weil er zwei kurze Texte schrieb, die eine gewaltige Kraft in sich bergen.

Am 4. Juli 1845, dem Unabhängigkeitstag, bezog Thoreau eine selbsterbaute Blockhütte (Walden Hut, siehe Bild) bei Concord am Walden-See. Dort lebte er etwa zwei Jahre, allein und selbständig, aber nicht abgeschieden. In seinem Werk "Walden. Or life in the Woods" (deutsch: Walden. Oder das Leben in den Wäldern) beschreibt er dieses einfache Leben am See und die ihn umgebende Natur, und philosophiert über Wirtschaft und Gesellschaft.

Den 23. Juli 1846 verbrachte Thoreau im Gefängnis, weil er sich weigerte, seine Steuerschuld gegenüber Massachusetts zu begleichen. Er wollte nicht bezahlen, um nicht mit seinen Steuergeldern die amerikanische Regierung und damit die Sklaverei und den expansiven Mexiko-Krieg zu unterstützen. Inspiriert durch eine Nacht im Gefängnis hielt Thoreau später Vorträge zu dem Grund seiner Zahlungsverweigerung. Diese Vorträge fasste er zu dem Essay Resistance to Civil Government (1849) zusammen. Sie erschienen unter dem Titel Civil Disobedience - dt. Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat.

„Unter einer Regierung, die irgend jemanden unrechtmäßig einsperrt, ist das Gefängnis der angemessene Platz für einen gerechten Menschen ..."

Die Schrift avancierte zur „Bibel“ der „Helden der Widersetzlichkeit“. Sie diente unter anderem Mahatma Gandhi und Martin Luther King als Inspirationsquelle für den gewissensgeleiteten, gewaltfreien Widerstand gegen die Obrigkeit. Die Schrift wirkt bis in die Gegenwart als Standardwerk und Namensgeber des zivilen Ungehorsams.

Thoreau war ein großer Schriftsteller, Philosoph und Dichter, und bei all dem blieb er ein Mann der Tat. Er lehrte nichts, was er nicht selbst zu tun bereit war. Er war einer der größten und tugendhaftesten Männer, die Amerika hervorbrachte. In der Zeit der Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei schrieb er seinen berühmten Aufsatz „Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat." Er ging ins Gefängnis um seiner Grundsätze und um der leidenden Menschen willen. Sein Aufsatz ist geheiligt durch dieses Leiden. Mehr noch, er ist niedergeschrieben für alle Zeiten. Seiner klaren Logik kann nichts entgegengesetzt werden.
Mahatma Gandhi, 1907

wikipedia - Henry_David_Thoreau

wikipedia.org über_die_Pflicht_zum_Ungehorsam

www.thoreau.de - pflicht

www.thoreau.de - TEXT - PDF

www.zeit.de

www.walden-magazin.de

eldritchpress.org - walden englisch - PDF