Sinnvolle Fragen an Google

Kann ich allein in den Wald gehen?
- Nein, ich will keine Pilze sammeln.

Wann sterbe ich?
- Die Todesuhr sagt es dir.

Was macht mein Nachbar?
- Aha, er macht mich rasend.

Wie geht das?
- So.

Wann wache ich morgen auf?
- Scheiße, weiß Google nicht.

Was soll ich machen, wenn ich mich vergoogelt habe?
- Vielleicht Martin DX1 ae LH und HPL?

Wie lange ist das Internet?
- Beginn in der Hauptstraße 56.

Wo ist mein Pimmel?
- Haue ihn auf ein Holzbrett.

Fazit: Google ist nicht hilfreich.

Tophit seit 1.500 Jahren

Seit 1.500 Jahren auf Platz eins der buddhistischen Meditationscharts. Vielleicht ist es auf die Simplizität des Textes zurückzuführen, vielleicht auf das hypnotische Flöten der Klanggitarren, vielleicht auf die metaphysische Ausstrahlung der symphonischen Jodel-Intermezzos, vielleicht ist es aber auch einfach unerklärlich, warum dieser Welthit in allen Klostern Tibets seit über eintausendvierhundertneunundneunzig Jahren rund um die Uhr in allen Sprachen der Welt gesungen wird.

Vor Kurzem wurde bekannt, dass Rudolf "the Rednose" Steiner den Song im Jahr 1935 ins tänzerische übersetzen ließ. In Namibia gab es daraufhin eine Windrose, die einen Großteil des Landes in eine Gürtelwüste verwandelte.

Nicht nachgewiesen haben amerikanische Wissenschaftler vor einigen Monaten, dass der Song schlechte Laune verbreitet. Deshalb wurde er auch noch nicht verboten, sondern von der internationalen Frühstücksmusikversammlung Anfang des Jahres 2013 auf Toastbrot veröffentlicht.

Ich möchte einen Ausruf anfügen, der zur weltweiten Sammel-Chillung auffordert, dessen Ursprung mir vollkommen unklar ist, mir aber klar ist, dass ich ihn weitergeben muss, wie meine Omani mir gestern im Traum mitteilte: Om Mani Pad Me Hum (Man spreche des tibetischen mächtig: Om Mani Pemme Hung.) - hohoho (auf tibetisch: hoh hoh hoh). Namastee! (Achtung: Nur dreiundzwanzig Minuten ziehen lassen).

Om Mani Pad Me Hum

Echt lebendige Kühe

Webcam im Kuhstall - Kuhstallalltag rund um die Uhr. Seit Januar 2006 können Sie rund um die Uhr zuschauen, wie Kühe sich bei Tag und Nacht bewegen, mit wem oder was es der Landwirt im Kuhstall alles treibt und mit was für einem Glück Kälber geboren werden.

Woher kommt die Milch? Wieso gibt es Milch? Wie leben Kühe unter Beobachtung? Was lesen sie abends? Wie bestelle ich eine Nachgeburt? Wie tief kann ich sinken?

Schauen Sie doch mal herein! Die Familie Kräubler im ländlichen Hohenstraub hat sich bereit erklärt, eine Kamera in ihren Stall zu halten, die Einblicke in das kreative Leben im Kuhstall gewährt. Seien Sie total gespannt und entdecken Sie das wahre Leben wilder Tiere.

Zum Stall des Wahnsinns!

Fotoquelle

Hipster


Im belgischen Viertel in Köln begegnen mir zwei modisch gekleidete Männer um die 25 mit Schnurrbärten und großen Brillen. Der eine sagte zum Anderen, nein, auf dieses Party gehe ich nicht, da werden nur Hipster sein. Dem sechzehnjährigen Jungen zu Folge, den ich nach einer Definition frage, ist der rappende Pandabär Cro das Paradebeispiel für einen Hipster. An der Ubahn-Haltestelle beschimpft ein Jugendlicher seinen Kumpel als Scheiß Hipster.

Sind Läden, in denen gestrickte Wollwärmer für Fahrräder und eigenhändig gefilzte iphone-Schutzhüllen verkauft werden, Hipster-Läden? Sind Männer, die ihre engen Jeans in Stiefel stecken, Hipster? Sind Mädels, deren riesige Brille ständig nach vorne rutscht, Hipster?

Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Und wir wollen ja nicht verallgemeinern. Aber wer oder was ist denn nun ein Hipster? Diese Frage haben sich anscheinend auch andere gestellt. Bei Suhrkamp gibt es ein hipstermäßig neongrünes Buch mit dem Titel Hipster – eine transatlantische Diskussion.

Darin steht: „Um die Diskrepanz zwischen diskursiver Omnipräsenz und begrifflicher Unterbestimmtheit zu reduzieren, hat die New Yorker Kulturzeitschrift n+1 dem Hipster am 11. April 2009 eine Tagung an der New School gewidmet.“ Die in dem Buch zusammengefassten, bahnbrechenden Erkenntnisse, die natürlich nur eine Annäherung an die krumme Realität sein können, versuche ich zu erlesen:

Fakt Nummer eins: Hipster gab es offiziell von 1999 bis 2011. Alles was danach noch Hipster sein will, ist noch uncooler als sowieso schon. Fakt Nummer zweieinhalb: Hipstermenschen sind wohl eher jung. Fakt Nummer drei: Der Begriff kommt aus den 1950ern. Meinung Nummer eins: Voll panne.

Erste Offenbarung: Hipster „verehren die Gewalt, den Instinkt und die Widerständigkeit der weißen Angehörigen der Unterschicht oder der Menschen der Provinz.“ Meiner Meinung wertet das die Unterschicht-Menschen und Provinzler auf, während es den „Anwender“ eher bis total abwertet. (Was nicht wertend gemeint ist.)

Zwischen-Aaah: Hipster sind ironisch. Zwischen-Zweifel: Bin ich deshalb auch ein Hipster? Musikalischer Fakt: Hipster hören Belle and Sebastian und The Strokes. Ogott! Dann gibt es es ja ziemlich viele davon. Knaller-Fakt: Hipster sind nur „hippe Konsumenten“ und der Hipster an sich schafft per definitionem keine echte Kunst. „Trittbrettfahrer, Poser, Kunstliebhaber und Fans“ werden sie genannt. Ich füge hinzu: Versager und Dummlappen, Modeopfer und Pseudocoole.

Den Mittelteil des Buches überspringe ich wegen Gefahr der Verlangweilung.

Hinten im Buch, auf Seite 188 zitiert ein Autor einen Kommentar zu einem Artikel aus der Süddeutschen Zeitung aus dem Jahr 2010. Ich zitiere das Zitat: „Kleiner Kommentar: Der Hipster, den du beschreibst, das ist der bourgeoise Vorortopportunist mit einjähriger Mitte-/Williamsburg-Auszeit. Also die Hassfigur schlechthin. Thelonious Monk, James Murphy, Alejandro Jodorowski, Miles Davis, Zappa, Picasso, Basquiat, Malcolm McLaren und all die anderen waren aber Anarchos, Outsider, die von Mittehipsterdeppen nicht verstanden und gehasst worden wären. Klar. Also die „Hippster“ von heute sind eben nicht in Mitte. Da sind nur die Opfer von Häberlein & Maurer. Aber darauf lief es hinaus, oder? Fuck Hippnes“

Weiter geht es recht klug: Dem Autor nach hatte Hipness früher etwas mit Kultur zu tun, heute reichen wenige Insignien, wie Taschen, Brillen oder Bärte aus, um hip zu sein. Das ist doch arm, oder? Auf Seite 190 geht es weiter: „Dieser Hipster hat allen alten Glanz verloren, er ist eine mehr oder weniger lächerliche, auch tragische Figur geworden, der der Distinktionswahn den Blick dafür verstellt hat, was für eine uniformierte und alberne Gestalt er eigentlich ist.“ Volltreffer. Meiner Meinung nach.

Neben allen, selbstverständlich vorurteilsfrei verallgemeinerten, äußerlichen Details, ist der Hipster „substanzlos, extrem konsumaffin“, nervig und mit Sicherheit kein Intellektueller, sondern ein unreflektiert verallgemeinernder Schubladenmensch. Ach, ein Künstler ist er natürlich auch nicht.

Und dann kommt endlich, nach gefühlten tausend Seiten Definition, die letzte, entscheidende Frage: Woher kommt der Hass? Hier erwähne ich auch gerne den Namen des Autors: Jens Christian Rabe. Ich finde, er stellt die richtige Frage.

Welche Antwort er gibt, weiß ich auch nicht. Ich konnte mich einfach nicht konzentrieren, denn ich muss schon wieder weiter, weiter nach vorne, auf zum neuen Shit. Sich mit Hipstern beschäftigten ist out, ich muss wissen was abgeht, wo der neuste heiße Scheiß angespült wird. Ach schau! Dort. Aus dem maroden Spülkasten dieses historischen Klosetts kommt etwas. Cool. Und es sammelt sich in dieser Porzellanvase. Yeah! Ob ich das gemeinsam mit mir aufs Foto kriege? Ich muss nur meinen Kopf ganz nah rankriegen. Ja. Es geht. Jetzt schnell posten und endlich kann jeder sehen, wie geil Scheiße aussieht, wenn …. halt, warte Mal! Das ist ja total albern. Schnell noch ein ironischer Spruch dahinter. Wie wäre es mit: Das ist mein Klo, wie ich meinen Kopf reinstecke. Verstehen die Leute das?

Zwangsbesinnung

Weihnachten kommt gar nicht überraschend: Beim Aufstehen merkt man, dass die Tage kürzer werden. Draußen wird es kälter. Das Verlangen nach Ingwertee entwickelt sich. Haselnuss und Mandelkern werden attraktiv. Es erklingen sogar die ersten Worte über Geschenke. Erinnerungen an die Kindheit, als die Vorfreude noch echt war, ziehen vorbei. Im Nebel erscheint eine Sehnsucht nach Freude über Geschenke, auf die man sich das ganze Jahr gefreut hat. Aber das bleibt als nebulös. Das aktive Denken an Weihnachten wird verdrängt. Die Arbeit ruft. Der Alltag stresst. Die Ruhe nervt. Ablenkung herrscht. Und dann ist es wieder soweit:

Ach, schon wieder Weihnachten. Jetzt muss ich mich beeilen. Ich muss noch schnell vierzehn Geschenke kaufen. Noch schnell viel Sport machen, damit ich drei Tage lang superviel essen kann. Und ich muss schnell besinnlich werden. Oje, die ganze Familie in drei Tagen. Stress!!! Ich bin froh, wenn das alles schnell wieder vorbei ist, diese verdammte besinnliche Zeit. Bald kann ich wieder total unberuhigt und unbesinnlich dahinhetzen, ohne dass die Gesellschaft mich zur Besinnung zwingt.

Gegenwärtig 7

Mein aktueller Status: Stufe 2.
Mein neues Outfit: Wen interessiert das?
Letzte gegessene Pflanze: Spinat.
Motto: Forever in Love.
Vergangenheit: Ja, die gab es.
Neue Richtung: Endlich wandern.
Zum Nachtisch: Immer Schokolade.
Zitat der Stunde: "Es ist nicht unsere Aufgabe, einander näher zu kommen, so wenig wie Sonne und Mond zueinander kommen oder Meer und Land. Unser Ziel ist, einander zu erkennen und einer im anderen das zu sehen und ehren zu lernen, was er ist: des andern Gegenstück und Ergänzung." (Herrman Hesse)

Ich brabbel, also bin ich.

Alles folgt dem Plan, der mit dem Aufwachen beginnt. Der Klingelton erwischte mich bei Monica Bellucci. Ich war gerade dabei sie in einen Pool zu tragen, da riss mich der Weckerarsch aus meiner Fantasy. Ich schlug nach ihm und verfehlte. Stattdessen traf ich eine harte Kante. Aua. Aber Kante war keine Kante. Es war weich und hatte nachgegeben. Mein Schrei erschrak mich, ich riss meinen Kopf wie eine Kobra zur Seite und starrte ins Licht, um zu sehen was ich erwischt hatte. Ich sah ein Gesicht, eine Hand, die ein Nase hielt, und einen Mund der Geräusche machte, wie eine lebendige Zwiebel. Es war ein Mensch. Ein lebendiger. Wer war diese Frau? Ihre Augen öffneten sich, ihre schmale Hand wurde zum Hammer, ich wurde zum Nagel. Ich sah Sterne und dann wieder die Nacht.

Ein Wecker klingelte. Ich schlug nach ihm. Diesmal traf ich nichts. Allerdings nahm mich der Schwung meiner ins Nichts rasenden Hand mit und versetze mich in eine Drehbewegung. Irgendetwas kam dieser Bewegung entgegen und fing mein Gesicht. Die Nacht hatte mich wieder.

Eintausend Jahre später wacht ich auf. Kein Wecker klingelte. Einer piepste. Wie ein Geschoss traf mich die Erinnerung an die letzten Aufwach-Vorgänge. Ich bewegte mich nicht und behielt die Augen geschlossen. Ich versuchte hinter dem Piepston und in den minikleinen Piepspausen ein Geräusch zu hören. Nichts. Erst als der Weckton immer lauter wurde, traute ich mich, die Augen langsam zu öffnen. Ich sah den Wecker über mir hängend. Er baumelte lässig hin und her und zeigte mit einer geschälten Banane auf meine Nase. Ein kleiner Blutstropfen sammelte sich am unteren Ende der Frucht. Gerade als ich erkannt hatte, was da war, löste er sich und fiel auf mich herab. Mir mitten ins Auge. Wer sich schon mal Eukalyptusöl ins Auge gekippt hat, weiß trotzdem nicht wie schrecklich Blut ist. Der brennende Schmerz erschütterte mein Gehirn und ich verlor das Bewusstsein. Alles folgt welchem Plan?

Lieblingswitze

Was liegt am Strand und redet unverständlich?
- Eine Nuschel.

Was liegt am Strand, redet unverständlich und ist erkältet?
- Eine Niesnuschel.

Was ist blau und steht am Straßenrand?
- Eine Frostituierte.

Was ist rot und steht 100 m weiter?
- Eine Hagenutte.

Was ist orange und rollt übers Land?
- Eine Wanderine.

Was ist orange und schaut durchs Schlüsselloch?
 - Eine Spannderine.

Was ist braun und späht durchs Schlafzimmerfenster?
- Ein Spannzapfen.

Was ist rot und sitzt auf dem WC?
- Eine Klomate.

Was ist weiß und springt im Wald umher?
- Ein Jumpignon.

Was ist braun, süß und rennt durch den Wald?
- Eine Joggolade.

Was ist braun und sitzt hinter Gittern?
- Eine Knastanie.

Was ist rot, rund und hat ein Maschinengewehr?
- Ein Rambodischen.

Was ist braun, knusprig und läuft mit dem Korb durch den Wald?
- Brotkäppchen.

Was ist braun, klebrig und läuft in der Wüste umher?
- Ein Karamel.

Was ist rot, sitzt in einer Konservendose und spielt Musik?
- Ein Radioli.

Was ist grün und radelt durch die Gegend?
- Eine Velone.

Was ist orange, tiefergelegt und hat einen Spoiler?
- Ein Mantarinchen.

Was ist gelb, krumm und schwimmt auf dem Wasser?
- Eine Schwanane.

Was ist orange und steckt traurig in der Erde?
- Ein Trübchen.

Was ist orange, sauer und kann keine Minute ruhig sitzen?
- Eine Zappelsine.

Was ist haarig und wird in der Pfanne fritiert?
- Bartkartoffeln.

Was ist gesund und kräftig und spielt den Beleidigten?
- Ein Schmollkornbrot.

Was steht im Schlafzimmer des Metzgers neben dem Bett?
- Ein Schlachttischlämpchen.

Was ist orange, rund und versteckt sich vor der Polizei?
- Ein Vandalinchen.

Was ist grün um schaut durchs Schlüsselloch?
- Ein Spionat.

Was ist gross, grau und telefoniert aus Afrika?
- Ein Telefant.

Was ist gelb und flattert im Wind?
- Eine Fahnane.

Was ist grün und klopft an die Tür?
- Ein Klopfsalat.

Was ist braun, sehr zäh und fliegt umher?
- Eine Ledermaus.

Was macht 'Muh' und hilft beim Anziehen?
- Ein Kuhlöffel.

Was ist violett und sitzt in der Kirche ganz vorne?
- Eine Frommbeere.

Was ist grün und liegt im Sarg?
- Ein Sterbschen.

Was ist bunt und läuft über den Tisch davon?
- Ein Fluchtsalat.

Was ist braun und schwimmt im Wasser?
- Ein U-Brot.

Was ist schwarz/weiß und hüpft von Eisscholle zu Eisscholle?
- Ein Springuin.

Was ist viereckig, hat Noppen und einen Sprachfehler?
- Ein Legosteniker.

Was ist gelb und immer bekifft?
- Ein Bong-Frites.

Was ist grün, glücklich und hüpft von Grashalm zu Grashalm?
- Eine Freuschrecke.

Was ist ist braun, hat einen Beutel und hängt am Baum?
- Ein Hänguruh.

Was ist orange-rot und riskiert alles?
- Eine Mutorange.

Was ist groß, grau und kritisiert die praktische Vernunft?
- Ein Elekant.

Überliebesbriefe

Überliebesbriefe sind keine gewöhnlichen Liebesbriefe. Sie sind eine spezielle Überart. Es bedarf höchster Konzentrationslosigkeit und absoluter Hingabe an die Gegenwart, um sich zu überwinden, sie zu schreiben. Klingt schwierig, ist aber überschwierig.

Das liegt daran: Meist fehlen dem Liebenden die Worte. Manchmal sogar der Mut. Meist spürt er soagar vor lauter Gefühl nichts mehr. Dann ist er, der gängigen Praxis für überflüssige Bezeichungen nach, überliebt. Das ist der perfekte Zustand, um mit fehlenden, geschriebenden Worten in einem Überliebesbrief zu überzeugen. Wie das geht, überfährt man jetzt.

Wie bei allen Sportarten kommt es auch beim Liebesbriefschreiben nicht auf das richtige Equipment an, sondern auf die Technik. Überliebesbriefe brauchen mehr als das. Sie brauchen Duft, Speichel und eine selbstklebrige Luftpumpe. Augen auf und durch, mein Freund. Selbst aus dem größten Plappermaul kann mal ein Wort kriechen, das es verdient hat, zu übernehmen. Also besorg dir eins. Jetzt. Nicht erst überlegen. Dann kanns losgehen.

Lieber geht über Maden

Schreibe allein, nicht im Raum mit deiner Mutter oder deiner nackten Nachbarin. Buddel nach schönem Papier. Zieh Finte in die Tinte. Begrab deinen Verstand. Nimm einen Schluck Eidechsenschuss und schau weg.

Dann wirst du dein Überichfinden. Gleich neben dir wird es erscheinen. Wenn du es zwingst, dir zu helfen, wird es zuerst fiese Geräusche überbringen, wie kreischende Fingernägel auf Tafelgrün, dann deinen Füller über den Briefbogen schieben und, wenn alles glattgeht, eine Linie schreiben. Als zukünftiger Liebhaber wirst du das überstehen. Und es wird dich übermäßig fit machen für die Worte, die am Ende der Linie auf dich warten. Absender nicht vergessen. Sonst ist es für die Katz und Maus.

Und einmal unter uns: Liebesbriefschreiber wollen doch alle morgen schon. Über-Liebesbriefe-Schreiber sogar gleich. Also Siegelwachs schmelzen, Stempel reindrücken und übergeben.

Überbleibsel abschicken

Zum Schluss noch einige überflüssige Worte an die Empfänger: Liebe Über-Liebesbriefeleser. Lest den Brief mit beiden Händen, mit dem Rücken am Boden. Das geht so: Legt euch hin, schaut euch von innen an. Sagt nichts, bevor ihr nicht spürt, wie euch die Liebe überrennt. Um dabei nicht überrannt zu werden, liegt ihr. Platt wie eine Flunder. Kann jeder, überhaupte ich. Dann klappt das.

Überschlussworte: Ach und Göte haben mal gesagt: Lieber schreibe ich Mist, als wie ich was Schlaues sage. Darum hat er auch nicht überlebt. Übel, oder?

Der Heizungshund


Hat die Heizung die Menschen verändert? Früher hat man Feuer gemacht. Meistens konnte man es sich nur für einen Raum leisten. Vor dem Kamin, beim Ofen oder im Schein der Kerzen, dort traf sich die Familie. Dort unterhielt man sich, musizierte, sprach, schwieg und lauschte. Man war sich nah. Mit vielen Sinnen - nur nicht mit den Augen, den alles fressenden. Heute kann man sich Hallen erleuchten, im Hemd durch Flure wandern und nicht wissen, ob draußen Nacht, Winter oder Krieg ist. Also Ja, die Heizung hat die Menschen verändert. Und die Hunde auch.

Mit dem Fahrrad durch die U-Bahn

Es ist Anfang Mai. Die Stadt hat Fieber. Überall liegt Staub und in manchen Straßen riecht es nach süßem Abfall. Der Himmel ist so weiß wie im Hochsommer. An solchen Nachmittagen sollte man in klimatisierten Räumen arbeiten oder im Schatten eines Baumes im Biergarten sitzen. Doch in der Hitze des grellen Nachmittags treffen sich heute 25 Radfahrer mitten auf einer Kreuzung in Köln. Sie stehen am Eingang zur größten Baustelle der Kölner Verkehrs Betriebe.

Einer der Radler trägt ein saubere Jeans, ein weißes Hemd und eine eng gebundene Krawatte. Über dem Hemd trägt er eine Warnweste und auf dem Kopf einen Schutzhelm. Es ist Herr Heinrich, Bauingenieur und Projektleiter für den Tunnelbau der neuen Kölner U-Bahn. Die Anderen sind Gäste und Bürger der Stadt. Heute dürfen sie sich den neuen Tunnel der U-Bahn in Köln ansehen und mit dem Fahrrad dort fahren, wo bald Schienen liegen werden.

Mystischer Sex

Tatsache ist, dass Menschen, die eine tiefe Erfahrung gemacht haben, sich in einer allumfassenden Liebe auflösen. Dort gibt es weder ein "Ich liebe dich" noch ein "Ich liebe Gott", sondern die Liebe nivelliert alle Ich-Du-Unterscheidungen. Sie durchdringt alles. Will man aber diese Liebe in Worte fassen, so geschieht es häufig, vor allem im Christentum, dass sie in einer Gottesliebe personalisiert wird; oder in der Liebe zu Jesus. Damit aber bekommt die Liebe ein Gegenüber; und in dem Augenblick, in dem sie ein Gegenüber bekommt, kann sie einen erotischen Charakter annehmen.

Aber liegt das nicht in der Natur der Sache? Zu einer Liebesbeziehung gehören doch unweigerlich zwei? 

Ja, aber das Eigentliche der Liebe besteht eben darin, dass diese zwei ihr jeweiliges Ich in einer höheren Einheit transzendieren. Nicht auf die Zweiheit der Liebenden, nicht auf ihren Dialog kommt es an. Das Wesentliche ist der Liebesakt selbst. Rumi hat das sehr genau gesehen. Er schreibt in einem Gedicht: "Ich bin bei dir, und du willst Briefe lesen. - Das ist doch nicht der wahren Liebe Wesen". Er will damit sagen: Ich bin doch da, und obwohl ich da bin, schreibst du mir Liebesbriefe. Man könnte weiterfahren und ergänzen: Ich bin doch da, und obwohl ich da bin liest du mir aus deinem Gebetbuch vor. Kurz: Die Gegenwart des Geliebten wird gar nicht wahrgenommen. Vor der Vereinigung schreckt man zurück. In der mystischen Liebe ist das anders. In ihr gibt es nur die Einheit. Ich frage mich, warum es soviel Angst vor der Einheit gibt.

Willigis JÄGER: Die Welle ist das Meer. Herder, Freiburg im Breisgau, 2000

Du Kamel!

Das Kamel kam mit der Dämmerung. Es erschien in der Wand, erst verschwommen, dann immer klarer wuchs es zu echter Größe heran. Es trottete auf mich zu, blickte mir wie ein gutmütiger Greis in die Augen, knickte zuerst seine Vorderbeine ein, dann senkte es den Hinterleib und legte sich nieder. Sein Kopf blieb wach erhoben. Ich fragte in Gedanken, was es hier mache. Es antwortet mir in ruhiger Stimme: "Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Ich weiß nicht was ich bin? Kannst du es mir erklären?" "Na klar", lachte ich erfreut. "Du bist ein Kamel. Hör gut zu. Ich erkläre es dir." Also erzählte ich dem Kamel, was es war.

Beim Mittagsschlaf gestorben

Gestern Mittag gönnte ich mir seit langem mal wieder ein Mittagsschläfchen. Ich legte mich mit vollem Bauch einfach auf das Sofa. Schön auf die linke Seite. Meinen Kopf bettete ich auf ein rotes Kissen. Mein Blick ging Richtung Couchtisch, der auf Gesichtshöhe vor mir stand. Ich sah ihn von schräg unten schief im Raum stehen. Dann senkten sich auch schon meine Lider, ich holte noch einmal tief Luft und schlief ein. Und irgendwann viel später wachte ich richtig verpennt wieder auf.
Ich machte die Augen auf, sah den Tisch schief an und wunderte mich, wie schräg der in der Landschaft hing. Langsam wurde mir meine Perspektive bewusst, ich schmunzelte in mich hinein und setzte mich auf. Dann ging ich in die Küche und traf dort meine Mitbewohnerin. Sie aß Rösti mit Apfelmus und ich machte große Augen während mir das Wasser im Mund zusammenlief. Wir plauderten ein wenig und freuten uns über die Sonne. Dann zuckte ich leicht und öffnete die Augen.
Was ich sah, erkannte ich erst nicht sofort. Dann dämmerte es: Ich sah wieder meinen Couchtisch von schräg unten. Aha, dachte ich, ich hatte also geträumt. Ich schmunzelte erneut. Der Tisch war einfach so seltsam schräg mitten in meiner Optik. Dann stand ich auf, ging fix ins Bad, warf mir Wasser ins Gesicht, schnappte meinen Schlüssel und sprang kurz darauf in die Straßenbahn. In der Kneipe warteten meine Jungs und das Pils perlte wie im Frühling. Schon wollte ich den dritten Tequila hinunterstürzen, da rüttelte es mich und ich sah schon wieder den schrägen Couchtisch.
Was zum Teufel?! Diesmal starb das Schmunzeln in Verwirrung. Alter, dachte ich bei mir, jetzt reicht es aber. Ich schüttelte mir die Müdigkeit aus dem Kopf, rieb mir die Augen und sagte mir: Los Junge, aufstehen! Ich setzte mich also mal wieder auf und war plötzlich in einer Lounge eines Hotels. Gerade wollte ich die Tochter des Hotelmanagers, dessen Job ich morgen übernehmen würde, verführen, als ich erschrak und die Augen aufriss: Heilige Scheiße! Schon wieder sah ich dieses verdammt Holzbein und die Unterseite des Tisches.
Ich hatte also schon wieder geträumt. Aber jetzt war ich wach. Oder schlief ich noch immer? Ich strengte meinen Geist an und kam zu folgenden Überlegungen: Ja, ich war wach. Ich konnte schließlich denken. Ich spürte auch eine Verbindung zu meinem Körper. Mein Körper war da. Wirklich. Aber ich wollte alle Zweifel ausräumen und checken, ob die Realität real war: Ich hob also meinen Arm an, streckte die Müdigkeit aus ihm und griff zum Tisch. Und bekam Panik.
Ich hatte den Arm angehoben, voll bewusst, ich hatte sein Gewicht gespürt und die Schlafträgheit wahrgenommen. Aber als ich zum Tisch greifen, den Arm in mein Blickfeld bewegen wollte, tauchte er nicht auf. Ich spürte meinen Arm von einer Seite durch die Luft Richtung Tisch wandern. Ganz sicher. Aber ich konnte ihn nicht sehen. Er war nicht da. Also bewegte er sich logischerweise auch nicht.
Ich bebte spürbar – aber wahrscheinlich nur im Traum. Meine Atmung wurde schneller. Ich blickte umher - nur mit den Augen - und ja: Ich wusste nicht einmal wo ich war. Ich entdeckte eine weiße Tür. Aber ich hatte keine Ahnung wer dort in das Zimmer herein kommen würde, wenn ich um Hilfe schreien würde. Ja. Um Hilfe schreien. Danach war mir. Schließlich war hier irgendwas nicht Ok. Ich holte Luft. Tief. Um richtig laut zu schreien. Und ich schrie richtig laut. Aber ich hörte nichts. Das einzige was ich hörte war ein Rauschen. Verdammt! Was war da los? Ich konnte alles sehen, hören, meinen Körper spüren, aber verdammt noch mal nicht bewegen.
Ich war gefangen. Mein Geist hatte die Verbindung zu meinem Körper verloren. Ich dachte immer an eine Schnur von meinem Hirn in meinen Körper, die die Steuersignale weiterleitet. Aber scheiße. Die war wohl gerissen. Alles was ich spürte, war offenbar nur die Fantasie elektischer Impulse. Dann war es mir klar: Ich war tot. Ja. Ganz sicher. Heilige Scheiße. Ich war einfach gestorben. Ogott.
Aber mein Bewusstsein war noch da. Also war ich querschnittsgelähmt, oder was? Die würden mich lebendig begraben oder vielleicht würde ich an Maschinen angeschlossen werden. Falls mich jemand finden würde. Nein, Mann. Ich war mir sicher. Ich war verdammt nochmal tot. Total mausetot. Hier auf meiner Couch gerade gestorben. Mein Geist war noch im Körper. Und gleich würde ich meinen Körper verlassen und schön von oben auf den leblosen Leib hinablicken.
Aber nein. Es machte ZANG! Ich bebte und setzte mich auf. Dann kam ich so langsam klar. Und jetzt bin ich hier und das ist kein Traum. Mann! Nahtoderfahrung oder wasweißich. Auf jeden Fall krasse Scheiße. Das werde ich so schnell nicht vergessen.

Mein Dom

Nur wenige Meter fehlen und ich könnte meine Hand an seine alte, raue Haut legen. Um seine Spitzen zu sehen, muss ich den Kopf in den Nacken legen und die Augen zusammenkneifen. Seine Türme scheinen zu schwanken, dabei ziehen nur die Wolken darüber hinweg. Er macht mich jung und klein – der Kölner Dom.

Das riesige Bauwerk steht mitten in der Stadt neben dem Bahnhof. Neben der pulsierenden Station ist er ein Relikt der Ruhe mit einer langen Geschichte, mit der Gelassenheit eines Greises. Im Vergleich zu modernen Glasbauten und Stahlkonstruktionen wirkt das rohe Gemäuer der Kirche alt und fremd wie das Werk einer fremden Welt. Doch nicht der ganze Dom ist so alt, wie man es sich vorstellt:

Im Jahre 1248 waren die Reliquien der Heiligen Drei Könige schon einige Jahre in Köln und die kleine Kirche am Platz des heutigen Doms nicht mehr nur Amtskirche des Kölner Erzbischofs, sondern schon eine der bedeutendsten Wallfahrtskirchen Europas. Also beschloss man, die den Orte würdigende architektonische Form zu finden: Ein gotischer Dom sollte entstehen. Dem Konzept gotischer Sakralarchitektur gemäß sollten die Menschen beim Anblick des Domes die Größe Gottes und die Macht der Kirche spüren. Die Vertikalen des hohen Skeletbaus weisen Richtung Himmel, wirken elegant und erhaben. So, wie sich die Kirche selbst sah.

Ein Liter Schokolade

I'm not as brave as my friend“, sage ich zu der kurzhaarigen Lolita hinter der Theke. Sie trägt einen rosfarbenen Kuschelpulli. An ihrem schlanken Hals liegt eine Kette mit Anhänger. Ich stelle mir vor, was ihre Brüste hält und vergesse dabei, warum ich vor ihr stehe.
"You should believe in yourself“, antwortete sie mir. Der Kater von gestern versperrt mir den Weg in ihre Augen. Mein Blick zieht sich nach innen und ich bestelle eine heiße Schokolade. Die kleine Lolita stellt mich vor die Entscheidung, wie ich sie lieber hätte, mit Mandel oder Haselnuss. Ich drehe mich um und gehe zu dem Tisch, an dem bereits S. und E. hängen. Wenig später steht vor mir eine Tasse geschmolzener Blockschokolade mit Haselnuss und Mandelkern. Ich lehne mich zurück und nehme das Buch in die Hand, das S. aus einem der Regale neben uns genommen hatte. Es ist Rilke. Ich lese vier Seiten, dann bemerke ich: es ist auf kyrillisch.

Sympathie


Beim ersten Eindruck entscheiden der Gesichtsausdruck, die Kleidung und die Haltung. Sind diese drei Faktoren nicht abstoßend, sondern das Äußere persönlich, gepflegt und natürlich, hält der Mensch sich entspannt und souverän und ist im Gesicht sogar ein Lächeln zu sehen, dann ist der erste Eindruck sympathisch.

Danach werden die ersten Worte getauscht, deren Inhalt noch keine Bedeutung hat. Erst geht es um die Aufmerksamkeit, und ob sie ehrlich ist. Verlogenen Smalltalk kann man sich für das Straßentheater aufsparen. Künstliche Lockerheit ist ebenso unangebracht. Auch der Versuch, tief in die Seele des anderen vordringen zu wollen, ist schlecht. Also immer locker bleiben, sag ich, immer locker bleiben. Und einfach nicht zu viel wollen und nicht zu viel tun. Es wird sich etwas ergeben.

Wenn es sich dann beispielsweise ergeben hat, dass man einige Meter zusammen gegangen ist und auf Stühlen sitzt, um sich zu unterhalten, wird es komplizierter: Ich interessiere mich für die Menschen in meiner Welt. Wirklich. Das klingt banal, ist es aber nicht. Denn die meisten Menschen reden lieber von sich, als zuzuhören. Sie verstehen nicht, dass ich als Zuhörer erst einmal viel mehr Vorteile habe: Ich höre wie sie sprechen, wo sie herkommen und ob das, was sie mir erzählen, Bullshit ist oder interessant. Vielleicht erfahre ich sogar was sie mögen und was nicht, was wiederum ihren Charakter beschreibt. Und ganz wichtig: Ich werde schnell erkennen, ob sie das haben, was ein Gespräch für mich unterhaltsam macht: Humor.

Bei ungefähr gleich verteilter Aufmerksamkeit findet man das auch über mich heraus und wir lernen uns gegenseitig kennen. So wächst ein Gespräch. Ohne beiderseitiges Interesse wächst es nicht. Dann finden wir uns nicht sympathisch.

Es sei denn, ich habe aktives Interesse daran, dass man mich sympathisch findet. Dann geht das Gespräch weiter. Ich lache über falsche Witze, höre grinsend zu, frage freudig nach und ergänze hin und wieder kleine Botschaften aus verschiedenen Leben, die die anderen animieren weiterzusprechen. Es wird uns gut gehen und obwohl man mich nicht kennenlernt, werde ich für sympathisch befunden. Es ist irgendwie schön. Mir macht es Spaß. Für kurze Zeit. Ist das sympathisch? Für die einen ja, für die anderen nein. Ich finde auf jeden Fall alle anderen sympathisch. Die Frage ist nur, für wie lange.

Nachtrag: Kein sozial-intelligenter Mensch käme auf die Idee, sich anderen gegenüber selbst als sympathisch zu bezeichnen. Erst recht dann nicht, wenn er weiß, dass man ihn nicht besonders mag. Stattdessen wird er sich bemühen, ein paar Dinge zu tun, die ihn in den Augen der anderen sympathisch erscheinen lassen. Jung von Matt (2002)

Rilke reitet mich

Am Tisch neben uns hatte inzwischen ein Schwarm Mädchen Platz genommen. Alle saugten Nektar aus Blumen und summten Worte. E. saß mir gegenüber und ich schaute mir sein linkes Ohr an. Nach einer Weile lösten sich seine Augen von den Bienen und widmeten sich der Geschichte einer Überlebenden des Holocaust, die vor ihm auf dem Tisch lag. S.'s Bücherauswahl war beschwerend. Für mich trug eines der Mädchen einen weiten Fellschal. Ihr grünes Kleid leuchtete. Sie war bestiefelt und ihre übereinander-geschlagenen Beine zeigten in meine Richtung. Körpersprache-Spezialisten sagen, dass die Fußspitze in Richtung der Aufmerksamkeit zeigt. Ich zog meinen Schal aus. Die Bewegungen der Biene waren so spitz wie ihre Nase. Ihr Lächeln schmerzte. Aber Körpersprache-Spezialisten sind wohl alles Scharlatane. Also glitt ich vom Stuhl wie ein eingeseifter Aal und rutschte unter den Absatz der Perle. Sie zertrat mich sofort. Es schmatzte als ich starb, und sie schob sich mit einer Bewegung eine Locke aus dem Gesicht. Eine goldene Sekunde später kam ich als Kaffeetasse zurück in die Welt. Ihre langen Finger griffen nach mir und führten mich an ihre Lippen. Die Berührung ließ eine Welle durch meine Öffnung brechen. Feuer brach aus. Ich erblindete. Dann zerfiel die Zeit.

Die Eier-Parabel

Ich sehe es vor mir, wie es explodiert. Das Haus. Ein schreiendes Kind im Vordergrund. Dahinter die Kulisse einer zerstörten Stadt. Rauchfahnen steigen auf. Kommen aber nicht weit, weil der Regen sie auslöscht. Es gibt Pfützen, die das Stahlgrau des Himmels spiegeln. Eine Katze mit gebrochenem Hinterbein humpelt am Kind vorbei. Ihr Fell ist nass und eine Wunde auf ihrem Rücken dampft. Das Kind hält ein Hand hoch, zeigt in die linke Bildecke und sagt folgenden Satz:„Mein Laster ist noch da drin, Mama.“ Am rechten Bildrand schiebt sich eine Hand ins Bild und hält einen blitzblankstrahlenden, kleinen, gelben Bagger.

Eine männliche Stimme aus dem Off sagt: „Mein liebes Kind. Warum hast du ihn denn nicht mitgenommen?“ Was will uns diese Parabel – und es ist eine Parabel, weil es ja sonst nichts anderes sein kann – sagen? Was will uns das Kind mit auf den Weg geben? Ich sage: Ja. Ja, so ist das beim Vorspiel und beim Nachspiel und die Explosion ist viel zu früh. Aber das ist eben das Frühstück. Wenn die Eier kochen.

Im Schlürf

Ich fange also an nachzudenken. Da kommt eine SMS in Versalien. Sie empfiehlt mir zwei Songs von einem müden Sänger. Zack! Yougetubed und schon läuft es. Der Sänger scheint müde zu sein, obwohl er gut singen kann. Das versteh ich nicht. Warum freut der sich nicht? Das versucht mich in meiner Kreativität zu erschüttern, schafft es aber nicht, weil seine Texte mich zerflexen. Sie klingen tiefsinnig und weltschmerzlich. Aber ich spiele den Worten ein Schnippchen und schalte mein Verständnis der englischen Sprache aus. Das strapaziert meine Konzentration. Ich ermüde. Dann dauert es nur noch ein paar Sekunden und ich will nur noch Schweigen und mit Florence im Ohr alleine sein. Denn nur Florence hat den gleichen Waldköniginnen-Kriegsgesang wie ich, wenn ich ganz still bin. Aber jetzt ist der Mann mit seiner Stimme links und rechts an meinem Kopf und singt wie ein Bär kurz vor dem Winterschlaf: „Ich hab wahrlich schon viel gelebt, junger Padabär. Lass uns ruhen. Lange ruhen.“

Und dann würde sich die Padabärfamilie kerzlich am Ofen treffen, Wintertee trinken, sich das Fell graulen und schon tief und fest schlafen, wenn das Feuer nur noch glimmt. Vielleicht träumen sie dann von großen, hölzernen Wikingerschiffen, die stolz, unter vollen Segeln durch weite Wolken segeln. Von der Sonne beschienen. Mit wehenden Fahnen. Sie sehen starke Bären an Rehlingen stehen während große Bärinnen steuern, die Leinen raffen und die Richtung halten. Sie würden von Vögeln träumen, die wild um die Flotte fliegen und mit kehligen Rufen den Winter beschwören, der kurz davor ist, das Land einzunehmen, um es mit seiner dunklen Kälte zu befrieden. Aber vielleicht träumen Bären gar nicht von Wikingerschiffen sondern von japanischen Bienen, die Harfe spielen? Oder von Social Media Kampagnen zur Vermarktung von stromlinienförmigen Flug-U-booten. Apropos Social Media? Da war doch was. Augen auf und arbeiten, Junge! Also Stift in die Hand, Papier auf den Tisch und los geht’s!

Guts


Sein erstes Album "Guts - Le Bienheureux" ist schon fünf Jahre alt. Hier heute jetzt im Winter macht es fröhlich. So fröhlich, wie wenn es schon nach Frühling röché - und die real existierenden Stare vor meinem Fenster zwitschern.
Das Debüt-Album des französischen Menschen „Le Bienheureux“ erschien im Sommer 2007 auf Wax On Records. Es ist weltmusisch, zimmer- und barsoundi, mit Elementen aus Jazz, Funk, Hiphop und dem ganzen Kram, der Spaß macht. Einige Songs sind eingängig aber hintergründig. Andere dagegen richtige Sehnsuchtslieder, die man eine Woche lang jeden Tag drölf mal hören muss. Endlich mal wieder Lieblingsmusik!
Irgendwann gründete Guts das Label pura vida, experimentierte viel und veröffentlichte im Jahr 2010 ein weiteres Album "freedom". Ganz eigen, voll von persönlichen Eindrücken, weltweit, melancholisch und nur teilweise lebenslustig.
Mittlerweile gibt es eine neue Single Laisser Lucie faire, die richtig gut ist, und das dritte Album "paradise for all".

Gegenwärtig 6

Mein aktueller Status: verlorener Sohn.
Mein neues Outfit: ein Weihnachstsgeschenk.
Letzte gegessene Pflanze: Kakaobohnenkuchen.
Motto: Lass mich!
Vergangenheit: ohne Fehler.
Neue Richtung: raus.
Zum Nachtisch: was Böses.
Zitat der Stunde: Frage nie nach etwas, was dir angeboten werden sollte. (Film)

Ein enorm gutes Heft

Das Wirtschafts Magazin enorm ist das Heft der Stunde. Die Themen betreffen die Nachhaltigkeit in allen Facetten: Es werden Projekte beschrieben, junge Unternehmer porträtiert, alte Kämpfer interviewt, Kritik geübt, Aktionen hinterfragt und glücklicherweise kein Zeigefinger erhoben.

Es geht um Corporate Social Responsibility, kurz: CSR, um sinnvollen Konsum, umweltverträgliche Anbaumethoden und nachhaltige Geldanlagen. Ohne überzogenen Idealismus kommt im ganzen Heft die Tatsache ans Licht: Wirtschaft geht auch ohne Gier.

Es ist liebevoll gestaltet, von renommierten Journalisten geschrieben und wird von einem eigens dafür gegründeten, unabhängigen Verlag in Hamburg, dem Social-Publish-Verlag, herausgegeben. Im dritten Jahr soll es ab 2012 alle zwei Monate erscheinen, kostet 7,50 und wer es ausgelesen hat, darf es gerne weitergeben.

THE MARKET

Tamira sitzt hinter ihrem Tisch. Sie lächelt. Dabei strahlen ihre Zähne in ihrem sonnengebräunten Gesicht. Da wo sie herkommt ist jetzt Sommer. Hier trägt sie eine rote Wollmütze und einen Schal, denn sie ist die Kälte nicht mehr gewöhnt. Trotzdem sitzt Sie heute tapfer an ihrem Stand. Vor ihr auf dem Tisch steht ein Plastikkopf. Er hat auch eine Mütze auf und trägt einen gelben Schal unter dem Kinn. Tamira verkauft Schals. Ganz besondere. Eigentlich in Buenos Aires. Heute in Köln.

Vor einem Jahr hat sie ihre Koffer gepackt, ist nach Südamerika gereist und hat ihr Unternehmen gegründet. Jetzt haben in Argentinien 15 Frauen Arbeit und Tamira das Gefühl, etwas Richtiges zu tun. Reich wird sie nicht, aber darum geht es auch nicht. Tamira kauft Stoffe ein, bringt sie den Frauen, die daraus an ihren Nähmaschinen in Eigenregie Schals herstellen. Alles wunderschöne Einzelstücke, die es den Frauen ermöglichen, für sich und ihre Familien Geld zu verdienen.

Heute ist sie mit einer kleinen Auswahl verschiedener Schals auf THE MARKET CGN, dem Wochenendmarkt für grünen Lifestyle im alten Güterbahnhof in Ehrenfeld. Hier findet man nachhaltige, biologische, ökologische und sozial gerecht Waren. Nicht alle sind alles, aber mindestens eines. Es ist ein Markt einer anderen Welt. Einer Welt von Menschen, die das gierige profitstreben der Großkonzerne satt haben, sich nicht ins System einfügen wollen und das machen, wovon andere immer nur reden: sinnvoll wirtschaften, zum Wohle aller Beteiligten und der Umwelt. Soweit es ihnen möglich ist.

Auf dem Markt wird viel geboten: Es gibt Kleidung aus Norwegen, Möbel aus Recyclingmaterial, Tauschbörsen aus Köln, Nachhaltigkeitsberater aus Hamburg und Biolikör aus Mainz. Und über allem schwebt das gemeinsame Bewusstsein, die Welt ein wenig besser zu machen. Die glücklichen Gesichter sprechen eine deutliche Sprache: Wir sind nicht allein und das, was wir tun, ist gut. Seht her!

Jeder der Aussteller tut das, was er kann, und fühlt sich wohl dabei: Herstellen, verkaufen, gestalten, moderieren, oganisieren, planen, nähen, schrauben oder programmieren. Immer mit dem Gedanken, dass mit der eigenen Arbeit das Geld verdient wird, was man zum Leben braucht, aber gleichzeitig der Wert der Arbeit auch darin besteht, gutes zu leisten. Niemand bereichert sich oder beutet aus. Die Gewinne werden fair verteilt und die Umwelt so gut es geht geschont.

In den zwei Tagen im Dezember besuchten rund 2.000 Besucher den Markt, geben die Veranstalter an. Und trotz kalter Halle war die Stimmung durchweg gut. Für das Interesse an Tamiras Schals war die eisige Luft sogar sehr gut. Die Termine für den nächsten Markt stehen auch schon fest. Ende März wird die zweite Runde stattfinden. Tamira ist dann bestimmt schon wieder in Bueonos Aires und verkauft ihre Schals dort, wo dann der Winter beginnt. Dafür werden sich in Köln andere Aussteller vorstellen und den Besuchern zeigen, dass es möglich ist: Nachhaltig wirtschaften, davon leben und sich wohl dabei fühlen.

THE MARKET CGN

Ich will ein Rüschenkleid tragen

Blondinen hüpfen aus Puderdosen, Seejungfrauen wachsen Beine, Hausfrauen machen sich für Ihren Mann zurecht, Kirschbäume werfen ihre Früchte ab, Vögel verlieren ihre Federn - und immer Brüste. Jede Performance endet mit Busen, der geschüttelt, gerüttelt, gestreckt, gestreichelt und ins Licht gehalten wird. Dann fällt der Vorhang. Zeit für Sophie Russel: Eine Er oder ein Sie? Auf jedenfall ein Mammut. Sie erzählt uns immer wieder Teile ihrer Lebensgeschichte, die so schillert wie ihr Kleid, in das ihre Tänzerinnen alle auf einmal reinpassen würden. Ihr Buttler Erik räumt unterdessen die Unterwäschenreste weg, beist einem Mann im Publikum zu und schon geht der Vorhang wieder auf. Eine Mädchenband in gepunkteten Minikleidern rockt los. Alles grölt, klatscht, pfeift und kreischt. Das Publikum feiert. Die ganze Zeit. Der Sound swingt, das Licht blendet und der Wahnsinn ist so albern, dass es schmerzt - an den Händen vom Klatschen und im Gesicht vom Lachen. Und die Brüste. Die Mädchen zeigen am Ende ihrer wenige Minuten dauernden Darstellungen immer ihre Brüste. Jede vier Mal in anderen Rollen. Es ist so vorhersehbar, dass man schon jubelt, bevor es los geht. Gute Nacht Geschmack. Geh schon mal ins Bett. Ich feiere noch Burlesk. Danke Le petit Four 

Der Schlund


Beim Texten gelingt nichts sofort. Nicht einmal der Anfang. Meistens geht es so: „Ah, Chef, was gibt’s? Ein dringender Auftrag vom Kunden Superwichtig. Geht klar. Mach ich. Bis wann muss der Text fertig sein? Heute! Gut, das heißt ich habe noch gestern Zeit.“ Der Chef legt mir das Briefing auf den Tisch und geht zurück in sein Büro. Er geht mit der Gelassenheit eines Generals in Zeiten, in denen nur die anderen Länder Krieg führen. Ich bin ein anderes Land. Und die nächste Schlacht liegt vor mir. Ich widme mich dem Brief vor mir auf dem Tisch: Das muss neues Papier sein, es ist irgendwie weißer. Und die Schrift. Irgendjemand muss sich einen Spaß erlaubt haben. Denn sie so klein, dass ich meine Brille abnehmen muss und mit der Nase die Tinte rieche, während ich lese: „Mach alles so wie immer zum Thema deiner Wahl. Nur schneller.“ Oder bilde ich mir das nur ein. Nein, das steht da. Ich blicke auf, starre kurz in die Luft und sehe noch einmal genauer hin. Diesmal ertaste ich was dort steht: „Bitte fassen Sie die Funktion unseres ultraschallbetriebenen Transistorföns in weniger als 100 Wörtern lecker und sexy zusammen. Die Kunden müssen für dieses Ding vor unseren Läden campieren.“

Ok. Alles klar. Dachte ich es mir doch. Ich war zu nah dran. Jetzt ist alles klar. Ich lehne mich zurück und drücke die Lehne meines Bürostuhls ganz nach hinten. An der Decke meines Büros sind Risse im Beton. Ach nein, nur die Farbe blättert ab. Wann wurde hier wohl das letzte Mal gestrichen? Immerhin sind wir schon seit fünf Jahren in diesen Räumen. Wurden die seither noch mal renoviert? Ich glaube nicht. Oder war ich da gerade im Urlaub? Nein, kann nicht sein. Ich hatte noch nie Urlaub. Zumindest nicht, dass ich das gerade wüsste. Oder doch? Letzten Montag hatte ich frei. Was war da noch mal? Aha. Ich besuchte alte Freunde in meinem Studienort. Mensch, das war richtig gut. Wir haben so auf die Kacke gehauen, dass ich die komplette Woche krank war. Aber das kann auch daran gelegen haben, dass alle um mich herum krank waren, und mich krank gemacht haben. Schließlich ist Grippezeit. Und wenn man sich nicht immer und überall schützt. Jaja. Aber wie soll man das bitte anstellen. Schutz beim Sex ist OK. Nein, natürlich Pflicht. Aber sonst? Ich kann doch nicht alles sterilisieren.

Hat nicht Chris gestern von seinem Opa erzählt, der immer sagte, was uns nicht schmeckt ist Dreck? Nein, es war anders: Was uns nicht umbringt, reinigt uns? Irgendwie so war es. Auf jeden Fall muss man Karotten aus dem Garten nicht waschen, wenn man nicht in einem Gebiet lebt, in dem alle Industrieabgase abregnen. Aber tu ich ja nicht. Allerdings hab ich auch keinen Garten. Also wasch ich lieber alles. Das stand auch gestern in der - wo noch mal? Ich habe gestern doch gar nichts gelesen. Wann habe ich das letzte Mal etwas gelesen. Hm. Ah, richtig. Vorhin. Das Briefing das vor mir liegt. Was war damit noch gleich? Bis morgen soll es fertig sein. Na dann fang ich mal an!

"Jung sein..." von Marc Aurel

Die Jugend kennzeichnet nicht einen Lebensabschnitt,
sondern eine Geisteshaltung;
sie ist Ausdruck des Willens,
der Vorstellungskraft und der Gefühlsintensität.

Sie bedeutet Sieg des Mutes über die Mutlosigkeit,
Sieg der Abenteuerlust über den Hang zur Bequemlichkeit.
Alt sein bedeutet nicht, viele Jahre gelebt zu haben.
Man wird alt, wenn man seine Ideale aufgibt.

Die Jahre zeichnen zwar die Haut.
Ideale aufgeben aber zeichnet die Seele.
Vorurteile, Zweifel, Befürchtungen
und Hoffnungslosigkeit sind Feinde,
die uns nach und nach zur Erde niederdrücken
und uns vor dem Tod zu Staub werden lassen.

Jung ist, wer noch staunen und sich begeistern kann.
Wer noch wie ein unersättliches Kind fragt: Und dann?
Wer die Ereignisse herausfordert
und sich freut am Spiel des Lebens.

Ihr seid so jung wie euer Glaube.
So alt wie eure Zweifel.
So jung wie euer Selbstvertrauen.
So jung wie eure Hoffnung.
So alt wie eure Niedergeschlagenheit.

Ihr werdet jung bleiben, solange ihr aufnahmebereit bleibt:
Empfänglich fürs Schöne, Gute und Große,
empfänglich für die Botschaften der Natur,
der Mitmenschen, des Unfasslichen.

City Leaks Köln

Das City Leaks Festival in Köln ist zwar seit einem Monat offiziell vorbei, da aber viele Wände noch zu sehen sind, lohnt es sich, die website zu durchstöbern und bei einem Besuch in Köln, die ein oder andere Wand in Überlebensgröße zu sehen. Es ist eine ziemlich bunte Mischung großer Grafiken, Gemälde und Illustrationen und es dürfte für jeden etwas dabei sein. www.cityleaks-festival.com

Hymne der Losigkeit

Obgleich das Glas in grünlichem Pastell nur Kälte will,
so schmerzlich warm ist doch sein Glanz.
Mit Fett geschmückt und ganz
erfüllt von Ziel und Wunsch.

Welch warme Wucht erreicht mein Auge.
Kein Schimmer trübt den bleichen Klang.
Wohin drängt mich mein weicher Gang?
Komm doch mit und fass mich an.
Ich rufe dich: Führ du mich an.

Doch wasserlich erblinde ich
es zieht mich stur nach draußen.
Durch Wände voller Graußen.
Sie platzen auf und kleben
und töten all mein Streben.

Oh, Schmerz der mich erfüllt.
Ich kenne auch dein Ebenbild.
Nachts liegt es neben mir begraben,
wo die Maden Höhlen graben.
Da bin ich zuhause.

Was schwillt mir da im Herzen?
Ist es Liebe, sind es Schmerzen?
Wozu erfüllt mich all das Blut,
zerfrisst mich doch die wilde Wut
auf Pläne, Wünsche, Hand und Träne.

Kein Sinn steht in der Wahrheit Nähe.
Die Luft ist leer und ruft.
Doch Duft und Klang verhallen
unbemerkt in Hallen.

Geographie triff Typographie


Gerade noch über die Verbindung von Geographie und Texten nachgedacht, dann findet sich das als Hintergrund auf dem Rechner meines Chefs: Eine gute Idee, die beides vereint. Gut umgesetzt. Danke Gadgetcloud.
Gadgetcloud

Lana del Rey


Ein neuer Star am Retro-Himmel leuchtet. Lana del Rey, eigentlich Lizzy Grant, surft gerade auf der Schaumkrone der Youtube-Welle. Ihrer Musik erinnert uns an glamouröse Stars auf rauchigen Bühnen, an Nina Simone, Betty Davis und Lady Gaga. Sie lässt uns an Tarantinos Soundtracks denken, von lasziven Morcheeba-Früchten träumen und uns eine schüchterne Nancy Sinatra herbeiwünschen. In ihren Videos räkelt sie sich zwischen Super8-Skater-Fetzen und vergilbten privat Aufnahmen im Paparazostyle. Sie selbst ist schwelgerischer 60s-Vintagepop, schmollmundige Sex-Ikone und immer kokett zwischen not-give-a-fuck-Diva und künstlerischer Songwriterin. Sie zitiert Pop, ist Cut-up und flasht.
Anschauen und Anhören!

Pecha Kucha - Auf den Punkt

Pecha Kucha hätte mein Studium sinnvoll gemacht. Ich hätte am Ende meines ersten Vortrags im Studiums mit dem Thema induktive versus deduktive Krozipität nicht folgenden Satz hören müssen: „Sag mal! Hast du den A.. o... – hier anderhalb Stunden über so einen Sch... zu qua..!“ Niemand konnte mein Talent für lange, langweilige Vortäge würdigen.

Mit Pechua Kechurar – äh: Pecha Kucha – wäre das nicht passiert: Pucha Kacka heißt wirres Geplauder und Stimmengewirr, auf japanisch. Und so funktioniert es: 20 Bilder. Für jedes 20 Sekunden. Summe: 6 Minuten 40 Sekunden pro Vortrag. Meist 14 Vorträge in Folge. Das ist fett. Das fordert, fördert und folgert und your forgott nothing more. Es wäre wie was Lernen!

BOY - mutual friends


BOY klingt nach Blumen, die aus Poren strömen, aus Mündern rauschen und in Ohren ziehen. Blumen, die den Wind ziehen und ihn treiben.

BOY - das sind Sonja Glass aus Hamburg und Valeska Steiner aus Zürich. In Hamburg trafen sie sich, dort musizieren sie zusammen. Letztes Jahr tourten sie durch Deutschland und die Schweiz. Dann fuhren Sie nach Berlin, mit dem neuen Album im Ohr, ins Kinderzimmer von Multiinstrumentalist / Produzent Philipp Steineke und nahmen die Songs auf.

BOY haben auf zwölf Quadratmetern wochenlang konzentriert gearbeitet. Sie haben in der Klangzelle fast alle Instrumente selbst eingespielt und nur für die Drums wurden mehrere befreundete Schlagzeuger eingeladen — unter anderen Thomas Hedlund, von der französischen Band Phoenix. Jetzt klingt ihre Musik so, wie sie es verdient: in Pracht arrangierte, sanfte Songs zum fühlen und sehnen. Mit dem Blick in die Ferne und dem Gefühl von tanzend den Ausblick genießen. Wer der verträumten Welt der Mädchen lauscht, möchte die Arme ausbreiten und eine Schleife über den Dächern der Stadt drehen, über die Felder segeln. Wild und überschwänglich Kreise tanzen. So klingt ungestüm sanfter Pop.

Raus seit: 02.09.2011
Laufzeit: 45:00
Label: Grönland

1. This Is The Beginning 03:31
2. Waitress 03:15
3. Army 03:11
4. Drive Darling 04:25
5. Railway 03:54
6. Waltz For Pony 03:43
7. Boris 03:21
8. Oh Boy 03:38
9. Skin 04:07
10. Silver Streets 05:31
11. July 05:53

Film Noir

Sonntagnachmittag. Du willst einen Film schauen. Irgendeinen. Hauptsache Film. Aber was? Das ist die Frage. Jetzt hast du genau zwei Möglichkeiten. Erstens: Du schaust irgendeinen Film an. Oder du denkst nach, und schaust dann einen Film an. Wenn du dich von link zu link hangelst, ohne Plan zu haben und einfach nach einem unterhaltsamen und guten Film suchst, brauchst du Glück. Wenn du kein Glück hast, hast du Pech. Also schlage ich vor, du denkst. Aber was? Da drin ist alles schwarz. Da sage ich: Gut, lies folgendes:

Film noir ist ein Filmgenre. Film noir ist pessimistisch, düster und unkonventionell. Film noir ist überwältigend schwarz. Seine Helden sind entfremdete, verbitterte Charaktere. Sie sind gierig, eifersüchtig, lasterhaft und erfüllt von existenzieller Verbitterung.  Meistens geht es um Mord und dessen Aufklärung – erfolgreich oder auch nicht. Wobei mal ein Polizeikommissar, mal ein Privatdetektiv oder eine Privatperson ermitteln. In anderen Handlungen geht es um brutale Überfalle, listige Betrügereien, komplizierte Verschwörungen und um verbotene Affären. Immer gibt es korrupte Polizisten, eifersüchtige Ehemänner, unerschrockene Versicherungsangestellte und heruntergekommene Schriftsteller. Und, der Reiz, das Laster, das Feuer, die Leidenschaft, ist immer dabei. Immer gibt es sie: die Femme fatale.

Im Film noir steht jeder gegen jeden. Alle sind nur auf ihren eigenen Vorteil aus und wer anderen vertraut, hat das Nachsehen oder wird umgebracht. Aber trotz aller Gefahr sind die Antihelden schlagfertige hartgesottene Figuren. Und ihre Dialoge sind lässig und gespickt mit sexuellen Anspielungen und selbstreflektivem Humor. Typischerweise spielt der Film noir in rauen Städten, wie Los Angeles, San Francisco, New York City und Chicago. Denn die Stadt ist ein Labyrinth. Und das Labyrinth sind  Bars, Nachtclubs und Spielhöllen, heruntergekommene Fabrikhallen und einsame Straßenschluchten. Die Höhepunkte der Filme handeln oft in verfallenen, komplexen Industrieanlagen. Nicht wenige spielen bei Nacht und Regen. Aber es gibt auch bei Tag Betrug, Verführung und Verrat.

Anstatt sich auf simple Gut-und-Böse-Konstruktionen zu beschränken, baut der Film noir moralische Zwickmühlen auf. Handlungen sind ungewöhnlich und Absichten uneindeutig. Und auch die Erzählweise vieler Filme bricht mit den klassischen Konventionen des linearen Erzählens. Damals, in der Hochphase des Film noirs in den USA der 40er und 50er Jahre, waren sie neu: Rückblenden, Vorausblenden, Voice-over-Erzähler und andere verwirrende und verzerrende Techniken, die die Spannung steigern.

Robert Sklar schreibt in Movie-made America: „Das Kennzeichen des Film noir ist sein Sinn für in einer Falle sitzende Menschen – gefangen in einem Netz von Paranoia und Angst, unfähig, Schuld von Unschuld zu unterscheiden, echte Identität von falscher. Die Bösen sind anziehend und sympathisch […]. Seine Helden und Heldinnen sind schwach, verstört. Die Umwelt ist düster und verschlossen, die Schauplätze andeutungsweise bedrückend. Am Ende wird das Böse aufgedeckt, aber das Überleben der Guten bleibt unklar und zwiespältig.“

Meine Favoriten des Neo-Noir:
Watchmen – Zack Snyder (2009)
Film Noir – Jones und Topalski (2007)
Sin City – Rodriguez, Frank Miller, Tarantino (2005)
The Brick – Rian Johnson (2005)
Batman Begins – Christopher Nolan (2005)
Memento – Christopher Nolan (2005)
Fight Club – David Fincher (1999)
Payback – Brian Helgeland, Mel Gibson (1999)
Dark City – Alex Provas (1998)
Ronin – John Frankenheimer (1998)
Pulp Fiction – Quentin Tarantino (1994)
Heat – Michael Mann (1995)
Millers Crossing – Ethan und Joel Coen (1990)
Blade Runner – Ridley Scott (1982)
Chinatown – Roman Polanski (1974)
Dirty Harry – Don Siegel (1971)
Der eiskalte Engel – Jean-Pierre Melville (1967)
und der eine aus der klassischen Ära:
Die Spur des Falken – John Huston (1941)

Gegenwärtig 5

Mein aktueller Beziehungsstatus: generalstabs-artig
Mein neues Outfit: zu eng
Letzte gegessene Pflanze: Kalbshut
Gebrabbel: "Ich kann dich sehen." Clint Eastwood
Vergangenheit: arm Neuer Künstlername: Axel Bauts
Zum Nachtisch: Torpedos
Erkenntnis der Stunde: Ich kann ein poppendes Geräusch mit meiner Nase machen, das ein leises Schmatzen untermalt. Dabei spritzt Rotz auf meine Tastatur.de: Ich kann ein poppendes Geräusch mit meiner Nase machen, das ein leises Schmatzen untermalt. Dabei spritzt Rotz auf meine Tastatur.

Radio erklärt Geographie


Vieles, was wir in Geographie in der Schule lernen, vergessen wir sofort wieder. Denn wer will schon Städtenamen auswendig lernen und als Hamburger sagen können, welcher Fluss durch München fließt? Aber das ist alles Quatsch. Obwohl die, deren Schulbesuch länger als neun Monate zurück liegt, Geographie für das Lernen von diesem Quatsch halten. Oder für Buddeln im Dreck - was übrigens am meisten Spaß macht, wenn man auf Erdöl stößt. Um wenigstens etwas über das spannendste und wohl auch modernste Fach der Welt zu wissen, braucht man schon einen Geographen im Freundeskreis und dann klingt die Reaktion meistens so: "Ach ja? Das ist ja ganz schön vielseitig und interessant was ihr da macht. Das ist ja Wirtschaft, Soziologie, Recht und Technik auf einmal." Recht habt ihr! Weltverständnis eben. Deutschlandradio erklärt wieso:

Montag: Studentin im Selbstporträt, Beitrag aus dem Studium
Dienstag: Reportage Exkursion Relief und Boden
Mittwoch: Interview mit C. Winkelkötter, Vorsitzender des DVAGs
Donnerstag: Berufsaussichten und "Ein Tag als Geograph"
Freitag: Zusammenfassendes Kollegengepräch
Samstag  Zusammenfassung/Wiederholung 


Bild: brett jordan flickr CC BY 2.0  

Online-Pranger für Mogel-Packungen

Erdbeerjoghurt ohne Erdbeeren oder Käse ohne Milch - die Werbeversprechen und die verführerischen Bezeichnungen auf Lebensmittelverpackungen kennen schon lange keine Grenzen mehr. Sie suggerieren Qualität und Natürlichkeit und locken mit Gesundheitsversprechen.

Lebensmittelklarheit.de heißt das neue Portal der Verbraucherzentrale, gefördert durch das Bundesministerium für Verbraucherschutz. Auf der Seite erhält man Informationen darüber, was Lebensmittel enthalten dürfen und wie sie gekennzeichnet sein müssen. Irreführende Angaben auf Verpackungen können vom Verbraucher gemeldet werden, indem sie ein konkretes Produkt über ein Formular anmelden und es kritisieren. Bevor die Beschwerde veröffentlicht wird, prüft die Redaktion die Beschwerden, um eine Instrumentalisierung des Portals zu vermieden. Die Unternehmen können zu den Beschwerden Stellung beziehen.

Foodwatch begrüßt die Seite. Vertreter der Wirtschaft fürchten, die Seite werde ein moderner Pranger. Matthias Horst von der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie kritisierte, dass Produkte und ihre Hersteller namentlich genannt werden. Die FDP und die Grünen bemängeln vor allem, dass Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner die Koordinierung des Internetportals nicht allein den Konsumenten überließ, sondern an die Verbraucherzentrale delegiert hat.

Danger Mouse & Daniele Luppi


Das Album Rome beginnt wie ein Film von Sergio Leone: Langsam reisen wir in ein trockenes, weites Land, wo spärliche Gitarrenakkorde wie Böen vorbeiziehen. Jack White leidet als einsamer Cowboy zu Orchestertönen und Nora Jones verschenkt unerreichbare Zärtlichkeit. Gemeinsam entführen sie in streichelnde Einsamkeit.

Das Album hat 15 Tracks, ist nur 35 Minuten lang und man merkt von wem es ist: Danger Mouse macht die Songs außerhalb der gängigen Hörgewohnheiten zu Hits und der Filmkomponist Daniele Luppi gibt den kurzen Songs die epische Tragweite. Denn gerade die gefühlte Länge und die tatsächliche Kürze machen das Album zu einem großen Kunstwerk für anspruchsvolle Ohren. Wer geniale Melodien und Arrangements mag, wird sich verlieben und den Bezug zur Realität verlieren. Zum Glück ist das Album so kurz.

1. Theme Of ‘Rome’
2. The Rose With A Broken Neck (feat. Jack White)
3. Morning Fog (Interlude)
4. Season’s Trees (feat. Norah Jones)
5. Her Hollow Ways (Interlude)
6. Roman Blue
7. Two Against One (feat. Jack White)
8. The Gambling Priest
9. The World (Interlude)
10. Black (feat. Norah Jones)
11. The Matador Has Fallen
12. Morning Fog
13. Problem Queen (feat. Norah Jones)
14. Her Hollow Ways
15. The World (feat. Jack White)

Geographen ans Steuer


Ich bin Geograph. Aber lies genau: Nein, ich bin kein Geologe. Das stimmt nur zu einem Teil. Denn die Geologie befasst sich zwar mit der Erde, allerdings hauptsächlich mit den Gesteinen der Erde, abbauwürdigen Rohstoffen und der Entstehung von Gebirgen. Die Geographie hingegen befasst sich mit der Welt als Ganzes. Die Geologie ist nur eine Teildisziplin. Zwei weitere sind die Klimatologie, die sich mit dem Wetter in der Atmosphäre beschäftigt, und die Geomorphologie, die sich fragt, wie sich die Oberfläche, die Skulptur, der Erde verändert.

Die Geographie befasst sich aber nicht nur mit dem ganzen Naturraum, sondern mit dem kompletten Raum. Und dazu gehört auch der Mensch in seiner Anthroposphäre. Die Geographie fragt, wo er lebt, wie er lebt und wie er auf den Raum wirkt. Die Antworten auf diese geographischen Fragen werden oft mit dem Hauptwerkzeug des Geographen gesucht: der Karte. Es gibt Karten über die Verteilung des Menschen auf der Welt, über seine Wanderungsbewegungen, über den Verbrauch von Rohstoffen, über Handelsrouten, politische Systeme und die Verbreitung von Krankheiten oder die Idee der Menschenrechte.

Der Mensch baut Straßen und Städte, rodet Wälder, versetzt Berge, gräbt Tunnel und verschmutzt die Umwelt. Er erfindet die Dampfmaschine, stürzt Diktatoren, jagt Wale und sät Weizen. Er rottet die Kinderlähmung aus und öffnet Grenzen. Er prägt den Raum dieser Welt in allen Bereichen und jeder einzelne dieser Eingriffe hat Auswirkungen auf Prozesse, die darin ablaufen: Luftverschmutzung führt zu saurem Regen, der den Boden belastet, was den Pflanzen schadet, welche nicht mehr die Erosion verhindern können, was zu Schlammlawinen führt, die Menschen in Orten bedrohen, wo sie leben, weil sie der Arbeit folgten, die die Wirtschaft schuf, weil dort Rohstoffe liegen oder Landwirtschaft betrieben werden kann, was in einem freien politischen System zu Reichtum führt, was ein Gesundheitssystem etablieren kann, wodurch sich die Geburtenrate erhöht, was zu Nahrungsproblemen führt, worauf mehr Raum besiedelt werden muss, welcher umgestaltet wird und der Kreislauf sich gegenseitig beeinflussender Faktoren weiter und immer weiter geht. Es hängt alles zusammen.

Und der Geograph hat den Überblick. Durch das Studium der wissenschaftlichen Disziplinen hat er auch die Fähigkeit, sich mit allen spezialisierten Experten unterhalten zu können. Somit ist die Geographie der Schlüssel zu allen anderen Wissenschaften. Mit ihr kann das komplexe Zusammenspiel von Natur und Mensch und von Gesellschaft und Umwelt verstanden werden. Manche Geographen erforschen die Zusammenhänge an Universitäten und Instituten, andere entwickeln daraus Handlungsvorschläge für Unternehmen und Regierungen. Geographen sind die Generalisten, die in unserer hochspezialisierten Arbeitswelt den Überblick behalten. Sie sehen den Weg, der aus einem Netz vieler Fäden zwischen drei großen Säulen besteht. Die Säulen heißen Umwelt, Wirtschaft und Mensch - ganz im Sinne der Nachhaltigkeit.

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Axel Stirn Dicht

Ein Sparsfogel hat eine Seite, die Texte generiert. Es entstehen grammatikalisch korrekte Texte ohne Sinn: Digitaler Dada - nicht aus der Traumwelt des Menschen, sondern aus dem elektrischen Kosmos. Oder ist es Deep Thought's Poesie?

AXEL STIRN DICHT implodiert. Er promoviert werktags. Er summiert stereo ein radikales Bonbon. Er vermischt umsonst den Dagobert. Er ist kein sensibles Alter. Er entkommt dazwischen. Er ist nicht wund. Er rostet. Er filmt schwerlich ein periodisches Institut. Er ist keine Ampel. Er miaut. Er stellt nonstop den Kurt. Er ist wahrhaftig. Er ist kein mystischer Laden. Er ist linear. Er ist nicht nackt. Er wacht. Er kneift den Carl. Er ist eine Mixtur.

AXEL STIRN DICHT kleckert. Er stolpert montags. Er badet. Er manipuliert den sechseckigen Jeff. Er kegelt. Er terrorisiert ein Turnier. Er urteilt hier. Er ist kein interaktiver Strick. Er ist kein Foyer. Er lacht. Er ruht leider. Er ist ein Rost. Er kurbelt oben. Er schwebt woanders.

AXEL STIRN DICHT archiviert ein doppeltes Zebra. Er kleckert. Er raucht. Er pupst. Er pfeift. Er klaut eine entschiedene Weiche. Er geht hinten. Er ist subtil. Er wirft die Gitta. Er belohnt den Jesus. Er dividiert. Er besticht bisher eine Spalte. Er ist destruktiv. Er repariert gratis den Ansgar. Er musiziert. Er hievt vorab den Stefan. Er berichtet. Er verteidigt unterwegs eine Tat. Er schwindelt ungern. Er denkt sofort. Er minimiert die Martina. Er ist nicht kurz. Er ist nicht wertlos. Er lenkt die neutrale Cornelia. Er bebt allzeit. Er ist welk.

AXEL STIRN DICHT duldet eine kontinuierliche Garderobe. Er ist ein Rotwild. Er ist nicht gediegen. Er trudelt fast. Er ist nicht mental. Er ist hager. Er trommelt. Er zitiert allzeit die Inga. Er kegelt zuweilen. Er hustet hoffentlich. Er sammelt meistens die neutrale Michelle. Er ist kein Adjektiv. Er schwebt schwerlich. Er flimmert. Er rostet feiertags.

Erotischer Nachtrag

lovage jennifer charles music to make love

Ich habe Gänsehaut. Hatte ich sie vergessen? Vor zehn Jahren war sie in mein Leben getreten, seitdem habe ich sechshundertsiebenunddreißig Mal mit ihr geschlafen und jetzt schon länger nicht mehr an sie gedacht. Was ist los mit mir?

Es geht um das laszive Album Lovage - Music to Make Love to Your Old Lady By, vom Label 75 Ark, aus dem Jahr 2001, auf dem sie singt: Jennifer Charles. Sängerin von Elysian Fields. Lovage war ein Projekt von Dan the Automator, der unter dem Pseudonym Nathaniel Merriweather auch das Projekt Handsome Boy Modeling School gemacht hat. Auf dem Album stöhnt Jennifer Charles mit Mike Patton, dem Ex-Sänger von Faith No More. Kid Koala dreht die Tische und Damon Albarn, Afrika Bambaata, Chest Rockwell und Maseo von De La Soul werkeln mit.

Der Sound ähnelt Trip-Hop mit einfühlsamen Streichern aus den Händen von Meistern des HipHops. Die Scheibe wärmt und betört. Wenn man sie alleine hört, entführt sie die Gedanken in rote, weiche Tempel voller Nymphen und Athlethen, die gemeinsam im Rausch schwimmen. Gurrr!